St. Georgen, Thailand, USA, Dubai – als Regisseur ist Steffen Hacker aus St. Georgen weltweit unterwegs. Mit „Home Sweet Home: Rebirth“ hat er die Tür nach Hollywood aufgestoßen.
Spätestens seit 2015 ist der gebürtige St. Georgener Steffen Hacker in der Bergstadt als Regisseur bekannt. Damals füllte sich das alte Bergstadt-Krankenhaus – kurz vor seinem Abriss – noch einmal für ein paar Tage mit viel Leben. Einige Szenen für den Mystery-Thriller „Ingenium“, bei dem Hacker Regie führte, wurden hier gedreht.
Seitdem hat sich so einiges getan, wie Hacker berichtet. „Der Film lief damals international“, erinnert er sich. Nach der Premiere in Karlsruhe wurde er bei weiteren Festivals in Deutschland, aber auch in Brasilien und den USA präsentiert – mit einigem Erfolg: „Wir haben gut Preise gewonnen“, sagt Hacker, „ich glaube, etwa 14.“
Und dennoch: „Es war kein Durchbruch“, betont Hacker, der als Regisseur hauptsächlich in der Werbebranche unterwegs ist. Und genau dahin ging es in den Folgejahren auch wieder zurück für ihn. „Man kann nicht sagen, dass Hollywood angeklopft hat“, meint er in Bezug auf seinen ersten Film – auch weil dieser auf Deutsch gedreht und nicht synchronisiert wurde. Er ist sich sicher: Hätte er den Film auf Englisch gedreht, wären die Erfolgschancen noch größer gewesen.
Und dennoch: Mit dem Low-Budget-Film machte der St. Georgener auf sich aufmerksam – auch international. „Wir hatten einen Hollywood-Produzenten, Dean Altit“, erinnert sich Hacker. „Der hat immer gesagt: ‘Was ihr macht, ist cool.‘“
Gerade dass „Ingenium“ mit „unglaublich wenig Mitteln“ gedreht wurde, berichtet Hacker, habe Altit imponiert: „Er hat gesagt: ‚Genau das ist die Zukunft von Hollywood. Wir müssen wegkommen von diesen Riesenbudgets.‘ Er brauchte in junge – wobei ich auch nicht mehr jung bin – Filmemacher, die mit wenigen Millionen gigantisch tolle Sachen machen können.“
Kurz vor dem Start platzt der Traum
Und so bot sich Hacker die Gelegenheit, ein Projekt in Thailand zu drehen. Einziges Problem: Mittlerweile war die Corona-Pandemie ausgebrochen. „Ich war schon zur Vorbereitung in Thailand, saß auf einer Insel in Quarantäne und habe gewartet bis ich mir alles angucken durfte im Rest des Landes“, erinnert sich Hacker. Dann aber kam die Hiobsbotschaft: 20 Neuinfektionen auf der Insel – das Projekt muss abgebrochen werden. Aus war der Traum vom Filmdreh – zumindest vorübergehend. Doch Altit versprach, sich wieder zu melden.
„Cut zu 2023“, erzählt Hacker weiter. „Ich habe gerade mit der Hauptdarstellerin aus ‘Ingenium‘, Esther Maas, in Los Angeles für die Mystery-Serie ‘X Factor‘ gedreht.“ Da meldete Altit sich mit einem möglichen neuen Projekt: Für eines der berühmtesten thailändischen Computerspiele, das mehrteilige Horror-Spiel „Home Sweet Home: Rebirth“, sollte ein Film gedreht werden, der die Handlung der Spiele fortführt.
Zwei Tage vor Weihnachten alles im Kasten
Hacker und Alexander Kiesl entwickelten eine Idee, präsentierten sie – und überzeugten. Denn gedreht werden sollte noch vor Weihnachten im selben Jahr. Alles musste schnell gehen. „Na dann los, wir schaffen das irgendwie“, hätten er und Kiesl sich gesagt, erinnert sich Hacker. „Im Oktober sind wir nach Thailand geflogen, im November haben wir alles vorbereitet und dann haben wir den ganzen Dezember gedreht. Tatsächlich waren wir zwei Tage vor Weihnachten wieder zuhause. Aber es war knapp.“
Und der Zeitplan war voll: Jeden Tag ein neuer Drehort, eine neue Action-Sequenz. „In Hollywood dreht man teilweise eine Woche lang an besonderen Action- oder Kampfsequenzen. Bei uns hieß es: Das müssen wir in einem Vormittag schaffen“, illustriert Hacker – da sei es als Regisseur besonders wichtig, schnell zu reagieren und einen guten Instinkt zu haben. Und auch, dass Kiesl und Hacker schon seit 2005 zusammenarbeiten, habe sich bezahlt gemacht.
Reichlich Arbeit auch nach dem Dreh
Wobei der enge Zeitplan nicht die einzige Herausforderung beim Dreh war. Denn 2023 wurde in Hollywood gestreikt. „Das heißt, es war gar nicht einfach, eine Ausnahmegenehmigung zu bekommen und überhaupt drehen zu dürfen“, erinnert sich Hacker. Und dann war da noch das Budget. Gleich von Anfang an war klar: Viel darf der Film nicht kosten. „Für deutsche Verhältnisse war es natürlich trotzdem viel Geld“, meint Hacker. „Aber für Hollywood-Verhältnisse, mit allem, was rein soll, war es unglaublich wenig.“
Zurück in der Heimat war die Arbeit aber noch längst nicht getan: Im Januar und Februar 2024 stand der Schnitt auf dem Programm – und im Anschluss die Post-Production. Und die war richtig aufwendig, vor allem in puncto Spezialeffekte. Etwa 600 sogenannte „Visual Effect Shots“ standen auf dem Programm, „also richtig viele“, erklärt Hacker. „Und da kam auch mein Bruder ins Spiel, Peter Hacker.“
Wochenlang habe man im Studio in Ludwigsburg am Film gefeilt, „damit der eben so hochwertig und teuer aussieht wie möglich“. 2025 kam der Film international auf den Markt – und ist zwischenzeitlich auch in Deutschland erschienen.
„Ich sehe heute auf den Film und habe eine Riesenliste mit Dingen, die ich anders machen würde“, meint Hacker. Dennoch ist er zufrieden mit dem Ergebnis: „Alexander Kiesl und ich haben uns den Film sicher tausend Mal angeschaut. Aber jedes Mal, wenn wir ihn sehen, fühlen wir uns trotzdem noch unterhalten.“ Hacker ist froh, durch das Projekt viel dazugelernt zu haben – und wünscht sich das auch von kommenden Produktionen.
Viel weniger „ganz kritische Fragen“
Natürlich werde man weiterhin Werbung drehen – „das ist unser Brot und Butter“, sagt Hacker. Doch mit „Home Sweet Home: Rebirth“ habe er nun auch in Hollywood einen Fuß in der Tür. „Wir können uns jetzt ganz anders positionieren, weil wir eine Eintrittskarte haben. Wir haben gezeigt, dass wir mit weit unter zehn Millionen Euro etwas produzieren können, dass aussieht wie von 20 Millionen aufwärts.“ Dass man das vorweisen könne, helfe: „Die ganz kritischen Fragen sind dadurch viel, viel weniger geworden“, sagt Hacker.