Schlimm: Die Autoschlange von Nordstetten Richtung Kernstadt ist so lang wie lange nicht mehr. Teilweise geht das Stop- and-go schon oben an der Hochbrücken-Baustelle los. Foto: Jürgen Lück

Egal, ob Bahn, Bus, Taxi oder Auto – überall gibt es Staus. Ali Toy von Taxi Meyer: „Überall in und um Horb dauert es länger. Baustellen und Schienenersatzverkehr – derzeit ist es der Horror.“ Erstes Hochbrücken-Gespräch hat stattgefunden.

Vielleicht muss man die Hornaustraße in Horb jetzt in Hauptstädter Straße umtaufen. So heißt die in Stuttgart zwischen Heslacher Tunnel und Neckartor, wo täglich der Stau-Wahnsinn herrscht.

 

Ein Autofahrer berichtet: „Ich werde verrückt. Am Schlimmsten ist der Stau in der morgendlichen Rush-hour. Gegen 7.30 Uhr startete das Stop- and Go schon oben an der Hochbrücken-Baustelle. Normalerweise brauche ich zehn Minuten von Nordstetten bis zum Hohenberg – jetzt sind es 35 Minuten! Zurück bin ich abends dann über die Bildechinger Steige gefahren – das war noch schlimmer als während der Rauschbart-Vollsperrung.“

Taxifahrer berichtet von aktueller Situation

Okay. Ran an die Recherche. Ich erreiche Ali Toy von Taxi Meyer bei der Arbeit. Er hat gerade Mühringens Ex-Ortsvorsteherin Monika Fuhl als Fahrgast. Sie sagt: „Es ist derzeit wirklich nicht zum Aushalten – zwischen Bahnhof Eyach und Tübingen ist Schienenersatzverkehr. Da braucht man zwei Stunden, um von Eyach nach Tübingen zu kommen.“ Toy: „Derzeit ist es wirklich nicht witzig, durch Horb und herum Auto zu fahren. Es herrscht gerade viel Verkehr, es gibt viele Unfälle. Man sieht auch viele Lkws durch Horb fahren – teilweise die Schleichwege. Normalerweise kann man die Taxi-Touren hintereinander planen. Doch derzeit ist immer etwas. Jetzt weiß es nur noch der liebe Gott, ob unsere Taxifahrer pünktlich sein können.“

Schon morgens stauen sich die Autos hinter der Hochbrücken-Baustelle Richtung Horb. Foto: Ganswind

Vollsperrung zwischen Ergenzingen und Rottenburg Weiträumig spielen auch die Bauarbeiten an der Anschlussstelle Rottenburg eine Rolle, so Toy. Hier wird auf fünf Kilometern der Oberbau der Straße erneuert – unter Vollsperrung. Das könnte auch das Plus an Lastern erklären, die lieber über die Anschlussstelle Horb und Nordstetten Richtung Schwarzwald fahren. Monika Fuhl ist trotzdem froh: „Taxi Meyer ist so flexibel – mit denen kommt man immer zum Ziel.“

Auch Toy hat den Frust auf der Hornaustraße erlebt. Er sagt: „Ich brauche teilweise 20 Minuten von Nordstetten bis zum Bahnhof. Das ist doch nicht normal.“

Busunternehmer: Baustellen sind nicht abgestimmt Norman Weiß, Fahrdienstleiter von Schweizer Reisen: „Seit Montag wird der Autobahnzubringer bei Ergenzingen neu asphaltiert. Die übliche Umleitungsstrecke über Bondorf ist unglücklicherweise auch gesperrt. Das sind wahnwitzige Sperrungen – weil die Baustellen nicht miteinander abgestimmt sind.“

Sind die doppelten Sperrungen im Bereich Ergenzingen Schuld?

„Am Montag kam es in Ergenzingen zum Super-Chaos. Dann haben sich die Verkehrsteilnehmer wohl überlegt, sich den über Horb zu suchen, um auf die Autobahn zu kommen.“ Seither ist die Stadt Horb verstopft.

