Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut informiert sich vor Ort über den Hochwasserschutz in Sulzau.Fotos: Morlok Foto: Schwarzwälder Bote

Wahlkampf: Ministerin Nicole Hoffmeister-Kraut informiert sich über Hochwasserschutz in Sulzau

In wenigen Wochen ist Landtagswahl in Baden-Württemberg. Viele Lokalpolitiker kämpfen derzeit um die begehrten Plätze im Zentrum der Macht in der Landeshauptstadt Stuttgart. Und dafür nehmen sie auch Reisen zu ihnen bislang völlig unbekannten Orten auf sich.

Starzach-Sulzau. So auch die amtierende Chefin des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau in Baden-Württemberg, Nicole Hoffmeister-Kraut.

Sie führte ein Wahlkampftermin am Freitagvormittag nach Starzach-Sulzau, einem Ort, in dem sie nach eigenem Bekunden noch nie war. Starzachs Bürgermeister Thomas Noé berichtigte sie diesbezüglich, da er ihr erklärte, dass Schloss Weitenau auch zum Ortsteil Sulzau gehöre und die Frau Ministerin deshalb schon vor langer Zeit einmal hier in der Gemeinde war.

Mit Hochwasser muss sich Schlossherr von Rassler nicht herumplagen, doch genau das war der Grund für den hohen Besuch aus der Landeshauptstadt.

Hoffmeister-Kraut tritt bei den anstehenden Wahlen für ihren Heimatbezirk Balingen als CDU-Kandidatin an und da Sulzau mit zu einem der äußersten Zipfel ihres Wahlbezirks gehört, wollte sie sich vor Ort von den vorbildlichen Hochwasserschutzmaßnahmen in dieser kleinen Gemeinde, die teilweise direkt am Neckar liegt, überzeugen.

"Ich habe von den Überschwemmungen letzte Woche hier in Sulzau gehört", erklärte die Politikerin gleich zur Begrüßung den anwesenden Feuerwehrkommandanten der Gesamtgemeinde, einer Abordnung des Gemeinderats und den verantwortlichen der Gemeindeverwaltung "und ich wollte mich persönlich hier von den Ausmaßen aber auch von den Schutzmaßnahmen überzeugen". Sie fragte gleich pragmatisch nach, ob man aus ihrem Haus diesbezüglich Unterstützung braucht. "Kann ich etwas für sie tun – jetzt aktuell oder auch auf die Zukunft gesehen", lautete ihre Frage an die Anwesenden, der sie jedoch gleich eine Gesamtbetrachtung der derzeitigen Ist-Situation bezüglich der coronabedingten Einschränkungen anschloss.

Appell einer Schneiderin

Die Gesundheit sei das höchste Gut, deshalb stehe man auch hier mit Abstand und mit Maske, doch auch der Handel, die Bildungseinrichtungen und die gesamte Dienstleistungsbranche, harte Faktoren in Bezug auf Lebensqualität, leiden stark unter der Pandemie. Gemeinderätin Iris Kieser, eine selbstständige Schneiderin, machte bei dieser Gelegenheit gleich auf ihre prekäre Lage aufmerksam.

Durch die Absage der Fasnet sei ihr der Umsatz von drei Monaten weggebrochen, da es keine Narren-Häser zu flicken und nähen gebe, erklärte sie. "Im nächsten Jahr gibt es wieder Fasnet", tröstete die Ministerin, und diese Aussage war sicher kein Wahlkampfversprechen, von dem man hinterher nichts mehr wissen will.

Nach einem kurzen Verbal-Ausflug mit Blick auf die aktuelle Maßnahmenpalette zur Coronabekämpfung kam man dann zum Hauptthema des Besuches. Ein kleiner Spaziergang entlang des Neckarufers machte deutlich, dass die Hochwasserschutzmaßnahmen, die 2003 für geschätzt 200 000 Euro, von denen der Großteil aus Fördergeldern stammt, gut angelegtes Geld sind. "Bei den ersten Anzeichen von Hochwasser können wir innerhalb von 30 Minuten das große Hauptfluttor über der Böschung schließen und innerhalb einer weiteren Stunde den Schutzwall aus Aluminium-Elementen so montieren, dass die unmittelbar dahinterliegenden Häuser geschützt sind", erklärte Sulzaus Feuerwehrkommandant Hubert Kienzle dem Gast.

