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Starzach Projekt mit Signalwirkung

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Foto: Hopp Foto: Schwarzwälder-Bote

Das zweite Künstlersymposium im Kunstort Eleven begeistert sogar die Kinder! Als "Fakers Club" – die Performer aus Essen – sich über die Böschung wälzen und aufs Dach steigen, kommen sogar Kinder angelaufen und schauen fasziniert zu.

Starzach-Börstingen. Das dürfte genau im Sinne von Starzachs Bürgermeister Thomas Noe sein. Zur Eröffnung sagt er: "Es ist toll, dass Künstler aus dem In- und Ausland nach Börstingen gekommen sind. Dieses Projekt entwickelt langsam seine Signalwirkung im ländlichen Raum. Es bietet der Bevölkerung die Möglichkeiten, die ganze Vielfalt von moderner Kultur kennenzulernen."

In der Tat: Schon beim Betreten der alten Schule umfangen einen die Raumklänge von Kosmos Giannoutakis. Ein organisches Brummen aus zwei Lautsprechern. Man tritt mit dem Fuß auf – und schon ergänzt ein angenehmer Wellenklang die Komposition. Interaktive Musik.

Gut 50 Meter hinter dem Ortsschild sind Werther Germondari – zwei Künstler aus Rom – dabei, die einfahrenden Autos und Motorräder mit der Zielflagge abzuwinken. Radfahrer freuen sich, Läufer geben noch mal Gas, Motorradfahrer winken. Frank Fierke, Mit-Initiator von "Eleven": "Das soll zeigen, was hier täglich für ein Rennen am Start ist."

Eva Baumann hat sich ein Gummi-Twist-Spinnennetz auf dem Basketballplatz aufgebaut. Klar, dass sie sich in der Choreografie beim Tanzen darin verstrickt. Ein faszinierendes Spiel mit den Verstrickungen des Lebens. Hinterher sagt sie: "Das Material ist unvorhersehbar. Heute habe ich mich eingesponnen."

Dann geht es zackig weiter: Melanie Albrecht hat sich in den schwarzen Wingsuit geworfen, rote Perücke auf und schon geht’s zum "Walk durch Börstingen". Als es durch die Siedlung geht, ist man plötzlich im Land des "Ich-Tosaurus". Die Sintflut kommt und alle Tiere gehen in die Arche. Nur der Ich-Tosaurus nicht. Melanie sagt: "Er hielt die Sintflut nicht für möglich. Jetzt ist er abgesoffen." Genau das (An-)Spiel zwischen Gegenwart und Vergangenheit, was "Friendly Fire" auf dem Roten Sofa auch angekündigt hatten.

Zurück in der "Alten Schule." Neben dem Kaffeestand das beeindruckendste Video: Man sieht im Vordergrund eine Art viereckiges Aquarium. Im Hintergrund fahren Radfahrer und Mütter mit Kinderwagen vorbei. Plötzlich taucht der Kopf von Eyal Segal von oben auf, er wird komplett untergetaucht. Minutenlang. Während seine Augen immer ängstlicher werden, ziehen die Menschen im Hintergrund einfach weiter vorbei.

Szenenwechsel – erst taucht ein junger Typ in blauer Jacke auf, spielt Fußball. Dann ein Typ in gelber Jacke. Stephanie Miracle und Uwe Brauns von "Fakers Club" rollen die Böschung herunter. Die vier fangen an, die alte Schule zu erobern. Jordan Gigout simuliert ein Picknick unter der Treppe im Aufgang, draußen sitzen Baptiste Bersoux und Brauns und teilen sich Äpfel und eine Zigarette. Dann geht es durch die Turnhalle. Auf dem Dach endet die Tour, wo alle vier dann picknicken. Eine Zuschauerin: "Die haben mir ihren Körpern die ganze Schule erobert."

Dann wird’s unterirdisch. Stephanie Müller hat im Lichtschacht ihre Nähmaschine aufgebaut, näht und singt. Man versteht nicht viel vom Text, im Refrain kommt Buddy Holly vor. Die Schere schnippt, noch ein Etikett dran ans Kissen, dann reicht sie das fertige Stück durchs Fenster: "Ich habe für Euch ein Eis produziert. Es besteht zu 100 Prozent aus Kohlensäure." Anspielung auf die Gegend, in der die Kohlensäureindustrie im letzten Jahrhundert eine bedeutende Rolle gespielt hatte. Eine Performance, die unter dem Titel "Börstingen 11" von ihrem Künstler-Partner Klaus E. Dietl gefilmt wurde.

Lustig wird’s dann beim Aktionskünstler "Brandstifter". Erst wirft er Zettel auf die Erde. Sagt: "Ich starte jetzt die Asphaltbibliothek Börstingen. Sucht nach Zetteln, die handbeschrieben sind und werft sie in die Depots." Und damit die Anwesenden auch motiviert sind, holt der Brandstifter die Melodica raus, wirft Zettel auf die Erde und lässt alle im Kanon singen, was auf dem Zettel steht: "Ein kleines Stück Papier". Auch Agnes Maier, Horbs Kulturfrau, singt voller Begeisterung mit: "Mitmachen ist immer gut. Das Zettel sammeln ist was für mich. Ich bin so ein Typ der fast alles aufhebt."

Danach zeigt Komponistin Makiko Nishikaze, wie sie "Börstingen hört." Auf dem Tisch liegen Laub, Nüsse, Steine. Erst geht sie mit den Fingern durch das Laub – es knistert. Dann kommt der Papierflieger, dazu macht sie Brumm-Geräusche. An den Steinen angekommen, taucht sie die Hand ins Wasser, es plätschert. Sie sagt: "Neckar." Und jeder, der zugehört hat, weiß jetzt, wie es in Börstingen klingt.

Das Labor – die Veranstaltung, bei der internationale Künstler in Börstingen die Zuschauer zum Staunen gebracht haben. Monika Golla, Initiatorin des Kunstorts: "Ich bin sehr zufrieden. Die Künstler sind sehr begeistert, weil die Zusammenstellung perfekt ist und jeder etwas von dem anderen lernen kann." Und auch die Zuschauer honorieren das. Golla: "Wahnsinn. Es kamen welche, die wollten nur kurz gucken und sind nach vier Stunden immer noch hier."

 
 

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