Steigende Zahlen bei Raubdelikten dürften das Sicherheitsgefühl der Bürger deutlich verschlechtern. Foto: Rainer Fuhrmann - stock.adobe.co

Die Sicherheitslage auf den Straßen im Kreis Freudenstadt verschlechtert sich im Vergleich zum Vorjahr. Das geht aus der aktuellen Kriminalstatistik hervor. Zu tun hat das unter anderem auch mit Corona. Und immerhin: Es gibt auch einige gute Nachrichten.

Die Zahl der Straftaten im Kreis Freudenstadt ist im vergangen Jahr leicht gestiegen. 3892 Fälle hat die Polizei registriert – 12,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Das geht aus der aktuellen Kriminalstatistik hervor, die am Montagnachmittag im Kreistag vorgestellt wurde.

 

Dennoch verbreitete Polizeivizepräsidentin Sandra Zarges, die die Zahlen erläuterte, vor allem Optimismus. Zwar seien die Zahlen im Vergleich zu 2021 etwas gestiegen. Damals seien diese aber wegen der Corona-Pandemie auf einem Zehnjahrestief gewesen. Das Gute dabei: „Die Werte befinden sich nicht auf dem Vor-Corona-Niveau“, so Zarges.

Genauer Blick in die Zahlen

Auch im Vergleich zu anderen Landkreisen steht Freudenstadt nicht schlecht da. So liegt der Kreis in Baden-Württemberg bei den Fallzahlen auf Platz neun. Nur acht andere Kreise haben noch weniger Straftaten registriert. „Wir sind unter den Top Ten was die sichersten Landkreise angeht“, freute sich Zarges.

Doch ist der Kreis Freudenstadt wirklich so sicher? Ein genauer Blick in die Zahlen lässt Zweifel daran aufkommen. Denn ein entscheidender Faktor für das Sicherheitsgefühl der Bürger dürfte die Zahl der Raubüberfälle sein. Und hier ist die Entwicklung alles andere als gut.

Um ganze 53,8 Prozent ist die Zahl der Delikte im Bereich Raub und räuberische Erpressung gestiegen – von 13 Fällen im Jahr 2021 auf 20 Fälle im Jahr 2022. Bemerkenswert ist dabei auch, dass zehn der insgesamt 25 Tatverdächtigen und damit 40 Prozent keine deutschen Staatsbürger waren. Dabei lag der Ausländeranteil an der Gesamtbevölkerung im Kreis laut statistischem Landesamt im vergangenen Jahr nur bei 14,5 Prozent. Ausländische Staatsbürger sind unter diesen Tätern also stark überrepräsentiert. Zu bedenken ist aber: Bei grob überschlagen 17 000 Ausländern im Kreis stellen die Straftäter nur eine verschwindend kleine Minderheit dar.

Doch zurück zur Sicherheitslage im Kreis: Denn hier gibt es eine weitere besorgniserregende Entwicklungen. Denn auch die Zahl der Fälle von Straßenkriminalität sind gestiegen. Unter diese Kategorie fallen alle Straftaten, die im öffentlichen Raum begangen werden. Hier gibt es eine Steigerung von 28,8 Prozent von 427 Fällen in 2021 auf 550 Fälle.

Deutlicher Corona-Effekt

Allerdings erklärte Zarges, dass gerade bei diesen Zahlen die Auswirkungen der Pandemie berücksichtigt werden müssten. Denn durch die Corona-Einschränkungen seien die Zahlen 2021 nach unten gedrückt worden. Mit den Lockerungen hätten sich dann wieder mehr Tatgelegenheit ergeben.

Deutlich bedenklicher wertete Zarges die Entwicklung bei den Körperverletzungsdelikten. Diese waren im vergangen Jahr um 19 Prozent auf 458 Fälle gestiegen. „Die Zahl der Körperverletzungsdelikte im Landkreis entwickelt sich leider in Richtung Fünfjahreshoch“, warnte Zarges. „Das ist eine Entwicklung, die wir mit Sorge betrachten.“

Noch alarmierender ist die Zahl der Opfer von Straftaten. Hier gibt es ebenfalls eine Steigerung von 18 Prozent – von 829 Kriminalitätsopfern auf 978. „Die Opferbelastungszahl befindet sich auf dem höchsten Stand im Zehnjahresvergleich“, betonte Zarges. Doch immerhin: Im Landesvergleich liegt der Kreis damit noch immer im positiven Sinne auf Platz drei.

So sicher sind die eigenen vier Wände

Einbrüche
Während sich die Sicherheitslage auf den Straßen im Kreis deutlich verschlechtert hat, darf man sich zumindest im eigenen Zuhause relativ sicher fühlen. Denn obwohl in Baden-Württemberg die Zahl der Einbrüche um 36,7 Prozent gestiegen ist, sind die Zahlen im Kreis um 19 Prozent zurückgegangen. Nur 17 Einbrüche wurden 2022 registriert.

Häusliche Gewalt
Was die Sicherheit daheim angeht, sollte aber nicht übersehen werden, dass häusliche Gewalt weiterhin ein Problem bleibt. 111 Fälle wurden im vergangenen Jahr registriert – nur 4,3 Prozent weniger als im Jahr davor. Alarmierend ist auch, dass 8,8 Prozent der Opfer von Straftaten Ehepartner oder ehemalige Lebenspartner  der Täter sind.