Das Team von Foresthub.ai in Aktion – eine komplette Woche hatten sich die drei Gründer freigenommen und die Plattform intensiv durchprogrammiert – ganz klassisch, nicht in der Garage, aber am heimischen Küchentisch. Foto: Marcus Rüb

Während andere KI entdecken, hat ein Villingen-Schwenninger eine Start-up-Vision: lernende KI-Agenten auf kleinsten Geräten – ohne Cloud und mit riesigem Potenzial.

In gewisser Weise ist die Künstliche Intelligenz für Marcus Rüb schon fast ein alter Hut. Während sich Otto Normalverbraucher noch hier und da durch die künstliche neue Welt klickt und erstaunliche Nutzen im Alltag für sich entdeckt, macht sich der Doppelstädter als Geschäftsführer eines Start-Ups auf, damit sein Geld zu verdienen. Richtiges Geld. Und wenn es gut läuft, sogar richtig viel Geld.

 

Marcus Rüb kennt die Künstliche Intelligenz im Grunde wie seine Westentasche – der KI-Experte widmete große Teile seines Studiums an der HFU Furtwangen dem Thema, promovierte mit einem einschlägigen Thema und sieht darin auch seine berufliche Zukunft. Gemeinsam mit seinen Co-Gründern Daniel Konegen und Daniel Novais – beide ebenfalls aus der Doppelstadt – hob der 29-jährige verheiratete Vater zweier kleiner Kinder (ein und vier Jahre alt) in Villingen-Schwenningen jetzt ein Unternehmen namens ForestHub.ai aus der Taufe. Wenn ihr Plan aufgeht, könnte es geeignet sein, Künstliche Intelligenz im Betriebsalltag vieler Unternehmer neu zu definieren.

IT-Freak durch und durch

Während er im Redaktionsbüro von seiner Erfindung berichtet, sprudeln die Fachbegriffe förmlich aus ihm heraus. Er spricht von KI-Agenten, Mikrocontrollern und Embedded-Codes.

Doch zurück auf Anfang: Als Marcus Rüb schon während des Studiums in das Wesen Künstlicher Intelligenz eingetaucht ist, da wurde ihm schnell klar: Während die großen Sprachmodelle mit Milliarden von Parametern normalerweise auf großen Rechenservern in aller Welt laufen, fehlt etwas Entscheidendes: „Die Fähigkeit ist ganz cool, aber wir brauchen das mal in klein“ – und zwar ohne riesigen Qualitätsverlust, trainierbar und sich fortentwickelnd. Sein Ziel: KI-Agenten direkt auf Mikrocontroller und kleine Edge-Geräte zu bringen – ohne wochenlange Programmierung, ohne Abhängigkeit von einer Cloud und absolut datenschutz- und EU AI-Act konform. Für ihn stand fest: Wenn das gelingt, dann könnte es der neue Hype sein. KI im Briefmarkenformat, gewissermaßen.

Von der Idee zum Prototypen

Es wurde geforscht, getüftelt, programmiert und codiert, was das Zeug hielt. Und es gelang: Der Prototyp ist fertig. Ein Tool, mit dem sich jeder nach einem Baukasten-Prinzip seinen KI-Agenten bauen kann – also ein Software-System, das seine Umgebung analysiert, anhand vorher festgelegter Fälle Entscheidungen trifft und Handlungen ausführt oder aufzeigt, welche Handlungen gerade notwendig sein könnten.

Viele Stunden Arbeit und ganz viel Erfindergeist flossen in die Start-up-Idee. Foto: Rüb

Und nun? Was bringt’s? Vom Unternehmer mit einer Produktion im Maschinenbau bis hin zum Bastler könnte jeder davon profitieren. Wie das im Firmenalltag konkret aussehen könnte, macht Marcus Rüb an einem Beispiel deutlich: Angenommen, die Maschine steht, nichts geht mehr, wäre da nicht ein intelligenter Servicetechniker auf dem Gerät Gold wert, der mit der Maschine „spricht“, sie fragt, wo das Problem liegt, sie durchcheckt und direkt aufzeigt, welches die nächsten Schritte sein könnten, damit das gute Stück wieder läuft?

Ohne langes Warten auf einen Techniker, ohne langwierige Fehlersuche? „Mit unserer Plattform können selbst kleine Geräte – vom Sensor bis zum Industrie-Controller – plötzlich Aufgaben übernehmen, die bisher nur große Computersysteme leisten konnten“, freut sich Rüb. Sie sind fähig, Anomalien zu erkennen, Prozesse zu automatisieren, Energie zu sparen, Geräte zu steuern „und sogar in Echtzeit miteinander zu kommunizieren“.

Investorensuche leicht gemacht

Die Idee also war geboren, der Prototyp stand, konnte sich im Use Case – also einem möglichen Anwendungsfall – im Sondermaschinenbau beweisen. Doch für ein echtes Unternehmen braucht es mehr: Kapital. Oder einen Investor. Da kam Marcus Rüb sein beruflicher Werdegang zupass – aus seiner Zeit als Mitarbeiter des Hahn-Schickard-Instituts in Villingen-Schwenningen kannte er sich nicht nur aus mit der Drittmittelakquise, er hatte auch das nötige Vitamin B: Er kennt Geschäftsführer der Branche, Entscheider, Kundige. Dreien stellte er seine Idee vor, alle drei bissen an. Für zwei – einen Schweizer und einen Stuttgarter, entschieden sich die drei Gründer schließlich.

Marcus Rüb stellt seine clevere Idee vor – sie mündete in ein Geschäftsmodell. Foto: Foresthub.ai

Die Investoren halten nun Anteile am im Oktober 2025 gegründeten Unternehmen. Und das junge Team von ForestHub.ai hat die Finanzierung zweier Vollzeit-Stellen von Daniel Konegen und Daniel Novais fürs Programmieren und Codieren für die Dauer von zwei Jahren in der Tasche – und die Aussicht auf Großes, denn im Raum steht ein Versprechen an die Unterstützer: „Bis dahin haben wir’s geschafft!“