Zur Osterzeit rückt ein Kultgetränk wieder in den Fokus: Eierlikör. Die Rottweiler Samuel und Marco Reiser trinken den leidenschaftlich gern, wissen aber auch um sein angestaubtes Image. Mit „Schwabengold“ soll der Klassiker zum Trendgetränk werden.
Viele kennen ihn vor allem von Besuchen bei der Oma – als eine Art Digestif oder als Zutat für einen Kuchen: Eierlikör. Auch die Reiser-Cousins, die ein Faible für das Getränk haben, allerdings bald feststellen mussten, dass es im Freundeskreis eher wenig Beachtung fand.
So machten sie es sich zur Mission, einen eigenen Eierlikör an den Start zu bringen, der schon allein durch seine Aufmachung auch Jüngere ansprechen soll. Was als „Spaßprojekt“ während des Lockdowns begann, wurde schnell ernst – auch weil der Aufwand erheblich höher war, als anfangs gedacht.
Zwei Jahre haltbar
Denn damit „Schwabengold“ auch als Eierlikör gilt, müssen einige Kriterien erfüllt sei, etwa, was die Haltbarkeit und die Zutaten angeht. So seien etwa die Menge des Eigelbs, die enthalten sein muss, sowie Zucker- und Alkoholgehalt vorgegeben.
Letzterer muss bei 14 bis 20 Prozent liegen. Dadurch sei der Eierlikör aber auch zwei Jahre haltbar – auch im angebrochenen Zustand und ohne im Kühlschrank gelagert werden zu müssen, sagt Samuel Reiser.
Charakteristischer Vanillegeschmack
Und natürlich ging es auch um den Geschmack. Alt und Jung, Männern und Frauen sollte es schmecken. Die Cousins haben dafür viel herumprobiert – mit verschiedenen Alkoholsorten und Vanillevariationen etwa. „Unsere Eltern mussten so einige Chargen verbacken“, erinnert sich Marco Reiser lachend.
Eine weitere Problematik war, Eigelb in großen Mengen herzubekommen, ohne das übrig gebliebene Eiweiß wegwerfen zu müssen. Die Reisers kaufen das reine Eigelb in Bio-Qualität nun pasteurisiert zu – ebenso wie die Vanilleschoten aus Madagaskar, die dem „Schwabengold“ seinen charakteristischen Geschmack geben.
Die muss einer der Cousins bei der Produktion übrigens mühsam von Hand ausschaben. Und sie sind nicht billig, aber das nehmen die Reisers zugunsten des Geschmacks in Kauf. „Uns war auch von Anfang an klar, dass wir preislich mit Konkurrenzprodukten im Discounter nicht mithalten können“, sagen sie. 350 Milliliter „Schwabengold“ kosten nun 14 Euro.
200 Flaschen an einem Produktionstag
Nach vielen Versuchen mit der heimischen Küchenmaschine war das richtige Rezept gefunden. Doch die nächste Herausforderung wartete schon: Mengen von 30 bis 50 Liter in einer vom Gesundheitsamt abgenommenen Küche zu produzieren. Die fanden sie in einer Rottweiler Nachbargemeinde.
An einem Tag produzieren die Cousins um die 200 Flaschen. „Die meiste Arbeit macht das abfüllen und etikettieren“, sagen sie. 2022 haben die Cousins ein Gewerbe angemeldet. Beide sind übrigens fachfremd. Samuel Reiser ist Produktionsplaner, Cousin Marco Unternehmensberater im Bereich Energiewirtschaft. Unterstützt werden sie im Backoffice noch von Marcos Bruder Silas.
Weitere Geschmacksrichtungen angedacht
Was die Flaschenform angeht, haben sich die Reisers an Gin orientiert. Bei Name und Etikett-Design war ihnen Regionalität und der Bezug zum Ausgangsprodukt Ei wichtig. Auf das, was letztlich aus einer fixen Idee entstanden ist, sind sie mächtig stolz. „Vielen schmeckt unser Schwabengold auch, obwohl sie eigentlich keinen Eierlikör mögen“, freut sich Samuel Reiser.
Für die Zukunft planen sie weitere Geschmacksrichtungen, wie Schokolade oder Mango. Dann werde es sich aber um einen Sahne- statt eines Eierlikörs handeln, erklären sie. Nun hoffen sie aber erst einmal, dass ihr „Schwabengold“ gut ankommt.
Der Eierlikör ist ab sofort und vorerst nur bei der Getränkehandlung Seeburger in Irslingen verfügbar. Weitere Info gibt es unter schwabengoldlikoer.de