Eine Übung der Feuerwehr Sulzau vor ein paar Jahren: Die Starzacher Feuerwehren sind überzeugt, dass ein Standort für ihre Aufgaben nicht reicht. Archiv-Foto: Bieger Foto: Schwarzwälder Bote

Sicherheit: Investitionen stehen an / Gemeinde muss Haushalt konsolidieren / Bereits zwölf Einsätze dieses Jahr

Fünf Feuerwehrstandorte werden in Starzach auf Dauer kaum aufrechterhalten werden können. Das sieht Gesamtkommandant Simon Widemann ein. Nur noch einen Standort zu betreiben, funktioniert aus seiner Sicht nicht. Das hat er dem Gemeinderat vor kurzem deutlich zu verstehen gegeben (wir berichteten).

Starzach. Die Gesamtwehr hat derzeit 110 Aktive: Das seien genug Leute, um im Ernstfall ausrücken zu können, lässt Widemann keinen Zweifel an der Einsatzbereitschaft. "Standardeinsätze" seien ohnehin kein Problem. Bei Großbränden kommen, wie er erklärt, die Feuerwehren aus Hirrlingen und Rottenburg zu Hilfe. Oft sind es kleinere Vorkommnisse wie Türöffnungen oder die Beseitigungen von Ölspuren, die die Feuerwehrleute auf Trab halten. In Starzach mussten in diesem Jahr aber auch schon drei Flächenbrände, zwei in Felldorf, einer in Bierlingen, bekämpft werden. In diesem Winter wurde die Feuerwehr zudem zu zwei Verkehrsunfällen gleichzeitig gerufen: Der eine Unfallort war zwischen Börstingen und Bierlingen, der andere auf der Felldorfer Steige Richtung Mühringen. Hier habe es sich gezeigt, dass eine Feuerwehr für Starzach nicht ausreiche. Bei Sturm- oder Hochwasserereignissen kann es ebenfalls vorkommen, dass die Feuerwehr von einem Standort aus nicht so ohne Weiteres "von A nach B" gelangt.

Im vergangenen Jahr hatten die Starzacher Abteilungen insgesamt 27 und in diesem Jahr bereits zwölf Einsätze. Verkehrsunfälle nehmen tendenziell zu, ebenso Unwetter und damit die Hochwassergefahr vor allem im Tal. Von daher ist für ein Feuerwehrstandort "indiskutabel, auch wenn man sparen muss". Er betont: "Die Feuerwehr ist eine Pflichtaufgabe der Gemeinde."

Der Gesamtkommandant kann nicht darüber klagen, dass die Abteilungen vernachlässigt worden sind. "Es wurde in den vergangenen Jahren viel investiert. Da darf man nicht schimpfen", bestätigt er. Neue Investitionen stehen aber wieder an: Zwei Feuerwehrfahrzeuge für Börstingen und Wachendorf – sowie eine Wärmebildkamera und kleinere Gerätschaften, die Standard seien, müssten angeschafft werden. Die Feuerwehrhäuser sind in allen fünf Starzacher Ortsteilen zu klein und entsprechen nicht mehr den Anforderungen. In der Börstinger Garage könne kaum die Fahrzeugtür geöffnet werden. Eine Erweiterung sei allenfalls in Bierlingen möglich, in den anderen Ortschaften müsste neu gebaut werden. Noch gebe es keine Pläne, so Widemann. Die Fortschreibung des Feuerwehrbedarfsplans durch eine damit beauftragte Firma sei derzeit in Arbeit. Widemann rechnet mit der Fertigstellung Ende dieses Jahres. Bis dahin, appellierte er an den Gemeinderat, sollte mit einem Beschluss gewartet werden.

Die Gemeindeverwaltung schätzt die Kosten für die anstehenden Feuerwehrinvestitionen auf 3,8 Millionen Euro. Dass sie im Vorgriff auf den Bedarfsplan ohne Absprache mit den Kommandanten "aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten" die Eine-Standort-Lösung für die Zukunft favorisiert, hat in den Abteilungen für erhebliche Irritationen gesorgt. "Wir sind alle überrumpelt worden", sagt der Felldorfer Abteilungskommandant Fabian Weimer. Für ihn ist indes klar, dass nicht alle fünf Feuerwehrhäuser gehalten werden können. "Zwei Standorte wären in Ordnung", meint er.

Die Diskussion über eine Reduzierung ist nicht neu: Sie wurde bereits 2004/05 geführt, war allerdings, wie sich der frühere Bierlinger Kommandant Horst Erdmann erinnert, ein "heißes Eisen". Damals ging es nicht um die Konsolidierung des Gemeindehaushalts, sondern darum, dass die Abteilungswehren Felldorf und Wachendorf wegen Personalmangels "fast geschlossen werden mussten". Erdmann hat, wie er es schildert, dann nach einem Gespräch mit Bürgermeister Thomas Noé ein Konzept für die Neuorganisation der Starzacher Wehr vorgestellt. Dieses sah einen Standort auf der Höhe und einen im Tal vor. Er stieß mit seinem Vorschlag auf Ablehnung: Man habe ihn als "Brandstifter und Feuerwehrschließer" bezeichnet.

"Feuerwehrtechnisch machen zwei Standorte Sinn", beurteilt der Wachendorfer Kommandant Michael Eberhard mittlerweile die Situation. Das müsse einsatzstrategisch bewertet werden. Vor Entscheidungen sollte aber der Feuerwehrbedarfsplan abgewartet werden, unterstreicht er die Forderung des Gesamtkommandanten. Außerdem sollte man sich schon mal Gedanken über den Feuerwehrnachwuchs machen. Er weist darauf hin, dass in einer Abteilung die Kameradschaft eine wichtige Rolle spielt. Auch hätten alle Wachendorfer Aktiven mit ihrem Ort Berührungspunkte. So sei die Abteilung eingebunden ins Vereins- und Dorfgeschehen, beteilige sich am Weihnachtsmarkt in Wachendorf, am "Starzach-Fest", "Starzach-Lauf" oder veranstalte die "Hüttengaudi". Es wäre schade, wenn dies verloren ginge – und damit letztendlich das Interesse, sich in der Feuerwehr zu engagieren.

"Uns ist jeder Mann wichtig", sagt Widemann. Er hofft jedenfalls, dass von den derzeit 110 aktiven Feuerwehrmännern in Starzach 80 bis 90 Prozent auch künftig dabei sind. Es werde keine einfache Aufgabe der Führungskräfte sein, Überzeugungsarbeit zu leisten. Widemann ist jedoch optimistisch: Schon jetzt würden Übungen abteilungsübergreifend abgehalten. Das Miteinander und die Kameradschaft seien gut. Sein persönliches Ziel ist, wie er verrät, insgesamt 15 Jahre lang Starzach-Kommandant zu bleiben. Sieben Jahre fehlten ihm noch. Sein Traum sei, bis dahin wenigstens ein neues Feuerwehrhaus einweihen zu können.

Der Starzacher Gemeinderat hat einen Beschluss zur Standortfrage vertagt, bis der Feuerwehrbedarfsplan vorliegt.

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