Trotz erhöhtem Infektionsgeschehen gibt es im Kreis Rottweil noch kein nächtliches Ausgangsverbot. Foto: Romolo Tavani – stock.adobe.com

Trotz Inzidenzwerten von mehr als 50 wird es im Kreis Rottweil noch nicht wieder zu nächtlichen Ausgangsbeschränkungen kommen. Der Grund ist, dass das Infektionsgeschehen nicht diffus ist, sondern sich lokal zuordnen lässt. Drei Pflegeheime und die Helios-Klinik sind betroffen.

Kreis Rottweil - Der Inzidenzwert an Neuinfektionen hat sich innerhalb von vier Tagen verdoppelt und liegt weit über 100. Ausgangsbeschränkungen wie es sie über die Fastnacht und die Tage danach gegeben hat, sind wieder möglich. Landrat Wolf-Rüdiger Michel sagt am Dienstag gegenüber Medienvertretern, dass eine Ausgangsbegrenzung nicht ausgeschlossen werde, sie sei indes auch "noch nicht in Zement gegossen".

Aktuelle Informationen zur Corona-Lage in unserem Newsblog

Der Landrat verweist auf strenge rechtliche Voraussetzungen. So müsse die Verordnung zur Ausgangsbegrenzung verhältnismäßig sein. Dazu zählt, dass das Infektionsgeschehen diffus sein müsse, den Intensivstationen in den Kliniken müsste eine Überlastung drohen, auch der Anteil der Mutationen spiele in der Bewertung eine Rolle und die Inzidenz müsse an sieben Tagen hintereinander über 50 liegen. Die Behörden werden die Entwicklung weiter beobachten und dann entscheiden, sprich: Ein nächtliches Ausgangsverbot ist in ein paar Tagen im Kreis Rottweil wahrscheinlich.

Corona-Ausbrüche in Sulz, Oberndorf, Rottweil und Vöhringen

Die jetzige Lage ist auf mehrere Ausbruchsgeschehen in stationären Einrichtungen zurückzuführen (wir berichteten bereits). In Sulz ist es in zwei Heimen zu mehreren Infektionen gekommen. Einmal sind 14 Personen (acht Bewohner und sechs Beschäftigte), das andere Mal elf (sechs Bewohner, fünf Beschäftigte) betroffen. In einem Fall handele es sich ausschließlich um Mutationen des Ursprungsvirus’. In einem Heim in Oberndorf sind 16 Menschen betroffen, in der Helios-Klinik gibt es 30 Fälle.

Die Behörde weist darauf hin, dass bei Betroffenen, die bereits die Erstimpfung erhalten haben, der Krankheitsverlauf milder ausfällt als bei Nichtgeimpften. Adam zitiert eine Studie, wonach das Astrazeneca-Vakzin bereits nach der ersten Spritze in 94 Prozent der Fälle einen Krankheitsausbruch mit Klinikaufenthalt verhindere.

Auch in Vöhringen gibt es ein Viruscluster. Heinz-Joachim Adam, der Leiter des Gesundheitsamts, führt dies darauf zurück, dass ein Reiserückkehrer in der Quarantäne das Abstandsgebot nicht einwandfrei eingehalten hat. So kam es zu verschiedenen Übertragungen – auch in die Kindertageseinrichtung – und in der Folge zu Quarantänemaßnahmen in 50 Fällen.

Mutation  breitet sich immer mehr aus

Die aktiven Fälle konzentrieren sich auf fünf Gemeinden: Sulz (31 Betroffene), Rottweil (28), Oberndorf (14), Schramberg (12) und Vöhringen (11).

Die Virusmutation ist im Kreis dabei, immer mehr Raum einzunehmen. Hatte die Mutation in der ersten Februarwoche noch einen Anteil an allen Infektionen von 1,2 Prozent, so sind es in der laufenden Woche bereits mehr als 20 Prozent.

Das Gesundheitsamt hat in drei Fällen nachgewiesen, wie die Mutante eingeschleppt wurde. In einem Fall war es ein Reiserückkehrer aus Bosnien, der möglicherweise in der Quarantäne Kontakt zu einem Arbeitskollegen hatte. In einem anderen Fall wurde die Variante bei der Rückkehr aus einer Universitätsstadt im Ausland mitgebracht und in einem dritten Fall war ein tschechischer Fernfahrer infiziert.

Am Dienstag werden zwölf neue Corona-Fälle gemeldet, es bleibt bei 136 Todesfällen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: