Tanja König und Alfredo Vela haben viele Ideen, wie die Dorfmitte belebt werden kann.Foto: Steinmetz Foto: Schwarzwälder Bote

Vision: Neue Dorfmitte soll zu "Ort der Begegnung" werden / Förderverein stellt Konzept vor

Spontan Leute treffen, Kaffee trinken, einkaufen, Feste feiern: In der Ortsmitte soll eine Dorf-Oase entstehen.

Starzach-Wachendorf. "Wir wollen keine Traumschlösser bauen", versichert Alfredo Vela, Vorsitzender des Fördervereins Dorfmitte Wachendorf. Noch ist es eine Vision, jedoch gibt es eine ganze Reihe von Ideen und ein konkretes Konzept.

Der ursprüngliche Plan, eine Kulturscheune zu bauen, wird nicht mehr weiterverfolgt. Stattdessen sollen nun im Rathaus Räume für Bürger und Vereine sowie auf dem Areal des Schlachthauses ein Dorfplatz entstehen.

2019 haben die Mitglieder mehrere Veranstaltungen organisiert, unter anderem Balladen-Abende, den Adventskalender und einen Seniorennachmittag. Danach ist, auch corona-bedingt, ein Stillstand eingetreten. Der Vorstand nahm Ende 2020 Kontakt mit Bürgermeister Thomas Noé und den Gemeinderatsfraktionen auf. Das Ergebnis: Eine fraktionsübergreifende Arbeitsgruppe ist ins Leben gerufen worden. Das Gremium, das seit dem 21. Januar alle zwei Wochen tagt, leitet Andreas Scholz von der Verwaltung. Die weiteren ständigen Teilnehmer sind Alfredo Vela (Fördervereinsvorsitzender), die Gemeinderäte Annerose Hartmann (BVS), Tiana Weiß (ULS), Michael Rilling (ZS) und Tanja König (stellvertretende Fördervereinsvorsitzende).

Zentrales Thema der Arbeitsgruppe ist, die neue Dorfmitte als einen "Ort der Begegnung" zu gestalten. Tanja König formuliert beim Pressegespräch mit unserer Zeitung das Ziel folgendermaßen: "Wir machen uns die Welt, wie sie uns gefällt. Wünsche sind da", weiß sie. Aus einer Bedarfsanalyse hat die Arbeitsgruppe jetzt ein Konzept entwickelt. Dieses setzt den kompletten Umbau und die Sanierung des 1814 erbauten Rathauses und den Abbruch des Schlachthauses voraus. Als "Ort der Begegnung" ist das Erdgeschoss des Rathausgebäudes vorgesehen. Die Raumaufteilung mit mobilen Theken, Küche oder Koch-Insel, Aufenthalts- und Spielmöglichkeiten wird flexibel gehalten. Ein Bäcker könnte ein Café betreiben und gleichzeitig seine Waren verkaufen.

Links neben dem Eingang sind auf dem Plan die sanitären Anlagen eingezeichnet. Im hinteren Bereich ist ein Anbau für Kühl- und Lagerräume konzipiert. Im ersten Obergeschoss sollen der Wanderclub und der Jugendclub neue Räume erhalten. Das Dachgeschoss, erreichbar auch über einen Aufzug, soll zu einem Bürgersaal ausgebaut werden. Dort stehen 95 Quadratmeter zur Verfügung.

Auf der Schlachthausfläche wird dem Konzept zufolge ein Dorfplatz mit Pavillon angelegt. Auch dieser bekommt, wie das Erdgeschoss des Rathauses, einen multifunktionalen Charakter, könnte also vielseitig genutzt werden, beispielsweise für einen Markttag mit regionalen Produkten, kleinen Festveranstaltungen, E-Bike-Station, Elektro-Autotankstelle oder E-Teil-Auto (Carsharing).

Die Nahversorgung spielt bei den Überlegungen eine größere Rolle. Ein vielversprechender Anfang ist mit dem donnerstäglichen Gemüseverkauf vor dem Rathaus bereits gemacht. Die beiden Vorstandsmitglieder haben beobachtet, dass dieses Angebot gut angenommen wird.

Das sei ein Magnet und ausbaufähig. Die Idee von einem Dorfladen will Tanja König aber noch nicht abhaken. Sie hat sich bereits von möglichen Lieferanten beraten lassen. Doch jetzt sei ein Punkt erreicht, an dem Bürgerbeteiligung benötigt werde. Das heißt: "Wir brauchen Leute, die sich verantwortlich fühlen." Der Dorfladen könnte zum Beispiel als Genossenschaft oder Verein geführt werden. Der Förderverein würde gerne eine Informationsveranstaltung ansetzen, das sei wegen Corona aber nicht möglich, bedauert Tanja König. Als nächster Schritt ist eine Bürgerbefragung zum Dorfladen angedacht.

Die neue Dorfmitte in Wachendorf ist schon seit 2015 ein Thema. Alfredo Vela will nun aus der "Endlosschleife" herauskommen. Dabei ist ihm klar, dass es um die Starzacher Finanzen nicht gut bestellt ist. Die Kosten für die neue Dorfmitte, sagt er, müssten daher bei 1,5 Millionen Euro gedeckelt werden. Den Gemeindeanteil schätzt er auf eine Million Euro, 500 000 Euro erwartet er an Zuschüssen, unter anderem aus dem Landessanierungsprogramm.

Der Förderverein stellt bei der Sitzung Ende April dem Gemeinderat das vom Arbeitskreis Hirtenbrünnle/Dorfmitte ausgearbeitete Detailkonzept vor, danach gehe es an die Fachplanung. Vela hofft, dass die Dorfmitte Wachendorf in den Haushaltsplan 2022 aufgenommen wird.

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