Bei Gewitter werden die Wolken „geimpft“, damit sich keine großen Hagelkörner bilden können. Für die Kostendeckung benötigt es noch Fördermitglieder.
Auf dem Flugplatz in Donaueschingen wurde die Hagelfliegersaison eröffnet. Zum Saisonstart schauten die Oberbürgermeister von Villingen-Schwenningen und Donaueschingen vorbei.
Frisch gewartet und mit neuen Propellern ausgerüstet steht sie da, die zweimotorige Maschine vom Typ Partenavia. Mit 50 Jahren auf den Tragflächen nicht mehr neu, was man der alten Dame auch ansieht. „Aber technisch einwandfrei in Schuss“, sagt Klaus Wössner, Pressesprecher des Vereins Hagelabwehr Südwest, der den Start in die neue Saison feiert. Über die Wintermonate war die Maschine in der Werft in Speyer zur jährlichen Wartung.
Noch ist die Wahrscheinlichkeit oder die Gefahr eines Hagelunwetters zwar gering. Doch die Mitglieder des Vereins, die Piloten und nicht zuletzt das Flugzeug sind ab 1. Mai startklar.
Pauly und Roth überzeugt von der Wirksamkeit
Beim Vor-Ort-Termin unterstrichen die Oberbürgermeister von Villingen-Schwenningen und Donaueschingen, Jürgen Roth und Erik Pauly, die wichtige Arbeit zur Abwehr von Hagelereignissen über den Kommunen im Schwarzwald-Baar-Kreis. „Sie betreiben Risikovorsorge“, sagte Roth, der auch den Piloten dankte, die sich „jedes Mal in das Kraftzentrum begeben, um möglichen Schaden abzuwenden.“
OB Erik Pauly lobte das „Engagement der Mitglieder im Hintergrund, das notwendig ist, um den Hagelflieger überhaupt in die Lüfte zu heben.“ Anfangs von vielen Seiten skeptisch betrachtet, ob der Hagelflieger den gewünschten Effekt bringen. Dieser „impft“ Gewitterzellen mit einem Silberjodid-Aceton-Gemisch, sodass diese abregnen, bevor sich sogenannte Superzellen bilden, in denen sich große Hagelbrocken bilden können.
„Inzwischen werden zunehmend Beweise geliefert, dass dadurch Hagel verhindert werden kann.“ Eine große Versicherungsgesellschaft habe den Nutzen erkannt und den Verein mit einer großzügigen Spende bedacht.
Pauly nahm dies als gutes Beispiel auch für andere Versicherer, weil durch die Arbeit des Vereins künftige Millionenschäden verhindert oder zumindest minimiert werden könnten.
Weitere Unterstützung dringend notwendig
Peter Hellstern, Vorsitzender des Vereins Hagelabwehr Südwest, erläuterte den Vorteil des frühzeitigen Aufsteigens des Flugzeugs und abregnen lassen, den so genannten „Early Rainout“. „Die Hagelabwehr Südwest setzt darauf, dass das Flugzeug aufsteigt, bevor sich die Erde stark erwärmt. Dann können die Regenwolken abregnen und es könne sich erst gar kein Hagel bilden.“
Hellstern betonte, dass ohne Unterstützung vieler Städte und Kommunen, allen voran die Städte Villingen-Schwenningen und Donaueschingen, aber auch der Landkreis sowie der Fördermitglieder der Betrieb nicht aufrechterhalten werden könnte.
Klaus Wössner sagte, man wolle verstärkt Präsenz in der Öffentlichkeit zeigen, um den Verein verstärkt ins Bewusstsein der Menschen im Schwarzwald-Baar-Kreis zu bringen. „Die Mitglieder, die das schwere Hagelunwetter 2006 erlebten, werden naturgemäß weniger. Wir benötigen deshalb dringend neue Mitglieder.“
Das Flugzeug zur Hagelabwehr ist am Flugplatz in Donaueschingen stationiert. Mehrere Berufspiloten, mit viel Flugerfahrung, stehen parat, um im Bedarfsfall innerhalb kürzester Zeit starten zu können.
Der Verein
Gründungsidee
Der Verein wurde 2009 als Reaktion auf das Hagelunwetter gegründet, das am 28. Juni 2006 über Villingen-Schwenningen niederging. Dabei wurden zahllose Hausdächer und Autos durch tennisballgroße Hagelbrocken zerstört und Dutzende Menschen verletzt. Es entstand ein Versicherungsschaden von rund 150 Millionen Euro. Der Verein Hagelabwehr Südwest wird sich am Sonntag, 31. Mai, auf der Südwest Messe präsentieren. Weitere Infos auch im Internet: www.hagelabwehr-suedwest.de