Der Genius Loci, der Geist des Ortes auf dem Areal des Stauffenbergschlosses in Lautlingen, hat die Wirkung noch verstärkt: „Operation Walküre“, der einst umstrittene Film mit Tom Cruise als Claus Schenk Graf von Stauffenberg, hat Eindruck hinterlassen.
Die Einführung war wichtig: Tim Delle, Mitarbeiter der Museen Albstadt, hat vor Beginn des Freiluft-Kinos Claus Schenk Graf von Stauffenberg vorgestellt – was sich eigentlich in Lautlingen erübrigen sollte.
Doch Delle weiß, dass viele heute zwar noch den Namen Stauffenberg kennen und wissen, dass er irgendetwas mit Lautlingen zu tun hat. Doch wer weiß schon etwas über die „Lautlinger Leitsätze“, welche die Brüder Berthold und Claus von Stauffenberg im Sommer 1943 im Schloss ihrer Familie – ihrem Sommerferiendomizil – verfasst haben?
Das Gesamtpaket reicht für Gänsehaut
Wie Deutschland nach einem Attentat auf Adolf Hitler aussehen könnte, ist Thema darin. Und ein Blick zum Gebäude, in dem Kinobetreiber Ralf Merkel und das Team des Amtes für Kultur, Tourismus und bürgerschaftliches Engagement an diesem Abend kühle Getränke und Popcorn verkaufen, reicht aus für Gänsehaut: An diesem Ort ist Weltgeschichte geschrieben worden.
Von Delle erfahren die Zuschauer außerdem noch Wissenswertes über die Persönlichkeit Stauffenbergs, der als Adliger mit der Weimarer Republik eigentlich nicht so viel anfangen konnte, sich aber – im Unterschied zu anderen Blautblütern – nicht ins Privatleben zurückgezogen, sondern militärisch Karriere gemacht hat.
Den Film „Operation Walküre“ 80 Jahre nach Stauffenbergs Attentatsversuch auf Hitler am 20. Juli 1944 im Garten des Stauffenbergschlosses zu zeigen, war indes die Idee von Martin Roscher, dem Leiter des Kulturamts – eine gute Idee, wie die Zahl der Zuschauer trotz Spätvorstellung ab 22 Uhr zeigte.
Tom Cruise spielt grandios – aber er ist eben Scientologe
Längst vergessen haben manche, dass 2007, während der Dreharbeiten, landauf, landab selbst an Abendbrottischen über den amerikanischen Streifen mit teils deutschen Schauspielern zünftig diskutiert worden war. Der Grund: Tom Cruise, der Claus von Stauffenberg grandios spielt und dem es gelingt, dessen Wandlung vom Saulus zum Paulus, vom Nationalsozialisten und SA-Anhänger bis zum militärischen Widerstandskämpfer, herauszuarbeiten, ist Sciontologe.
Graf Berthold hat Cruise zum Verzicht aufgefordert
Mehr noch: Er ist in den USA das Aushängeschild der umstrittenen religiösen Bewegung, die sich selbst „Kirche“ nennt, in Deutschland aber vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Berthold Maria Schenk Graf von Stauffenberg, das älteste von fünf Kindern Claus und Nina von Stauffenbergs, hatte 2007 Tom Cruise öffentlich dazu aufgefordert, seinen Vater nicht zu spielen.
Außerdem drehte sich die Diskussion darum, ob Regisseur Bryan Singer im Berliner Bendler-Block drehen darf, wo in den Nazi-Jahren das Allgemeine Heeresamt und das Ersatzheer saßen. Von dort aus hatten Stauffenberg und seine Mitstreiter – dass Hitler das Attentat überlebt hatte, wussten sie noch nicht – den Umsturz versucht. Im Hof des Bendler-Blocks war Stauffenberg noch am späten Abend des 20. Juli 1944 erschossen worden.
Ralf Merkel ist froh darüber, den hohen Aufwand betrieben zu haben, um den Abend möglich zu machen: Er musste die – einmaligen! – Rechte für die Aufführung besorgen und den Film selbst digitalisieren. Stauffenberg auf der riesigen Leinwand zu sehen, wie er mit seiner Frau Nina telefonieren will und erfährt: „Ebingen wird bombardiert“, wie er die entscheidenden Fragen an seine Mitverschwörer stellt – „Wenn Hitler tot ist, was dann?“ Wie geht es dann konkret weiter? – und zu sehen, wie wichtig er, bei dem die Fäden zusammenliefen, in den Stunden nach dem Attentatsversuch war: Das hat wohl manchen den Zugang zu Claus Schenk Graf von Stauffenberg wieder ganz neu eröffnet.
Am Samstag wartet ein spannender Vortrag
Am Samstag, 20. Juli, geht die Veranstaltungsreihe im 80. Gedenkjahr weiter um 18 Uhr mit der Gedenkstunde in der Kirche St. Johannes Baptista in Lautlingen. Professorin Merith Niehuss von der Universität der Bundeswehr München spricht über „das Attentat und den schwierigen Weg zum Staatsbürger in Uniform“. Danach ist ein Stehempfang.