Laut Zensus hat Tuningen weniger Einwohner als gedacht. Leere Wohnungen gibt es trotzdem keine, und das Neubaugebiet ist voll. Unverständnis in der Gemeindeverwaltung.
Ernüchterung und auch etwas Verärgerung bei Tuningens Bürgermeister Ralf Pahlow. Laut der jüngsten Volkszählung – gemeint ist der Zensus 2022 – hat Tuningen 196 Einwohner weniger, als bisher als offiziell galt. Die Einwohnerzahl wurde durch die Zensus-Erhebung auf 2968 herunterkorrigiert. Dabei hatte Pahlow schon vor einigen Monaten erfreut erklärt, dass die Gemeinde die magische 3000-Einwohner-Grenze nun durchbrochen hat.
Entwicklungen ignoriert
„Ich verstehe die Welt nicht mehr“, so Pahlow. Viele Entwicklungen seien im Zensus einfach ignoriert worden. Das Neubaugebiet sei voll, es gebe keine leeren Wohnungen mehr, „und wir bekamen Flüchtlinge zugewiesen, und wenn uns welche verließen, meldeten wir sie auch wieder ab“. Ralf Pahlow: „Das wird sich negativ auf die Verteilung der Umlage und auf Zuschüsse auswirken.“ Ab 2025 werde sich das an der neuen Zensus-Zahl orientieren. „Davon kann man jetzt halten, was man will. Man könnte dem fast eine Absicht unterstellen.“ Laut Pahlow sei durch den Zensus im Schwarzwald-Baar-Kreis nur noch in Mönchweiler ein stärkerer Einwohnerrückgang errechnet worden. „Was kann das für unseren Haushalt bedeuten?“ wollte Gemeinderat Hans Mauch (LBU) wissen. Hier räumte Gemeindekämmerin Anina Renner ein, dass sie noch nicht versucht habe, das auszurechen. Voraussichtlich werde das auf weniger Mittel aus dem Finanzausgleich hinauslaufen.
Über den Finanzausgleich werden die Erträge aus bestimmten Abgaben, die der Bund einhebt, zwischen Bund, Bundesländern und Gemeinden aufgeteilt.
1,2 Prozent nach unten korrigiert
Laut Statistischem Landesamt wurde die Fortschreibung der Zensuszahl von 2011 in Baden-Württemberg um 131 344 Personen beziehungsweise 1,2 Prozent nach unten korrigiert. Die Korrektur für Baden-Württemberg fiel etwas geringer aus als im Bundesschnitt mit minus 1,6 Prozent, so das Statistische Landesamt.
„Die Korrekturen der Einwohnerzahl fielen in Gemeinden mit weniger als 10 000 Einwohnerinnen und Einwohnern mit minus 1,9 Prozent höher aus als in den Gemeinden über 10 000 Einwohnerinnen und Einwohner mit minus 0,9 Prozent.