Pina Bucci und ihr Ensemble stellen den bisher einzigen Programmpunkt zum Lotzer-Jahr in Horb auf die Beine. Ganz rechts: Ur-Grüne Kristina Sauter als Magd. Foto: Juergen Lueck

Pina Bucci und ihr Ensemble stellen den bisher einzigen neuen Programmpunkt in Horb für das Lotzer-Jahr vor. Schauspielerin Kristina Sauter sagt: „Falls das Rathaus das nicht hochkarätig bewertet – uns Bürgern ist es wichtig.“

Das ist schon brisant: Das ganze Allgäu wirbt auf der Reisemesse CMT mit dem Lotzer-Jahr. Vor 500 Jahren veröffentlichte der in Horb geborene Sebastian Lotzer in Memmingen seine zwölf Artikel für bürgerliche Freiheit. Memmingen feiert es gebührend – und Horb?

 

Fakt ist: Auf der CMT war Lotzer Fehlanzeige. Keine Werbung für Lotzer. Weder auf dem Stand des Neckar Erlebnis Tal, noch auf dem Horb-Stand. Eigentlich sollte die verantwortliche Stabstellenleiterin Caroline Yi (Kultur, Stadtmarketing, Tourismus) im KSA auch dazu Stellung nehmen. Das wurde vom Rathaus kurzfristig abgesagt. So ist bis heute unklar, ob es zum Lotzer-Jahr überhaupt etwas in Horb gibt. Oder?

Doch. Regisseurin Pina Bucci und ihr ehrenamtliches Theaterensemble arbeiten seit knapp einem Jahr an einem Stück über Horbs berühmtesten Sohn – Sebastian Lotzer (um 1490 geboren). Bisher sind schon knapp 20 Schauspieler mit an Bord. Eine davon: Horbs Ur-Grüne Kristina Sauter. Sie sagt: „Falls das Rathaus das nicht hochkarätig bewerten sollte – uns Bürgern ist es wichtig. Wir engagieren uns und proben fleißig. Der Widerstand und der Kampf der Freiheit hat in Horb angefangen – das motiviert uns. Das Stück ist ein Alleinstellungsmerkmal. Und es würde mich freuen, wenn die Stadt das mit allen Mitteln unterstützt.“

Michael Köhl als Steuereintreiber verkündet den neuen Fron und die Abgabe. Das Volk ist geschockt. Szene aus dem Lotzer-Stück. Foto: Jürgen Lück

Pina Bucci, Theaterprofi und landesweit bekannt durch den „Amalie-und-Theo-Pinkus-Kulturpreis“ 2015, sagt: „Ich musste kämpfen wie Lotzer für die Unterstützung durch die Stadt. Eigentlich hatten wir den Wunsch, dass wir auch Werbung durch das Stadtmarketing und deren Verteiler bekommen. Immerhin haben wir die Zusage vom Bauhof, dass die Bühne und die Bestuhlung auf dem Marktplatz gestellt werden. Das entspricht einem Wert von 2000 Euro. Und wir können kostenlos im Kloster proben.“

Das Stück. Der Text: Geschrieben von Angelika Burghart. Auch Horbs Heimatforscher und Lotzer-Experte Joachim Lipp brachte in zwei Treffen dem Ensemble die historischen Fakten nahe. Ein Insider: „Es gab einen kleinen Dissenz, weil die Dramaturgie nicht immer mit den Fakten übereinstimmt.“

Pina Bucci sagt offiziell dazu: „Das war für uns eine Entdeckungsreise, wir mussten uns mit dem Thema intensiv auseinander setzen. Es gibt fast keine historischen Fakten über Lotzers Aufwachsen in Horb. Noch Vorbilder aus dem Theater-Material für ein Stück. Wir wollen die Zeit erlebbar machen – deshalb war es gut und sehr nützlich, den Hintergrund von Lipp zu bekommen. Um die Zeit für den Zuschauer nacherlebbar auf die Bühne zu bringen.“

Der junge Sebastian Lotzer in Horb – gespielt von Christiane Müller. Foto: Jürgen Lück

Der längste Teil des Theaters über Lotzer spielt in Horb

Teil eins des Stücks: Sebastian Lotzer in Horb. Iris Heimsch-Dörr: „Der Vater war streng katholisch. Sebastian wollte Theologie in Tübingen studieren, wurde dort nicht angenommen. In unserem Stück wollen wir Lotzer als jungen Menschen darstellen. Horb war damals eine strenge katholische Stadt und sehr eng.“

Dieser erste Teil ist der längere Teil des Stücks über Sebastian Lotzer. Bucci: „Uns ist es wichtig, diese Zeit und die Lebensumstände in Horb kurz vor und inmitten der großen Zeit des Umbruchs darzustellen, damit die Zuschauer den Hintergrund der Person und der Lebensumstände von Sebastian Lotzer erfahren.“

Der ältere Sebastian Lotzer und der Reformationsprediger Christoph Schappeler im Stück von Pina Buccis Ensemble. Foto: Jürgen Lück

Im zweiten Teil geht es dann um die Memminger Zeit von Lotzer. Hier hatte er sich als Kürschnermeister etabliert und war von den Schriften und den Predigten von Christoph Schappeler begeistert. Pina Bucci: „Der Horber Sebastian Lotzer wird Teil der Bürgerschaft und lässt sich von den Predigten und Ansichten des Reformationspredigers Schappeler begeistern. Und steigt voll ein. Eine Sendschrift schickte er auch nach Horb: Die Leute sollen sich das erstmals auf deutsch gedruckte Neue Testament kaufen.“

Ensemble sucht noch Statisten für das Lotzer-Stück

Ob Lotzer selbst im Bauernkrieg, – den seine Schriften ausgelöst und befeuert hatten – gekämpft hat, ist unklar, so Bucci: „Er selbst hat sich in seinen Schriften und auf dem Bibelfundament immer für Frieden eingesetzt. Wir wissen nicht, ob er im Bauernkrieg gekämpft hat.“

Klar ist jedenfalls eins: Lotzer war Feldschreiber des Baldringer Haufens. Bucci: „Die letzte Szene stellt den Bauernkrieg dar. Dafür suchen wir noch Leute, die mitmachen.“ Eine Schauspiel-Kollegin: „Und wir suchen noch junge Familien mit Kindern, um das Leben in Horb und Memmingen möglichst mit allen Altersgruppen darstellen zu können.“

Die Lotzer-Helden von Horb – Stand heute sind es definitiv die Bürger.