Naturfilmer Stefan Erdmann begeisterte die Zuschauer in der voll besetzten Neuen Tonhalle in Villingen mit seinem emotionalen und intensiven Vortrag über „seine“ Insel, das „Atemberaubende Island“.
Eigentlich wollte er Rockstar werden, das wurde er auch mit einem eigenen Tonstudio und Songs, die er komponierte, die aber nie sein Tonstudio verließen, wie er trocken erzählte.
2001 besuchte er das erste Mal Island, zu einer Zeit, in der die Insel noch nicht vom Tourismus überrannt wurde und man die Einsamkeit noch nicht suchen musste.
„Ich stand an einem Fjord, ließ die Schönheit, die Gelassenheit, die Farben auf mich wirken und wusste: „Ich werde Filmemacher.“
Sein Wendepunkt
Diesem Wendepunkt im Leben und Wirken von Stefan Erdmann verdanken seitdem zahlreiche Menschen die einzigartigen Film- und Musik-Erlebnisse in der Hommage an Island.
So war es auch in der Neuen Tonhalle in Villingen: Riesige Wellen donnern in Nahaufnahme zum Strand, bizarre Felsformationen ragen in den Himmel, zahlreiche Flüsse ergießen sich in beeindruckenden Wasserfällen von Felsen und Hochplateaus, während sich der Himmel blitzschnell verändert von wabernden Nebeln zu herausbrechenden Sonnenstrahlen, die Farben erzeugen, die man sich kaum vorstellen kann.
Mit Leib und Seele erleben
Island müsse man mit Leib und Seele erleben, nicht mit der Drohne und einem schnellen Selfie, Island müsse man zu Fuß erwandern, mit Rucksack und viel Zeit, erklärt Erdmann, auf Gletscherwegen, im Hochland, in der Einsamkeit reduzieren sich die Gedanken auf das Wesentliche. Diese faszinierende Welt könne man nicht im Schnelldurchlauf als Tourist erleben, man brauche Zeit, und die nimmt sich Erdmann, der inzwischen 34 mal die Insel besuchte.
Er filmt das Eis, das sich nur Zentimeterweise bewegt im Zeitraffer, er spürt die Geister der Wüste, er versetzt sich in die Wikinger, die einst die Insel, nicht mit einem Landrover und einer Drohne, erlebten.
Es bedurfte vieler Besuche auf Island bis Erdmann einen Vulkanausbruch hautnah erlebte, mit Tricks und Fake-Ausweisen mogelte er sich als Pressevertreter dicht an den Vulkan heran, filmte die heißen Lavaströme, die knirschend und fast knatternd langsam erstarrten.
Kontakt mit Pferden
Er hatte ganz nahen Kontakt mit den Pferden der Insel, den wahren Besitzern dieses Landes und er sprach zauberhafte große Vögel an, die ihm, nicht beeindruckt, den Rücken zudrehten, ohne Antwort, versteht sich. Die ländlichen Bewohner machten das wortkarge Benehmen der Vögel wieder durch außergewöhnliche Freundlichkeit wett.
Aus der Luft
Erdmann ist nicht schwindelfrei, das hinderte ihn jedoch nicht daran, sich einem einheimischen Piloten anzuvertrauen und sage und schreibe mit einem Ultraleichtflugzeug zwölf Wochen die Insel von oben zu erleben, zu filmen und zu bestaunen.
Kalte Finger, viel eisige Luft und Momente in der Luft, die ihm den Atem stocken ließen, hielt er aus und wurde durch Eindrücke über Schluchten, grünen und blauen Wassertümpeln, und Farbenspielen auf Felsen und Pflanzen, erzeugt durch Regengüsse, belohnt. Inzwischen hat sich sein Sohn bei einem Besuch in Island bei den elementarsten Eindrücken infiziert und mit dem Filmen begonnen.
Erdmann zeigte sich von dem nicht enden wollenden Applaus gerührt und versprach, eines Tages wiederzukommen. Er dankte dem Veranstalter Michael Hoyer und den hervorragenden Technikern in der Halle, die zu dem bezaubernden Erlebnis beitrugen.