Das Kunstturnen – hier ein Bild von den Olympischen Spielen in Paris – steht seit einigen Tagen in Deutschland massiv in der Kritik. Foto: IMAGO/Vitalii Kliuiev/IMAGO/VITALII KLIUIEV

Der Deutsche und der Schwäbische Turnerbund haben am Silvestertag noch einmal auf die massiven Vorwürfe von Sportlerinnen reagiert. Offenbar gibt es bereits personelle Konsequenzen.

Vertreter des Deutschen und des Schwäbischen Turnerbundes (DTB und STB) haben noch einmal intensiv über die Vorgänge der vergangenen Tage diskutiert. Zahlreiche ehemalige und noch aktive Turnerinnen haben in teils schockierenden Social-Media-Statements Missstände im Trainings- und Wettkampfbetrieb rund um das Kunstturnforum in Stuttgart angeprangert. Dabei geht es um Drohungen, psychischen Druck, Essstörungen und Turnen unter Schmerzen. Diese Zustände sollen ignoriert worden sein.

 

Die Verbände haben nach einer ersten Reaktion am Wochenende nun am Silvestertag ein weiteres Statement als Ergebnis der Gespräche veröffentlicht. Darin soll vor allem der Vorwurf entkräftet werden, man habe frühere Hinweise auf die Zustände nicht ernst genommen und keinerlei Konsequenzen gezogen.

„Die Anzeige von Missständen durch Tabea Alt aus dem Jahr 2021 war erschreckend und zugleich sehr hilfreich“, heißt es nun. „Sie blieben entgegen mancher Darstellungen in den Medien nicht folgenlos. Denn die Erkenntnisse seien sowohl in den DTB Kultur- und Strukturprozess „Leistung mit Respekt“ als auch in die konkrete Aufarbeitung am BSP Stuttgart eingeflossen. Dies habe auch zu konkreten Maßnahmen geführt. BSP steht für Bundesstützpunkt, ein solcher ist das Kunstturnforum.

Personelle Konsequenzen gab es offenbar aber erst jetzt – nach zahlreichen Schilderungen der Missstände. „Die Erkenntnisse aus der Meldung von Michelle Timm flossen unter anderem in den im Oktober 2024 am BSP Stuttgart gestarteten Interventionsprozess ein, der vor Weihnachten auch vorläufige personelle Konsequenzen nach sich zog“, schreiben die Verbände. Wie diese genau aussehen, blieb allerdings offen. Michelle Timm ist eine ehemalige Kaderathletin, die sich nach eigenen Angaben vor zwei Monaten an die Verbände gewandt hatte. Sie selbst ist Nachwuchstrainerin.

Verbände kündigen Aufarbeitung an

DTB und STB schreiben zudem, dass es „für uns wichtig“ sei, „dass in der Aufarbeitung alle Seiten fair behandelt und gehört werden“. Man müsse „die teilweise gänzlich unterschiedlichen Wahrnehmungen anerkennen und diese zum Anlass für eine selbstkritische Überprüfung nehmen“.

Schon am Wochenende hatten die beiden Turnverbände eine Aufklärung und Aufarbeitung mit externer Unterstützung angekündigt. Dieser Prozess müsse dann auch zeigen, ob die laut der Verbände bereits länger eingeleiteten Maßnahmen, „nicht ausreichend“ vermittelt wurden, ob „die Turnerinnen die Maßnahmen anders wahrnehmen oder diese falsch oder nicht ausreichend waren“. Die Sportlerinnen sollen in diese Aufarbeitung „intensiv“ einbezogen werden.

Generell sei man sowohl beim DTB als auch beim STB „überzeugt, dass wir mit einem positiven Leistungsklima und im Sinne von Leistung mit Respekt international erfolgreich sein können“. Man strebe einen „humanen Leistungssport“ an.