Für den Busverkehr ein richtiges Drama. Schulbusse kommen durch die Umleitungen und die vielen Baustellen gar nicht mehr an. Ein Vater: „Mein Kind musste heute von Nordstetten nach Horb zur Schule laufen.“

Auf der Gäubahn zwischen Rottweil und Stuttgart ist mal wieder Schienenersatzverkehr. Der Bus aus Richtung Rottweil kommt regelmäßig zu spät wegen Staus und Baustellen. Foto: Jürgen Lück/Juergen Lueck

Das Verkehrschaos. Es trifft nicht nur Taxi- und Autofahrer. Am Bahnhof warten Fahrgäste und die Service-Kraft auf den nächsten Schienenersatzverkehrs-Bus. Denn: Auch die Gäubahn ist gerade mal wieder gesperrt. Grund unter anderem: Arbeiten für den digitalen Knoten Stuttgart 21 und auch am Stellwerk Horb. Die Service-Kraft: „Durch die ganzen Baustellen und Staus kommt der Bus von Rottweil regelmäßig 20 Minuten später.“

Doch erklärt das allein den Stau-Frust von Horb? Weiß von Schweizer Reisen nennt auch den Bahnübergang Mühlen und die Arbeiten in Altheim als Faktoren. Fakt ist: Derzeit ist der Bahnübergang Mühlen gesperrt. Der Grund ist Baupfusch.

Baupfusch sorgt für erneute Baustelle

Die Entwässerung vor den Schienen wurde zu tief gelegt. Das Rathaus hatte deshalb dort Tempo 10 km/h verhängt. Jetzt muss die Abfluss-Rinne bis zum 29. Oktober neu verlegt werden. Heißt für alle Autofahrer von Ahldorf: Sie müssen jetzt über Nordstetten Richtung Horb.

Sorgt dafür, dass die Ahldorfer Richtung Horb über die Bundesstraße und die Hornauer Straße fahren müssen: Die Vollsperrung des Bahnübergangs Mühlen. Foto: Jürgen Lück/Juergen Lueck

Auch gesperrt: Die Kreisstraße zwischen Altheim und der Käppeleshofkreuzung – wegen dringend erforderlicher Belag-Sanierungsarbeiten. Das heißt für alle Altheimer: Entweder über den Altheimer Bahnhof oder gleich über den Kreisel oberhalb von Talheim Richtung Industriegebiet Heiligenfeld und Horb.

Pech für den VW-Bus Fahrer: Oberhalb vom Industriegebiet Heiligenfeld ist die Kreisstraße bis zur Käppelshofkreuzung gesperrt. Da hilft nur noch umdrehen. Foto: Jürgen Lück/Juergen Lueck

Krasser Stau in Horb – teilweise schlimmer als während der Rauschbart-Vollsperrung. Dazu kommt noch der Schienenersatzverkehr auf Gäubahn und Kulturbahn, die viele Pendler ganz aufs Auto umsteigen lassen.

So erklärt das Rathaus die Staus Sprecherin Inge Weber: „Der Stau in dieser Woche resultiert unserer Ansicht nach aus der aktuellen Sperrung der B 28 und L 1184 bei Bondorf/Ergenzingen. Hinzu kommt, dass durch die Sperrung des Bahnübergangs Mühlen ein Ausweichen des Verkehrs von der Autobahn nach Horb über den Abzweig Ahldorf – Mühringen und dann Richtung Mühlen nicht möglich ist. Dort ist der Zeitraum der Sperrung zwischen 14.Oktober und 26. Oktober angegeben. Heute gab es zudem noch einen Verkehrsunfall zwischen Mühringen und Eyach, weshalb diese Straße auch komplett gesperrt war.“

Verkehrschaos zeigt, dass Hochbrücke endlich fertig werden muss Ein Stau, der aber auch zeigt, warum die Hochbrücke Horb dringend und schnell fertig gebaut werden muss. Rathaussprecherin Weber: „Es fließt einfach zu viel Verkehr durch die Ortsdurchfahrt. Wenn es dann an einer Stelle eine Einschränkung gibt, wirkt sich dieses durch noch größeren Stau im Stadtgebiet aus. Deshalb wird ja gerade die Hochbrücke gebaut.“

Kam am Mittwoch mittag auch noch dazu: In Höhe vom ahg Autohaus wird ein Elektrokabel repariert. Foto: Jürgen Lück/Juergen Lueck

Doch wann wird die Hochbrücke endlich fertig? Zuletzt schockte das Regierungspräsidium mit der Nachricht, dass die Baufirma Porr mitgeteilt habe, dass man es bei der jetzigen Bauweise erst im Jahr 2030 mit der Hochbrücke Horb fertig ist.

Liegt das Stauchaos an der Ampelschaltung? Diese Vermutung kursiert auch in der Stadt. Eine RP-Sprecherin: „Nach Öffnung der B 32 im Bereich Rauschbart wurden die Ampeln in Horb wieder auf Normalbetrieb umgestellt, das heißt auf die gleichen Signalprogramme, mit denen sie auch vor der Sperrung gelaufen sind. Nach der Öffnung gab es bislang keine ungewöhnlichen Stauerscheinungen in Horb; der Verkehrsfluss nach der Öffnung war bislang genauso wie vor der Sperrung. Die Stauprobleme sind nach unserem Kenntnisstand erst seit dieser Woche zu beobachten.“