Er führte weiter aus, dass die Böschung vor dem Wall ein Teil der gesamten Schutzanlage sei und seinerzeit extra aufgeschüttet wurde. Der Wasserdruck könne dieser Schutzwand nichts anhaben, da die Alu-Verstrebungen, in die die einzelnen Planken eingesetzt werden, bis zu sieben Meter tief im Boden verankert wurden.

Das Einzige, was er sich wünscht, ist eine Meter-Skalierung an einem der beiden Brückenpfeiler, mit der man die tatsächlichen Hochwasserstände exakt ablesen könne. Auf die Frage der Ministerin, ob seit 2003 nochmals etwas in Bezug auf die Wassermassen vorgekommen sei, konnte Kienzle nur abwinken. "Wenn das Wasser über die Absperrung käme, dann würde halb Sulzau den Neckar runtergespült und Teile von Horb und der näheren Umgebung gleich mit", machte er deutlich.

Bürgermeister Noé sprach jedoch auch ein echtes Problem an. Und zwar die unterirdischen Abwasserkanäle, die in der Regel mit Starkregen schon extrem überfordert sind. Was er jedoch nicht laut genug loben konnte, das war die ehrenamtliche Bereitschaft der Teams der Freiwilligen Feuerwehr, von denen bei Hochwasser niemand schläft.

Was jedoch weder Noé noch Feuerwehrmann Kienzle verstehen, dass ist der Leichtsinn, mit dem sich manche Bürger selbst in Gefahr begeben. "Der Weg hier war völlig überflutet und von uns abgesperrt und trotzdem war eine Frau mit Kleinkind, Hund und einem Kinderwagen hier unterwegs", berichtet er der staunenden Ministerin, die sich über so viel Unvernunft nur wundern konnte. Kienzle hat zudem Kanufahrer beobachtet, die sich eine Wildwasserfahrt auf dem tosenden Neckar nicht entgehen lassen wollten, wie er ergänzte. "Und dass bei 300 bis 400 Kubikmeter Wasser, die pro Sekunde vorbeifließt."

Insgesamt zeigte sich die promovierte Betriebswirtin von den Sulzauer-Schutzmaßnahmen sehr beeindruckt und wünschte sich, dass auch an anderen neuralgischen Stellen im Land mit soviel Weitsicht am Hochwasserschutz, zu dem auch vier Regenrückhaltebecken entlang des Neckars zählen, gearbeitet würde.

Noés Wünsche

Mit Hochwasserschutz allein war es bei diesem Besuch jedoch nicht getan. Noé betonte die Wichtigkeit eines funktionierenden Schulsystems und sprach hier ganz gezielt die Schulbauförderung an. "Ich will hier nicht als der Schultes in die Gemeindegeschichte eingehen, der die Schullandschaft platt gemacht hat", so Noé. "Wenn wir unsere Ganztagsschule verlieren, dann verlieren wir das Wichtigste was wir in puncto Bildungspolitik haben", schob er nach. Von der Schule war es nur noch ein kleiner Schritt zum Sporthallenbau, da eine solche Halle in Starzach auch fehlt. "Egal wie man‘s hinrechnet, es fehlt uns Geld", klagte Starzachs Verwaltungschef, der dafür die gute Zusammenarbeit mit dem Ministerium von Hoffmeister-Kraut hervorhob. Sie versprach dafür im Gegenzug, die Sorgen und Nöte der Gemeinde mit in den Landtag zu nehmen, hatte aber keine fertige Lösung für allgemeine kommunale Finanz-Schieflagen im Handgepäck.

"Anschiss" für Ministerin

Neben den allgemeinen Infos, die sie zum Teil auch von den Gemeinderäten direkt aus erster Hand im persönlichen Dialog mitbekam, nahm die Ministerin auch einen kleinen "Anschiss" von Starzachs Hauptamtsleiterin Christiane Krieger mit in ihr Wahlkampfbüro. Ihr Wahlkampfplakat war verbotenerweise am Ortseingangsschild aufgehängt worden, was einen Verstoß gegen die allgemeinen Richtlinien ist.

Tja, man sollte sich ab und zu auch mal selbst um solche Kleinigkeiten kümmern und nicht immer nur alles den Mitarbeitern überlassen. Die gilt für Wahlplakate genauso wie für Expo-Pavillons in Dubai.

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