Stefan Ott ist an Leukämie erkrankt und sucht einen Stammzellenspender. Foto: Familie Ott

Der 17-jährige Stefan Ott aus Grosselfingen war mitten im ersten Lehrjahr zum Landwirt, sein Traumberuf. Doch die Diagnose Leukämie ändert sein Leben für immer. Er braucht eine Stammzellentransplantation und sucht fieberhaft nach einem geeigneten Spender, der sein Leben rettet.

Grosselfingen - Felder bearbeiten, seine Schweine und Hühner versorgen, Traktor fahren, die täglichen Aufgaben in der Landwirtschaft bewältigen – das ist Stefans Welt. Diese Leidenschaft liegt ihm im Blut, auch sein Großvater und sein Vater sind begeisterte Landwirte. Die Familie hat einen eigenen Hof, den Stefan später gerne übernehmen möchte.

Wie eine Erkältung mit Niesen, Schnupfen und Halsweh hatte sich die Krankheit im ersten Moment angefühlt. "Wir dachten uns nichts Außergewöhnliches dabei", sagt er rückblickend. Im Laufe der Zeit fühlte er sich aber zunehmend schwach und kraftlos. Auffallend: sein blasses Gesicht. War es Corona? Der Test fiel negativ aus. Danach wurde es schlimmer: "Als ich nicht mal Treppen steigen konnte, ohne mich zu fühlen wie nach einem Marathon, bin ich mit meiner Mutter zum Hausarzt", berichtet er.

Chemotherapie schlägt nicht an

Sicherheitshalber ging es weiter zur Kinderklinik nach Tübingen: Dort erhält er viele Untersuchungen und die Diagnose: "›Zu 99 Prozent leidet Stefan an Leukämie‹", berichtet er, und weiter: "Ich habe mir zuerst gedacht, dass das nicht sein kann, konnte mir aber auch nicht mehr darunter vorstellen." Stefan Ott: "Irgendwie habe ich das in dem Moment noch nicht realisiert und auch noch nicht geahnt, was auf mich zukommen wird." Seine Mutter musste sich die Tränen zurückhalten. Direkt wurden Vater und die zwei Schwestern kontaktiert: "Alle zutiefst schockiert und traurig." Mit so einer Diagnose hat niemand gerechnet.

"Diese Nachricht war ein absoluter Schock. Man fällt ins Bodenlose. Innerlich sackt alles zusammen, dabei muss man gerade in einer solchen Situation stabil bleiben, um seinem Kind zu helfen", erklären Jutta und Lothar, Stefans Eltern. Stefans Mutter ist Krankenschwester und weiß, was ihrem Sohn jetzt alles bevorsteht. Seine beiden Schwestern, die ihren Bruder über alles lieben, sind verzweifelt, können aber nichts tun.

Am Anfang war von einer Stammzellenspende noch nicht die Rede, doch die Chemotherapie schlug nicht an. Aus sechs Monaten Chemotherapie sind zwölf geworden – ein Rückschlag.

Stefan hat eine Blutvergiftung, große Teile abgestorbenen Gewebes müssen aus dem Oberschenkel entfernt werden

Nach den ersten zwei Chemozyklen kommt er nach Hause, fährt jetzt drei Mal in der Woche zur ambulanten Chemotherapie nach Tübingen. Kurze Zeit später hatte Stefan starke Schmerzen im Oberschenkel. Dann geht alles Schlag auf Schlag: Stefan hat eine Blutvergiftung, große Teile abgestorbenen Gewebes müssen aus dem Oberschenkel entfernt werden. Dann Multiorganversagen. Stefan ist nicht mehr ansprechbar. Vier Wochen kämpft er auf der Intensivstation um sein Leben und schafft es. Durch die vielen Medikamente verliert er weitgehend sein Gehör.

Normalerweise kehrt das nach zwei Wochen wieder zurück. Nicht bei Stefan. In einer HNO-Klinik zeigt sich, dass der Schaden irreversibel ist. "Ich habe Stefan nach sechs Wochen das erste Mal besuchen dürfen", erinnert sich seine Schwester Sarah. "Auch wenn der Kopf das Ungeheuerliche versteht – wirklich begriffen habe ich es erst, als ich Stefan sah: ohne Haare, bewegungslos, nicht ansprechbar, total verkabelt. Das ist dann eine absolute Überforderung."

Nach vier Wochen Intensivstation kommt er auf die Onkologie. Er ist bettlägerig, kann sich noch nicht einmal alleine im Bett umdrehen. An Laufen ist gar nicht zu denken. Stefan bekommt Pflegestufe 4. Der Verlust des Gehöres ist ein harter Schlag für Stefan, vor allem, weil er seine geliebte Musik nicht mehr hören kann. Trotzdem kämpft er sich ins Leben zurück. Täglich hat er Physiotherapie, macht Übungen. Erst lernt er wieder sitzen, dann lernt er sich im Rollstuhl fortzubewegen, inzwischen kann er auf Krücken gehen. Die Ärzte sagen ihm immer wieder, dass es ein Wunder sei, dass er solche Fortschritte mache. "Wenn ich die Wahl habe zwischen Leben und Nichtleben, dann wähle ich das Leben", sagt Stefan. Seine Haltung ist bewundernswert. Denn eine große Hürde steht noch vor ihm.

Nach wie vor ist der Blutkrebs nicht besiegt. Inzwischen steht fest, dass nur eine Stammzelltransplantation sein Leben retten kann. Seine beiden Schwestern kommen als Spenderinnen nicht in Frage. Stefan muss also weiterkämpfen. Und das macht er. Er ist stark. Das hat er oft bewiesen. Aber alleine kann er es nicht schaffen. Nur ein passende Stammzellspender oder eine passende Stammzellenspenderin kann sein Leben retten.

"Stefans Herz muss weiter schlagen"

Es hieß, dass der frühestmögliche Termin für eine Stammzellenspende im Herbst dieses Jahres sei. Nun liegen alle Hoffnungen von Stefan und seiner Familie darauf, dass sich ein geeigneter Stammzellenspender findet.

"Stefan ist der tollste Sohn, Bruder und Freund, den man sich vorstellen kann. Er ist hilfsbereit, lächelt selbst jetzt noch und ist immer für andere da. Stefan will leben. Deshalb bitten wir alle: Helft uns. Lasst euch registrieren. Stefans Herz muss weiter schlagen. Mit eurer Teilnahme schenkt ihr ihm die Hoffnung auf das Größte, was es gibt – einfach nur leben zu dürfen! Allen, die sich an dieser Aktion beteiligen, danken wir von ganzem Herzen", erklärt seine Schwester Sarah im Namen der ganzen Familie und all seiner Freunde.

Wer gesund und zwischen 17 und 55 Jahre alt ist, kann Stefan und anderen Patienten helfen und sich mit wenigen Klicks über www.dkms.de/stefan die Registrierungsunterlagen nach Hause bestellen. Besonders wichtig ist es, dass die Wattestäbchen nach dem erfolgten Wangenschleimhautabstrich zeitnah zurückgesendet werden. Erst wenn die Gewebemerkmale im Labor bestimmt wurden, stehen Spender für den weltweiten Suchlauf zur Verfügung. Auch Geldspenden helfen Leben retten, da der DKMS für die Neuaufnahme eines jeden Spenders Kosten in Höhe von 35 Euro entstehen.