Das neue Busterminal liegt im Erdgeschoss des riesigen neuen Parkhauses am Flughafen Foto: Lichtgut/Horst Rudel

Kurz vor der großen Reisewelle zu Pfingsten soll am 11. Mai der neue Fernomnibusbahnhof (FOB) am Flughafen in Betrieb gehen. Er ersetzt Provisorien. Ob es einen zweiten FOB im Norden der Stadt braucht, darüber soll dieses Jahr erneut debattiert werden.

Stuttgart - Die Fernomnibus-Branche ist im Aufwind. Nach der Marktfreigabe durch den Bund, der das Bahn-Monopol brach, rücken ferne Reiseziele auch für Besitzer kleiner Geldbeutel ganz nah. 17 bis 19 Millionen Kunden nutzten laut dem Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer 2014 den Fernbus. In der Landeshauptstadt soll das Angebot der durch Übernahmen und Fusionen gezeichneten Branche ab dem 11. Mai am Flughafen gebündelt werden. 18 Busbuchten warten im Erdgeschoss des neuen, 35 Millionen Euro teuren Parkhauses gegenüber dem Terminal 4 auf die ersten Nutzer.

Kurz vor der Eröffnung hat sich der Gemeinderat mit dem Fernomnibusbahnhof, an dem auch Nahverkehrsbusse halten werden, beschäftigt und 1,21 Millionen Euro nachlegen müssen. Die Stadt gibt der Flughafengesellschaft (FSG), an der sie mit 35 Prozent beteiligt ist (der Rest gehört dem Land), 5,81 Millionen Euro. Mit der Eröffnung werden provisorische Halte in Zuffenhausen und Obertürkheim aufgegeben. Sie mussten geschaffen werden, weil der FOB, der früher am Südausgang des Hauptbahnhofs lag, den Arbeiten für das Projekt Stuttgart 21 weichen musste.

Werbeeinnahmen fehlen

Der Nachschlag hat im Gemeinderat zu Verärgerung und Ansätzen für eine erneute Grundsatzdiskussion geführt. „Wenn man Sitzbänke für die wartenden Kunden vergessen hat, dann ist das mit der Planung nicht optimal gelaufen“, sagte Anna Deparnay-Grunenberg für die Grünen. „Keinerlei Werbeeinnahmen? Das verstehe ich nicht“, sagte der frühere City-Manager und SPD-Rat Hans H. Pfeifer. Stefan Urbat von den Piraten hält das gesamte Projekt für deplatziert. Ein Busbahnhof gehöre an den Hauptbahnhof und damit in die City, so Urbat.

FSG-Chef Walter Schoefer parierte die Kritik und listete detailliert die Zusatz- und Mehrkosten auf. Sie beginnen mit 26 000 Euro für ein Blindenleitsystem und enden bei 250 000 Euro für die Haustechnik des Service-Points. Die Entlüftung der Aufenthaltsräume sei mit Türen und Fenstern ­vorgesehen gewesen, dann habe man aber wegen Auflagen über das Dach des darüber liegenden Parkhauses und damit über sechs Stockwerke Rohre und Leitungen legen müssen, so Schoefer. Für die Möblierung und den Windschutz an den Haltestellen werden 214 000 Euro fällig, die, so die Planung, ein Werbepartner aufbringen sollte. „Es ist keiner darauf angesprungen, dabei machen wir jährlich am Flughafen 3,5 Millionen Euro Umsatz mit Werbung, wir gehen da in eine weitere Runde“, so Schoefer.

2700 Abfahrten pro Woche

Am Flughafen werden Reisende zu 31 nationalen und 82 internationalen Zielen in 27 Ländern aufbrechen können. Wöchentlich stehen 2700 Abfahrten auf dem Plan, die ­Betriebsführung übernimmt die Deutsche Touring (Frankfurt). Der Neubau ist auf Wachstum ausgelegt, er soll kostendeckend betrieben werden können, so Finanzbürgermeister Michael Föll (CDU).

Mit dem neuen Angebot sei „auf dem Tourismussektor für die Innenstadt manches noch nicht gelöst“, sagte Pfeifer. Einen FOB in der City wird es nicht geben, es sei angesichts der Feinstaubbelastung „nicht sinnvoll, im Jahr 140 000 Busse in die City zu fahren“, so Föll. Zu einem weiteren Standort im Norden ist allerdings das letzte Wort noch nicht gesprochen. Große Busanbieter haben ihn angemahnt, um nicht die große Schleife über das Autobahnkreuz zum Flughafen fahren zu müssen.

Im Norden der Stadt Station gewünscht

Auch die Kundschaft aus dem Norden hat einen weiten Weg. Zum Flughafen führen bisher nur zwei S-Bahn- und einige Regionalbuslinien. Die Stadtbahn U 6 und der Stuttgart-21-Flughafenbahnhof sind in der Planung, brauchen aber noch Jahre bis zur Fertigstellung. Der Rat will die Frage nach einem Halt im Norden nach einigen Monaten Betrieb am Flughafen erneut aufrufen.

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