In Stuttgart ist das Leben schön – aber teuer. Foto: IMAGO/Sven Simon

Die teuerste Großstadt der Republik heißt Stuttgart, und die höchsten Mieten im Land werden in Baden-Württemberg gefordert. In dieser Statistik ist selbst München günstiger.

In Stuttgart ist die durchschnittliche Miete höher als in München, Hamburg oder Frankfurt. Das ist zumindest so, wenn man die Statistik der Hamburger Beratungsfirma Fub Iges betrachtet. Die baden-württembergische Landeshauptstadt ist demnach bei Mieten die teuerste Großstadt der Republik, von den 30 teuersten Städten zwischen Berchtesgaden und Flensburg liegen 30 im Südwesten. Es ist eine Statistik, mit der die Linke im Land gerade auf Wahlkampfwerbung geht, mit dem Ziel, diesen Zustand zu ändern.

 

Normalerweise liegt München vorne

Es ist auch eine Statistik, die anders ist als die meisten Zahlenwerke in diesem Bereich. Die sehen in der Regel München ganz vorne, gefolgt von der Bankenstadt Frankfurt, der Hauptstadt Berlin und der Hafenmetropole Hamburg. Oliver Strege, Geschäftsführer bei Fub Iges, nennt den Grund für die Differenz. Die meisten Statistiken dieser Art beruhten auf den Angebotsmieten, wie sie in Internetportalen aufgerufen werden, sein Unternehmen sei hingegen darauf spezialisiert, die Mietspiegel der einzelnen Städte auszuwerten.

Mieter müssen tief in die Tasche greifen. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Wie viele Mietspiegel es in Deutschland gibt, wird statistisch nicht erfasst. Eine allgemeine Verpflichtung, solch ein Zahlenwerk aufzustellen, gibt es nicht. Seit dem 1. Januar 2023 sind lediglich Städte mit mehr als 50.000 Einwohnern dazu verpflichtet. Davon gibt es in Deutschland derzeit knapp 200. Um die ortsübliche Vergleichsmiete zu berechnen berücksichtigen Mietspiegel unter anderem die Größe einer Wohnung, Ausstattung und Lage. Stuttgart ist demnach die teuerste Großstadt der Republik, liegt mit einem Quadratmeterpreis von 12,28 Euro insgesamt auf Rang drei. Spitzenreiter Karlsfeld (12,79) und Germering (12,52), beide im Münchner Speckgürtel, sind noch teurer.

Auch diese Statistik hat Tücken

Ein komplett vollständiges Bild bietet freilich auch ein Vergleich auf Grundlage von Mietspiegeln nicht. Bei der Berechnung eines Mietspiegels dürfen nur Wohnungen berücksichtigt werden, bei denen die Miete in den vergangenen sechs Jahren neu vereinbart oder geändert wurde. Das bedeutet: Bestandsmieten, die sich zum Teil seit vielen Jahren nicht geändert haben, kommen auch in dieser Statistik nicht vor, auf der Tübingen (Platz 7; 11,37 Euro pro Quadratmeter), Korntal-Münchingen ( Platz 8; 11,18 Euro) und Ludwigsburg (Platz 10; 10,73 Euro) noch unter den teuersten zehn Städten zu finden sind.

In Deutschland gibt es rund 58 Prozent Miethaushalte. Laut Statistischem Bundesamt ist die Miete der größte Ausgabeposten vieler Haushalte. Ditzingen, Konstanz, Bietigheim-Bissingen, Ravensburg und Remseck sind gemäß der Mietspiegelstatistik in der Top 20 vertreten. Die Ränge zwischen 20 und 30 sind nahezu komplett in der Hand des Südwestens. Hier tummeln sich Überlingen, Weingarten, Friedrichshafen, Kornwestheim, Fellbach, Waiblingen, Böblingen, Sindelfingen und Heidelberg. Unschärfen kann es in dieser Statistik auch deswegen geben, weil nicht alle Mietspiegel im gleichen Jahr aktualisiert werden. In der Regel werden sie alle zwei Jahre fortgeschrieben.

Dort lebt es sich am günstigsten

Allerdings: Auch die Statistiken, die sich mit den Daten der Angebotsmieten speisen, wie sie im Internet aufgerufen werden, sind nicht immer das Gelbe vom Ei. Wohnungen, die unter der Hand an Freunde, Bekannte oder Nachmieter weiter gegeben werden, tauchen dabei nicht auf. „Die sind meistens günstiger“, sagt Oliver Strege.

Am günstigsten lässt es sich übrigens in Chemnitz (6,10 Euro Quadratmeter), Gelsenkirchen (7,40 Euro) oder Duisburg (8,10 Euro) mieten. Grundlage für diese Berechnung sind die Angebotsmieten im Internet.