Die rote Fahne der DLRG Wasserrettung zeigt an, dass die Ehrenamtlichen vor Ort sind. Wenn Badegäste in einer Notlage sind, können sie schnell helfen. Foto: Marschal

Die ehrenamtlichen Wachgänger der DLRG Oberes Schlichemtal halten an heißen Wochenendtagen Wachdienst am Stausee. Doch die Personaldecke ist dünn, ihre Arbeit lebensrettend.

Wenn es hart auf hart kommt, sind sie da und retten Leben: An Wochenenden wie dem vergangenen, wenn Menschen im Schömberger Stausee Abkühlung vor der heißen Sommersonne suchen, halten die Ehrenamtlichen der DLRG Oberes Schlichemtal Wachdienst. Sie halten sich in den Sommermonaten für den Fall bereit, dass ein Badegast im Wasser in eine Notsituation kommt und schnell Hilfe benötigt.

 

Seit Jahren aber hat die DLRG ein Personalproblem: Die Wachdienste am Stausee leisten die DRLG-Mitglieder ehrenamtlich. Es sei schwierig, genügend Personal zu finden, das dazu bereit ist, an heißen Sommertagen Wache zu halten, erklärt Markus Maucher, Vorsitzender der DLRG Oberes Schlichemtal.

Aus diesem Grund deckt die DLRG lediglich die Wochenendtage ab, selbst wenn an heißen Tagen in den Sommerferien die Liegewiese am See rammelvoll ist. „Mehr schaffen wir nicht, viele sind Ehrenamtlichen sind berufstätig“, meint Maucher.

Personaldecke ist dünn

Auch wenn die dünne Personaldecke seit Jahren immer wieder thematisiert wird, sind nur wenige Wachgänger hinzugekommen: „Es sind immer die zehn bis 15 gleichen, die Wache halten, manchmal kommen weitere Mitglieder hinzu“, erklärt Maucher. Dank der Unterstützung der DLRG-Ortsgruppen Stetten am kalten Markt, Tailfingen und Obernheim könne der Wachdienst immerhin am Wochenende meist abgedeckt werden.

Die DLRG-Flagge zeigt den Badegästen, dass die Wachgänger vor Ort sind. Sie positionieren sich auf der Sitzebene am Ufer und behalten den Bereich des Sees innerhalb der Boje im Blick.

Der Dienst beginnt in der Regel samstags um 13 Uhr, sonntags um 12 Uhr. Gegen 18 Uhr ist Schluss.

Im Idealfall teilen sich vier Menschen einen Wachdienst, um die Rettungskette bestmöglich abzudecken. Nicht immer könne das gewährleistet werden.

Die Mindestbesetzung liege bei zwei, einem Wachleiter mit Rettungsschwimmerabzeichen und einem Wachgänger. Idealerweise ergänzt ein Sanitäter das Team.

Wachgänger sind keine Badeaufsicht

Maucher betont, dass das Baden im Schömberger Stausee immer auf eigene Gefahr erfolge, denn die DLRGler sind keine Badeaufsicht. „Es geht darum, dass wir im Notfall schnell vor Ort sind, um wertvolle Zeit zu gewinnen“, stellt der Ortsgruppen-Vorsitzende klar.

Aggressives Verhalten am See

Dennoch sind die Wachgänger gegenüber den Badegästen weisungsbefugt. Beispielsweise kümmern sie sich auch um Beschwerden von Gästen zum Verhalten anderer. Sie vermitteln etwa, wenn laute Musik oder Shisha-Dampf stört.

Doch das ist keine schöne Aufgabe, wie Maucher erzählt: „Damit handeln wir uns oft Ärger ein und werden beschimpft.“ Manche Badegäste reagieren bei Verweis auf die Baderegeln sogar aggressiv.

Es gebe aber auch viele Menschen am Stausee, die dankbar über die Anwesenheit der DLRGler sind. Denn diese kümmern sich auch um die kleinen „Notfälle“, etwa Wespenstiche, Glasscherben im Fuß und Platzwunden am Kopf. „Solche Sachen machen einen Großteil unserer Arbeit aus und betreuen wir gerne“, betont der DLRG-Vorsitzende.

Schnelles Handeln rettet Leben

Dass die Wachdienste über Leben und Tod entscheiden können, zeigte sich August 2025: Badegäste entdeckten eine bewusstlose Frau im Wasser. Der Wachdienst war in Idealbesetzung vor Ort und konnte schnell eingreifen.

Es waren drei ausgebildete Sanitäter dabei, „die genau richtig reagiert haben“, wie Maucher berichtet. Denn nur sie sind befugt, Sauerstoff zu verabreichen, der in diesem Fall das Leben der Frau gerettet hat. „Es waren die richten Leute am richtigen Ort – sonst hätte die Frau keine Chance gehabt“, betont Maucher.

Im Notfall 112 wählen

Für den Fall, dass Hilfe benötigt wird, wenn die Wachgänger nicht vor Ort sind, rät Maucher, umgehend unter 112 um Hilfe zu rufen. Damit Ertrinkungsnotfälle vermieden werden, rät er Schwimmern, ihre Kräfte nicht zu überschätzen und nur so weit hinauszuschwimmen, wie sie auch wieder zurückschwimmen können.

Vor allem älteren Badegästen empfiehlt er, sich vor dem Gang ins Wasser abzukühlen, um Kreislaufbeschwerden vorzubeugen. Kinder sollten nur unter Aufsicht und mit Schwimmhilfe ins Wasser.