Marc Weisser (links) und Mark Zenzinger mit vier Exemplaren ihrer unverwüstlichen Portemonnaies Foto: Martin Kistner

Zwei Absolventen der Hochschule Albstadt-Sigmaringen haben ein Start-up gegründet – und beweisen, dass auch Kunststoff nachhaltig sein kann.

Warum sich mit kleinen Fragen aufhalten, wenn große auf eine Antwort warten? Als Mark Zenzinger 2020 nach sechs Semestern Textil- und Bekleidungstechnologie an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen ein Thema für seine Bachelorarbeit suchte, beschloss er den Stier bei den Hörnern zu packen: Wie lässt sich in Deutschland wieder eine konkurrenzfähige Textilproduktion etablieren? Nichts weniger als das wollte er in seiner Studie klären.

 

Erfahrungsgemäß ändert sich mit mancher Antwort auch die Frage. Marc Zenzinger kam rasch zu dem Ergebnis, dass aufgrund der deutschen Lohnkosten der Automatisierungsgrad gar nicht hoch genug sein kann – damit fielen herkömmliche Textilien, die knittern, Falten werfen, schmiegsam sind, fürs Erste aus: Roboter sind manuell immer noch vergleichsweise unbegabt und kommen mit harten Gegenständen besser zurecht.

Die Portemonnaies lassen sich mit individuellen Prägungen versehen. Foto: Zenzinger

Außerdem wollte Marc Zenzinger etwas wirklich Nachhaltiges schaffen, und dieser Vorsatz vertrug sich mit dem Trend zur „Fast Fashion“ nur bedingt. Irgendwann, davon ist Zenzinger überzeugt, wird der an sein Ende kommen – aber nicht von heute und morgen.

Leder ist out – es lebe der Kunststoff

Hart, griffig, nachhaltig – was könnte das sein? Das Produkt, das Mark Zenzingers Prototyp einer Produktionsstraße am Ende ausspuckte, war klein, schwarz, viereckig, mehrlagig: ein Portemonnaie, im Zweifel für den Herrn, der nach wie vor der Hosentasche den Vorzug vor dem Herrentäschchen gibt. Was es von den marktgängigen Modellen unterscheidet: Es besteht nur aus einem einzigen Material, nämlich aus thermoplastischem Polyurethan (TPU). Kein Leder, kein Innenfutter aus Polyester – nur Kunststoff!

Und das soll umweltverträglich sein? Aber ja, versichern Mark Zenzinger und sein Kompagnon Mark Weisser – viele Wegwerfartikel lassen sich nur deshalb nicht recyceln, weil sie aus mehreren Verbundmaterialien bestehen: Jedes einzelne wäre oftmals wiederverwertbar, doch das Ensemble wandert in die Müllverbrennungsanlage. Das kann Zenzingers Portemonnaie nicht passieren, weil es aus reinsortigem TPU besteht. TPU ist extrem haltbar, nimmt keine Schweiß-Patina an, bleicht nicht aus und kann mindestens achtmal recycelt werden – Marc Weisser hat es in seiner Masterarbeit nachgewiesen.

Im Fokus stehen die Herren der Schöpfung

Seit knapp einem Jahr stellt die Firma „ZENZINGER– Made in Germany“ Portemonnaies in vier Größen her – eher kleinen Größen wohlgemerkt, die voluminöse Ausführung, für die Damenhandtaschen da sind, ist nicht dabei. Klein und anthrazitfarben – damit schrumpft die Zielgruppe zwangsläufig auf die männliche Hälfte der Menschheit; wenn Damen sich auf die Verkaufswebseite zenzinger.eu begeben, dann in aller Regel, weil sie ein Geschenk für den Partner suchen. Mit bunten Farben kann das Start-up, dem die Hochschule vorerst Förderung und Logis im Ebinger Haux-Gebäude gewährt, auch noch nicht aufwarten.

Immerhin, die Gravur, die im Angebot enthalten ist, gibt es in den Varianten Grau, Beige und Schwarz. Jedes Portemonnaie weist einen personalisierten IQ-Code auf, der unter anderem Auskunft über die Recycling-Generation gibt, der sein Material angehört. Außerdem kann der Kunde einen Zweizeiler eigener Wahl ordern, „Annette, die Amazone“ zum Beispiel oder „Finderlohn unter 0176 ....“ – alles schon dagewesen in nur elf Monaten.

Der Umsatz hängt vom Marketing ab

Bleibt eine schwäbische Frage: Läuft das Geschäft? Die Investitionskosten sind natürlich nach einem Jahr noch nicht eingespielt, und der Umsatz steht und fällt derzeit mit den Marketingaktivitäten im Internet. Die wollen „Mark und Marc“ jetzt, da die Produktion läuft, intensivieren – und dann auch die Angebotspalette erweitern, zum Beispiel auf Laptophüllen. Sie sind überzeugt: Ihren unverwüstlichen und beinahe unbegrenzt recycelbaren Produkten gehört die Zukunft. Und der Textilproduktion in Deutschland auch.