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Starzach "In Peru schien das zunächst weit weg"

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Yvonne Wehle bei einem Erste-Hilfe-Kurs nahe der RegenwaldkonzessionFoto: Wehle Foto: Schwarzwälder Bote

Ausgerechnet als sie sich im zentralen Regenwald von Peru einigermaßen eingelebt hatte, musste Yvonne Wehle alles aufgeben und überstürzt abreisen. Seit August vergangenen Jahres war die 22-Jährige aus Starzach in Lateinamerika, um ihr Soziales Jahr zu absolvieren.

Starzach/Peru. "Wir waren gerade in den Startlöchern", meint die junge Frau im Rückblick. Mitte März hatte sie gerade ihr Erste-Hilfe-Projekt in abgelegenen Dörfern des Regenwaldes begonnen – dann schlug die Corona-Krise zu. Yvonne Wehle musste sich der Rückholaktion der Bundesregierung anschließen.

Nun ist sie zurück in Deutschland, lebt derzeit bei ihren Eltern in Starzach (Landkreis Tübingen). Eines steht für sie fest – zurückkehren in die Entwicklungszusammenarbeit will sie auf alle Fälle.

Nach Peru zog es Wehle direkt nach ihrem Abitur im vergangenen Sommer. "Ich wollte auf einem anderen Kontinent leben und mich engagieren." Das Programm "Weltwärts" der Bundesregierung schien da gerade zu passen. In Peru arbeitete sie für die Nichtregierungs-Organisation Atiycuy Perú, die sich vorwiegend um die indigenen Gemeinschaften des Yáneshan-Volkes kümmern und sich für den Schutz des Regenwaldes engagieren.

Der neue Arbeitsplatz der jungen Frau aus Baden-Württemberg hieß Villarica, ein kleines Dorf elf Stunden Busfahrt von der Hauptstadt Lima entfernt. "Man muss einmal die Anden überqueren", beschreibt sie die Fahrt. Über 5000 Meter ging es in die Höhe, "das spürt man schon im Kopf", erzählt sie. Villarica selbst zählt etwa 1800 Einwohner und ist umgeben vom Regenwald, die indigenen Völker seien während der Kolonialzeit stark dezimiert worden, so Wehle, heute lebten nur noch schätzungsweise 7000 Yánesha. "Sie haben ihre eigene Sprache und leben sehr im Einklang mit der Natur." Die Workshops mit den Einheimischen konnte sie teilweise nur nach einem längeren Fußmarsch erreichen.

Nach der Regenzeit im Februar waren Wehle und einige andere Helfer gerade dabei, ein eigenes Gesundheitsprojekt aufzubauen. Es ging um ein Erste-Hilfe-Programm, die ersten Schritte waren bereits getan, Marialien für Erste-Hilfe-Kästen standen bereit – da schlug die Pandemie zu. "Ich hatte zwar schon über Freunde und Verwandte aus Deutschland von dem Virus gehört. Aber in Peru schien das zunächst sehr weit weg."

Doch dann überstürzten sich die Ereignisse. Mitte März sei sie wieder in einem indigenen Dorf gewesen. "Wir haben auch über das Virus geredet, die Leute haben geübt, in die Armbeuge zu husten", berichtet die Schwäbin. Doch als sie dann wieder in ihrer Basis in Villarica Internet-Empfang hatte, musste sie erfahren, dass die anderen Helfer aus Deutschland sich zur Rückkehr entschlossen hatten. "Ich bin aber zu dem Schluss gelangt, dass ich mir eine Rückkehr nach Deutschland überhaupt nicht vorstellen kann." Gemeinsam mit zwei anderen Freiwilligen wollte sie bleiben, "um in der Krise zu helfen".

Doch kurz darauf rief die Regierung in Peru den nationalen Notstand aus. Für Millionen Peruaner, die nicht mehr arbeiten konnten, bedeutet dies Armut und Elend. Für Wehle bedeutete das: Zurück in die Heimat. Wehle reiste nach Lima zurück. Wieder musste sie die Anden überqueren, wieder war es ein Abenteuer. "Wir brauchten Passierscheine, die immer wieder von Militärs kontrolliert werden. An einem Checkpoint werden wir fotografiert und müssen die Hände waschen." Am 7. April landete sie wieder auf dem Stuttgarter Flughafen – eigentlich hätte sie bis August in Peru bleiben wollen.

"Die überstürzte Rückkehr hat mich natürlich total aus der Bahn geworfen." Doch sie hat Pläne: Im Herbst will sie mit einem Psychologiestudium beginnen. Später will sie "im interkulturellen Kontext" arbeiten, gerne auch im Ausland in der Entwicklungshilfe – oder auch mit Flüchtlingen. "Mein Ziel ist es, die Offenheit für andere Menschen und Kulturen, die ich in Peru gelernt habe, zu behalten."

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