Konzert: Dopp spendiert Pflanzen, Golla macht damit Musik / Auftritt am Samstag
Von Jürgen Lück
Der Empfinger Pflanzenexperte Holger Dopp ist schon ganz gespannt: Was zaubern die Künstler im Eleven für Sounds aus seinen Kakteen?
S tarzach-Börstingen/Empfingen. Unter dem passenden Titel "Stichtag" werden vier Klangkünstler aus den Kakteen des Empfingers ganz neue Sounds herauszaubern. Ein Expe riment, welches Dopp fasziniert: "Mir ist zum ersten Mal im Chopin-Museum auf Mallorca aufgefallen, welchen Klang Kakteen abgeben." Er zupft an einem Stachel: "Das ist so, als wenn man an einer Kunststoffsaite zupft."
Das Kakteen-Musik-Projekt – es ist schon lange geplant. Monika Golla erinnert sich: "Ich bin damals in meiner Künstlerhaus-Zeit in Horb mit Elisabeth Kaiser in den Kakteengarten zu Herrn Dopp gegangen." Die Sängerin beeindruckte schon im vergangenen Jahr mit ihrer Performance "Hochzeitstag" im Kakteengarten. Damals traktierte sie sich mit Stacheln und sang dazu.
Dopp: "Ich bin eher für klassische Musik zu haben. Die Performance damals hat mich sehr beeindruckt, weil die Sängerin sichtbar sehr gelitten hat. Mir geht es da ähnlich wie ihr: Wenn ich den ganzen Tag im Kakteenhaus bin, merke ich erst hinterher, wo überall Stacheln sind."
Doch beim Stichtag im Kunstort Eleven gibt es wohl weniger Pieks-Gefahr. Gitarren-Plektrum, Federn und metallene Finger-Picking-Zupfer liegen ebenso wie die Percussion bereit: Riesel-Teile aus Säulenkakteen. Dopp: "Man zupft die Stacheln raus, hämmert sie umgekehrt hinein und füllt den Hohlraum innen mit Kakteensamen oder Kieselsteinen." Er dreht ein Teil um: "Klingt doch toll, oder?"
Golla lächelt, während der Kakteenexperte erzählt: "Er hatte mir eine Mail geschrieben, ob ich John Cage kennen würde. Na klar. Denn der Komponist war der erste, der Musik mit Kakteen gemacht hat." Deshalb wird auch ein Stück des "Stichtag 4 Cactus" nach dem Stück "Four" des experimentellen Komponisten gespielt werden. Golla: "Er macht für jeden Künstler zeitliche Vorgaben, in denen sie ihre zwölf Lieblingsklänge spielen dürfen." Und Dopp ist sich sicher, dass seine Kakteen dabei die besten Klänge von sich geben. Der Kakteenexperte: "Ich habe irgendwo gelesen, das Cage versucht hat, mit vielen Gegenständen Musik zu machen. Doch er hat geschrieben, dass die Musik, die man mit Kakteen erzielt, am schönsten ist."
Dabei musste auch der Kakteenexperte umlernen, wie er sich schmunzelnd erinnert: "Als Frau Golla zum ersten Mal im Kakteengarten war, wollte sie unbedingt eine kaputte Pflanze haben. Ich wollte ihr eine lebendige geben, doch sie bestand auf der vertrockneten." Monika Golla zupft an dem trockenen Kaktus. Siehe da: Der Sound ist viel intensiver, weil der Klang des Stachelzupfens durch den Hohlkörper wie bei einer Gitarre verstärkt wird.
Heute, so Monika Golla, wird die Generalprobe im Künstlerhaus sein. Die Klangkünstler Nikolaus Heyduck, Scott Roller und Roderik Vanderstraeten werden gemeinsam mit Golla die Feinheiten des Kaktusspielens erarbeiten. Auch das SWR-Fernsehen hat sich angekündigt, will einen Beitrag in der Landesschau bringen.
Und Holger Dopp freut sich schon auf das Konzept am Samstag: "Ich werden mich ganz hinten in die Ecke setzen und es genießen."
Weitere Informationen: Stichtag 4 Cactus. Konzert im Alten Schulhaus Börstingen. Samstag, 4. Juni, 20 Uhr. Karten unter Telefon 01573/821 86 62.