Am Wochenende spielte sich am Schömberger Stausee ein dramatisches Schauspiel ab.
Als Winterwunderland präsentiert sich momentan der Schömberger Stausee. Akzeptable Wetterbedingungen und die hervorragende Infrastruktur in unmittelbarer Umgebung laden geradezu zu einem Spaziergang rund um den Stausee ein.
Doch bei einem Spaziergang sollte es direkt am Stausee bleiben. Denn mit einem Schild mit der Aufschrift „Betreten der Eisfläche verboten – Lebensgefahr“ weist das Regierungspräsidium (RP) Tübingen ausdrücklich darauf hin, dass das Eislaufen in die Eishalle und das Spazieren auf die sehr gut geräumten Wege rund um das Schömberger Aushängeschild verlagert werden sollte.
Selbst an Tagen wie am Sonntag, an dem eine Messung der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) Zollernalb eine Eisdicke von 16,5 Zentimetern belegt, die knapp an der Empfehlung einer Mindestdecke von 20 Zentimetern bei fließenden Gewässern wie in diesem Fall kratzt und über der Mindestdicke von 15 Zentimetern bei stehendem Gewässer liegt. Eine mehr als nachvollziehbare Entscheidung des RP, denn der Stausee dient nicht nur als Naherholungsgebiet, sondern in diesem wird auch Kühlwasser für das Holcim-Zementwerk abgepumpt, so dass unter der Eisfläche gefährliche Hohlräume entstehen können, die das Eis zum Brechen instabil machen.
Die meisten beachten das Verbot
Mit wenigen Ausnahmen wurde sich an dieses Schlittschuhverbot gehalten und zu einem Eiseinbruch kam es auf dem Schömberger Stausee in der jüngsten Vergangenheit nicht. Sollte dieser aber passieren, dann „entscheidet die schnelle Rettung über Leben und Tod“. Noch kritischer sei es laut Social-Media-Beitrag der Freiwilligen Feuerwehr (FFW) Schömberg, wenn der Verunfallte unters Eis gerate und der Einbruchspunkt nicht mehr gefunden werden könne.
Um für dieses Worst-Case-Szenario gewappnet zu sein, veranstalteten die FFW Schömberg, die unter anderem über ein Mehrzweckboot und einen Eisrettungsanzug verfügt, und die DLRG Zollernalb am Sonntagnachmittag auf dem Schömberger Stausee eine gut besuchte, gemeinsame Rettungsübung, bei der die Rettung einer im Eis eingebrochenen Person simuliert wurde.
Da das Eis ausreichend dick war, musste mit der Motorkettensäge zirka 30 Meter vom Ufer entfernt erst einmal ein Loch gebohrt werden. Die Suche nach einem geeigneten Platz für einen „echten“ Eiseinbruch erwies sich als vergebens. Ausgerüstet mit – unter anderem – einem Spineboard machten sich zwei Retter robbend im Vierfüßler-Modus zur eingebrochenen Person auf.
Sicherung per Leine
Per Leine wurden diese von Kollegen abgesichert. „Wichtig ist bei solch einem Einsatz auch, sich nicht selbst in Gefahr zu bringen“, weist der Gruppenführer, Vorsitzende der DLRG-Ortsgruppe Oberes Schlichemtal und Technische Leiter der DLRG Zollernalb, Markus Maucher hin. „Die Übung hat sehr gut geklappt“, waren sich Maucher und der Abteilungskommandant der FFW Schömberg, Lucas Mager, der von einem „sehr ausbildungsintensiven, aber eher ruhigen Einsatzjahr 2025“ sprach, bei dem „keine Einsätze aufgrund extremer Wetterlagen oder Großbrände zu bewältigen waren“ und dessen Truppe selbst über 13 ausgebildete Rettungsschwimmer verfügt, einig.
„Solche größeren, gemeinsamen Übungen sind für uns immer schön. Zum einen, um untereinander zu trainieren, und zum anderen, um das so wichtige Zusammenspiel mit der FFW zu optimieren“, erörtert Maucher. „Die FFW wird als Erstes alarmiert und ist deshalb auch oftmals als Erstes vor Ort.
Bis bei uns die Rettungskette ankommt, können, obwohl wir neben Meßstetten und Hechingen auch in Schömberg stationiert sind, schon sieben bis acht Minuten vergangen sein, was unter Umständen eine heftig lange Zeit sein kann. Denn je nach Konstitution und Verfassung der eingebrochenen Person kann es bereits zwischen fünf und 20 Minuten nach dem Einbruch gesundheitlich kritisch werden“, ergänzt Maucher. Sein Team verfügt neben den üblichen Wasserrettern auch über 14 Strömungsretter 1 und zwei Gruppenführer (Strömungsretter 2), die aufgrund der fehlenden stark fließenden Gewässer im Zollernalbkreis vor allem bei Hochwasser zum Einsatz kommen. Dies war zuletzt etwa am 2. Mai 2024 in Bisingen, wo sich auch die vor drei Jahren ins Leben gerufene „Wasserrettungsgruppe Zollernalb“ bei deren Premiere bestens bewährte.
2025 war weder in Schömberg noch bei den anderen größeren Badeseen im Kreis, etwa in Rangendingen und Oberdigisheim, kein einziger Badeunfall zu konstatieren. Sollte es dazu doch an diesen drei Gewässern kommen, dann könnte die DLRG zumindest an den Wochenenden unmittelbare Ersthilfe vor Ort leisten. „Personell kann es schon einmal grenzwertig sein, aber wir sind immer mindestens zu zweit und im Idealfall zu viert anwesend“, sagt Maucher.