Wer in Rottweil einen Döner essen möchte, hat in und um die Fußgängerzone viele Möglichkeiten. Foto: Bodo Schnekenburger

Lebensmittelpreise steigen, Heiz- und Wasserkosten nehmen zu, und auch die Mitarbeiter wollen ihren Lohn erhalten. Könnte daran das Dönergeschäft in Rottweil zugrunde gehen?

Kraut, Salat, Tomaten, Zwiebeln, Knoblauchsoße, ein bisschen scharfes Gewürzpulver mit Fleisch vom Spieß oder einer vegetarischen Alternative in einem fluffigen Fladenbrot – an Dönerläden mangelt es in Rottweil nicht. Doch wie gehen die Betreiber mit den steigenden Kosten um? Werden Kunden auch in Zukunft noch einen klassischen Döner genießen können?

 

Emrah Kapti ist Geschäftsführer des Billard-Bistros „United“. „Döner rentiert sich nicht mehr“, ist er sich sicher. Die Ausgaben seien extrem. Nicht nur die Lebensmittelpreise, darunter auch die teureren Dönerspieße, sondern auch Betriebsnebenkosten wie Wasser und Strom steigen, weiß er.

Von der Konkurrenz abheben

Das Geschäft lohne sich erst, wenn die Kunden, abgesehen von ihrem Döner, noch etwas anderes bestellen würden – eine Pizza oder ein Getränk. Ohne die Bar wäre der Laden vermutlich schon verschwunden, so Kapti. Denn: Auch die Vielzahl an Konkurrenten in Rottweil machten das Geschäft schwer: „Man muss immer wieder neue Ideen haben.“

Deshalb entwickelte er auch den „Crispy Chicken“ Döner. Eine Mischung aus Burger und Döner. Dieser sei gut angekommen, ersetze aber nicht den regulären Döner vom Spieß. Den würde die Kundschaft weiterhin erwarten. Insbesondere die Variante mit Fleisch. Er bemerke bislang keinen starken Anstieg in der Nachfrage nach vegetarischen Alternativen.

Laufkundschaft gebe es kaum noch

Besonders seit die Preise stark in die Höhe gestiegen sind, würden die Kunden ausbleiben. Dennoch brauche es zwei Mitarbeiter – egal, ob viel oder wenig Kundschaft da ist. „Es ist nicht mehr wie es war“, bedauert der Geschäftsführer. Laufkundschaft gebe es kaum noch.

Ohne die Bar wäre „United“ eventuell schon verschwunden, vermutet Geschäftsführer Emrah Kapti (rechts). Foto: Elena Baur

Besonders sonntags sei das Geschäft eingebrochen – bis zu 50 Prozent, so Kapti. Denn: Vor der Türe gibt es keine Parkplätze, lediglich eine Busbucht, in der nicht gehalten werden darf. Vermehrt verteile das Ordnungsamt dort Strafzettel. Und Parkgebühren seien hoch. Das schrecke Kunden ab. „Es ist ein harter Kampf. Wir kämpfen uns durch“, zeigt er sich kämpferisch.

Kontrollen würden Umsatz senken

Ähnlich geht es seinem Nachbarn „Café Memo“. Auch er hadert mit der Parkplatzsituation. Durch Kontrollen durch das Ordnungsamt würde auch dort Umsatz wegfallen. Trotz der steigenden Lebensmittel- und Betriebskosten würde sich das Geschäft aber noch lohnen, heißt es am Friedrichsplatz.

Im Gegensatz zu „United“ würde man im „Memo“ aber einen Anstieg der Nachfrage bei vegetarischen Gerichten spüren. In Zukunft wollen sie eine noch größere Palette an türkischen Gerichten anbieten – und ihren Laden in naher Zukunft renovieren.

„Steak-Döner“ sei die Zukunft für Genießer

Einen ganz anderen Ansatz verfolgt Murat Altan, der Geschäftsführer vom „Mundwerk Rottweil“. Er bietet seit einiger Zeit in der Abteilung Drehspieß ausschließlich den „Steak-Döner“ an. Dieser bestehe nur aus Rindfleisch und sei qualitativ hochwertiger – und etwas teurer. Wer aber auf Qualität setze, würde auch gerne ein, zwei Euro mehr bezahlen, erklärt er.

Der Steak-Döner-Teller im Mundwerk Rottweil Foto: Elena Baur

Der entscheidende Unterschied sei: „Wir sind keine klassische Dönerbude, sondern mehr ein Restaurant. Der Begriff Steakdöner ist jetzt modern und die Zukunft für Genießer.“ Das betont er im Gespräch mehrfach.

Mundwerk möchte in Markthalle umziehen

Der Standort für sein Lokal sei dafür leider etwas ungeschickt. Laufkundschaft fehle komplett, und viele hätten den „Steakdöner“ noch nicht verstanden, bedauert der Geschäftsführer.

Murat Altan möchte bald in die Markthalle umziehen. Foto: Elena Baur

Deshalb wolle er im Oktober oder November in die Markthalle umziehen. Dort stünden die Chancen für das Geschäft besser. Denn auch er befürchtet, dass sich das Geschäft auf Dauer nicht rechnen werde. Die Fixkosten würden steigen, aber die Kundschaft bleibe aus. Viele Menschen würden ihr Geld lieber anderweitig ausgeben, zeigt Altan auf. „Ohne Catering oder Lieferservice bist du verloren.“