Fehlen Blumberg Einwohner oder ist das nur ein Loch in der Landesstatistik? Diese Luftaufnahme von Blumberg entstand am 19. Oktober 2025 mit einer Drohne. Foto: Kevin Wend

Blumberg kämpft mit sinkenden Zensuszahlen: Die Stadt klagt gegen die Ergebnisse und setzt auf Projekte wie Panoramabad und Open Library, um Familien zu halten und zu gewinnen.

Seit dem Jahr 2010 präsentiert sich Blumberg mit dem Motto „Leben und Erleben – Meine Stadt hoch zwei“ und spielt damit auf den doppelten Mehrwert der Stadt an – sowohl als gutem Wohnort als auch als Ort mit Freizeit-, Kultur- und Veranstaltungsangeboten. Jahrzehntelang zog es junge Leute vom Land in die Stadt.

 

Inzwischen scheint es aber einen neuen Trend zu geben: Vor allem Familien ziehen zurück aufs Land. Im Jahr 2000 hatte die Kleinstadt Blumberg laut Angaben der Stadt 10 649 Einwohner. 2013 folgte dann ein Kurzzeit-Abrutschen unter 10 000, von dem sich die Stadt bis 2021 wieder erholt hatte.

Beim letzten Zensus 2022 gab es laut der Zählung des Statistischen Landesamtes ein erneutes Abrutschen unter die 10 000er-Marke. Laut Gemeindeverzeichnis-Online der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder hatte Blumberg am 1. Juni 2025 dann wieder 10 063 Einwohner. Laut Bürgermeister Markus Keller sind dies rund 300 Einwohner zu wenig im Vergleich zur Blumberger Zählung.

Aktuelle Einwohnerzahlen der Stadt wurden der Redaktion seitens der Stadt aber nicht übermittelt. Auf der Internetseite der Stadt lässt sich nur die Einwohnerzahl aus dem Jahr 2021, damals 10 267, finden. Blumberg legte gegen die Zahlen des Landeszensus eine Widerspruchsklage ein und ist in Baden-Württemberg damit nicht allein.

334 Städte haben Widerspruch eingelegt

Laut eines Berichts der „Stuttgarter Zeitung“ haben 334 der 1101 Städte in Baden-Württemberg bis 2024 Widerspruch gegen ihren Bescheid zur amtlichen Einwohnerzahl aus dem Zensus des Jahres 2022 eingelegt.

Der Zensus legt nicht nur fest, wie viele Einwohner eine Gemeinde hat, sondern entscheidet dadurch auch über die Zahlungen im Rahmen des Finanzausgleichs. Diese haben keinen Schwellenwert, sondern werden pro Kopf berechnet.

In einem Interview erklärte Bürgermeister Markus Keller im Jahr 2024, dass der Gemeinde aufgrund der Abweichung hochgerechnet auf zehn Jahre pro Person 1700 Euro jährlich fehlen würden.

Die Zahlen des Zensus 2022 basieren auf einer Stichprobenerhebung, deren Ergebnisse auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet wurden. Besonders kleinere Gemeinden fühlen sich durch dieses Verfahren benachteiligt. „Unsere tatsächliche Entwicklung zeigt eine stabile Einwohnerzahl“, erklärt Keller. Um Einwohner zu halten und neue zu gewinnen, habe die Stadt gezielt investiert.

Neue Projekte in Blumberg

Einige Projekte wurden in den vergangenen Jahren initiiert und realisiert. Ein modernes Panoramabad, ein neuer Schulcampus, die Digitalisierung aller Schulen, Ganztagsbetreuung und neue Kindergartenplätze machten die Stadt attraktiver für junge Familien.

Saniert werden ab 2026 das Werner-Gerber-Stadion und die Stadtbibliothek zur Open Library. Mit neuen Baugebieten, Pflegeplätzen und betreutem Wohnen solle die Wohnraumsituation verbessert werden, erklärt Keller.

Blumberg scheint sich von seinem kleinen Rückschlag erholt zu haben. „In den nächsten fünf bis zehn Jahren erwarten wir weiteres Wachstum der Einwohnerzahl und eine steigende Lebensqualität. Wir sind auf einem guten Weg und entwickeln Blumberg verlässlich – für alle Generationen“, blickt Keller positiv in die Zukunft.

Die Entwicklung

Den Titel „Stadt“
erhielt Blumberg am Anfang des 15. Jahrhunderts unter der Herrschaft der Fürstenberger und wuchs somit zu größerer Bedeutung heran. Den größten Einschnitt erlebte die Stadt im 20. Jahrhundert: Durch den erneuten Erzabbau ab 1933 vervielfachte sich die Bevölkerung innerhalb weniger Jahre. Bis 1945 stieg sie von 700 Einwohnern auf etwa das Zehnfache an. Nach dem Ende des Bergbaus im Jahr 1942 und der Ansiedlung von Industriebetrieben in den 1950er Jahren stabilisierte sich die Bevölkerungsentwicklung nachhaltig.