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Starzach Hohn und Spott für Dauerkandidat Samuel Speitelsbach

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Viel Gegenwind gab es für Samuel Speitelsbach. Foto: Schwarzwälder Bote

Starzach-Wachendorf - Bei der Kandidatenvorstellung für die Starzacher Bürgermeisterwahl war das Interesse groß. Mit rund 100 Besuchern waren die Stuhlreihen voll. Während Bürgermeister Thomas Noé einen souveränen Auftritt bot, präsentierte Dauerkandidat Samuel Speitelsbach eine groteske Vorstellung.

Im Vorfeld der Bewerbervorstellung war nicht klar, ob außer Thomas Noé auch der zweite Kandidat, Samuel Speitelsbach, zur Veranstaltung in die Wachendorfer Mehrzweckhalle kommen würde. Doch er hatte die Reise in die Gemeinde angetreten.

Vom Gemeindewahlausschuss war zuvor festgelegt worden, dass jeder Kandidat 15 Minuten Redezeit und 15 Minuten Zeit für Fragen aus dem Publikum hatte. Die Kandidaten würden nach Eingang ihrer Bewerbung die Gelegenheit haben, sich vorzustellen, während der jeweils andere Kandidat außerhalb des Saals warten musste.

Teil der Dorfgemeinschaft

Noé durfte beginnen: "Wie schnell doch die Zeit vergeht, wird mir heute wieder sehr deutlich vor Augen geführt", erklärte der 52-Jährige. Die vergangenen acht Jahre seien schnell vergangen und getreu dem Motto: "Aller guten Dinge sind drei" bewerbe er sich erneut. Seit 2004 ist er Bürgermeister der Gemeinde, seit 2009 auch Mitglied im Kreistag. Der parteilose Politiker lebt mit seiner Frau Kerstin und seinen drei Kindern in Starzach. Für die Familie sei die Gemeinde zur Heimat geworden und sie seien gerne Teil der Dorfgemeinschaft.

Seine Kandidatur stehe unter der Überschrift: "Bürgernahe, unabhängige, zukunftsorientierte und verlässliche Politik." Starzach habe sich trotz der "bekannter finanzieller Rahmenbedingungen hervorragend weiterentwickelt". Deshalb gelte es, dies so fortzusetzen, ohne sich "tot zu sparen". Die Schulden habe man "um weitere 1,5 Millionen Euro reduziert und gleichzeitig mehr als 15,4 Millionen Euro investiert", sagte Noé. Um Investitionen ohne zusätzliche Kredite möglich zu machen, habe die Gemeinde rund 2,8 Millionen Euro an Fördermitteln abgeschöpft.

In der Gemeinde sei in der Amtszeit des 52-Jährigen sei die Infrastruktur auf hohem erhalten und am Bedarf weiterentwickelt worden. Dazu nannte Noé einige Beispiele: Schaffung zusätzlicher Krippenplätze, Weiterentwicklung der Ganztagsbetreuung, Verbesserung der offenen Jugendarbeit (neuer Jugendraum), Ansiedlung von Unternehmen, energetische Sanierung kommunaler Einrichtungen sowie Förderung der Kulturlandschaft und des sanften Tourismus.

In Sachen Ausblick erklärte Noé, dass die Starzacher sicher sein könnten, dass er eingearbeitet sei die Herausforderungen kenne. "Dass dies so ist, erkennt man auch daran, dass das Rathausteam und ich gemeinsam, die seit Monaten bestehenden personellen Vakanzen innerhalb der Verwaltung bestmöglich kompensieren", betonte er mit Hinblick auf die frei Hauptamtsleiterstelle, die nun nach Monaten ab März wieder besetzt sein soll.

Weiteres wichtiges Zukunftsthema, um gegenüber dem demografischen Wandel gewappnet zu sein, im Wettbewerb um Einwohner und junge Familien, sei die Weiterentwicklung des Schulstandorts. Notwendig seien Ganztagsbetrieb, moderne Mensa und Schulsporthalle. "Mein Ziel ist es, dass in drei bis fünf Jahren unsere Kinder und Enkelkinder in den ›neuen Räumen‹ zur Schule gehen", betonte der Kommunalpolitiker. Ebenso gelte es, zusätzliche Krippenplätze zu schaffen. Ziel sei es, die Beschlüsse noch vor der Sommerpause 2020 zu fassen.

Im Bereich der medizinischen Versorgung sei man mit zwei Ärzten gut aufgestellt, erklärte der 52-Jährige. Den Bedarf an Gemeinschaftspraxen gelte es zu beobachten: "Hier wäre ich auch bereit, dass die Gemeinde in ein Ärztehaus investiert."

Noé betonte, er freue sich die Zukunft von Starzach weiter gemeinsam zu gestalten. "Sie haben mein Wort: Wo ich helfen kann, werde ich auch in Zukunft helfen."

Deutlicher Wahlaufruf

Nach der Rede des Amtsinhabers folgte die Gelegenheit, für 15 Minuten Fragen zu stellen. Zuerst zögerlich, erkundigten sich Bürger nach der Entwicklung der Dorfmitte Wachendorf, die derzeit wegen der Aussiedlung des Viehhandels Weimer stockt, nach dem Baugebiet Brühl III, das wegen einem gerichtlichen Entscheid ebenfalls unklar bleibt, nach dem Grundschulstandort, Breitbandausbau und dem Mobilfunk. Gemeinderätin Annerose Hartmann (BVS) nutzte zum Ende der Fragerunde ihre Chance, um einen Wahlaufruf für den 26. Januar zu starten: "Wir haben einen Bürgermeister, der sich für uns einsetzt, jetzt müssen wir uns für ihn einsetzen", forderte die Wachendorferin. Die Bürger sollten nicht denken, dass sowieso alles klar ist, denn sonst könnte das in einem erneuten Wahlgang enden.

Zuhörer verlassen die Halle

Nach Noé folgte der Auftritt von Samuel Speitelsbach, der viele der Zuschauer ungläubig zurück ließ. 30 Minuten voller wirrer Definitionen und Ideen folgten. Speitelsbach stieg in seine Rede folgendermaßen ein: "Falls irgendwelche Zweifel an meiner Wählbarkeit aufkommen", erklärte der 33-Jährige, der daraufhin einen Eid auf die Verfassung ablegte. Danach sagte er: "Da Sie hier ja die ukrainische Flagge aufgehängt haben (hellblau und gelbe Flagge der Gemeinde Starzach, Anm. der Red.), habe ich meine eigene Deutschlandflagge dabei." Speitelsbach entfaltete daraufhin eine Flagge der DDR, die er am Rednerpult aufhängen wollte. Die Vertreter des Wahlausschusses entfernten diese jedoch umgehend. Nach minutenlanger Abhandlung über die Definition eines Nazis – "ein Nazi ist jemand, der nicht aufsteht, um einer Dame den Stuhl anzubieten" – unterbrach Hans-Peter Ruckgaber dies und fragte, ob Speitelsbach nicht etwas zu seiner Bewerbung sagen wolle. Doch Speitelsbach lieferte weder ein Wahlprogramm noch Angaben zu seiner Person oder Gründe für seine Bewerbung. Er behauptete lediglich, als Ingenieur gearbeitet zu haben und nun von Hartz IV zu leben: "Ich bin Bürgermeister auf Arbeitssuche."

Nach den ersten Minuten seines Auftretens verließen viele Zuhörer bereits die Halle. Es wurde lauter und unruhiger. Einige Zwischenrufe ertönten. Vor allem, als er fragte: "Wann bekommen wir unseren Führer zurück?" oder meinte: "Adolf Hitler war der einzige Politiker, der seine Wahlversprechen einhielt und auch das war nicht recht."

Speitelsbach setzte sein Schauspiel unverhohlen fort. Teilweise las er von seinem Ausdruck ab, den er sich so vor das Gesicht hielt, dass er für die Zuhörer nicht mehr zu sehen war. Dabei hatte er ein Buch von Karl Mai in der Hand. Zum Schluss seines Vortrags wurde er von den Zuhörern ausgebuht.

Aufgefordert zu gehen

15 Minuten gab es die Möglichkeit, um Fragen zu stellen. Sehr deutlich wurde ein Mann, der erklärte, kein gebürtiger Starzacher zu sein: "So etwas Unverschämtes wie sie brauchen wir nicht in Starzach. Sie haben nicht mit einem Satz gesagt, was sie für Starzach tun wollen!" Viel zustimmender Jubel ertönte. Zudem forderte er Speitelsbach auf, zu gehen, was ihm weitere, die sich zu Wort meldeten, gleich taten. Das Publikum war sichtlich ungehalten, eine Frau fragte, ob es sich hier um die versteckte Kamera handele. Weitere Wortmeldungen nutzten die Gelegenheit, um Speitelsbach zu verhöhnen. Ein Felldorfer hatte einen Tipp für Speitelsbach, der erklärt hatte, nur in die Politik gegangen zu sein, um eine Frau zu finden: "Versuchen Sie es doch über Parship!"

Ruckgaber, der die Vorstellung beendete, bedankte sich zum Schluss für die "Coolness", welche die Zuhörer bewiesen hätten.

Nichts mit Satire oder Spaß hatte der Auftritt von Samuel Speitelsbach zu tun. Der Bewerber für die Bürgermeisterwahl in Starzach verwirrte die Zuhörer bei der Kandidatenvorstellung mit seinem Vortrag, hatte keinerlei Wahlprogramm und empörte zudem mit rechtsextremen Tendenzen. 15 Minuten verschwendete er die Zeit der Zuhörer, die nach Wachendorf gekommen waren, um Inhalte zu hören. Er sendete dabei das deutliche Signal, dass ihm nichts an der bevorstehenden Bürgermeisterwahl liegt, betonte sogar dass es ihm "scheißegal" sei, ob er gewinne. Damit drückte er ebenfalls seine Gleichgütigkeit gegenüber den Starzacher Wählern aus, die sich Gedanken über die Zukunft ihrer Gemeinde machen. Gut, dass die Starzacher ihre Chance nutzten, um in der Fragerunde ihre Ablehnung gegenüber dem Dauerkandidaten zum Ausdruck zu bringen.

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