Niko Schmidt (von links), Florian Reister und Max Rost freuen sich über ihr erstes verkauftes E-Auto. Foto: Peter Dunst

Ein gebrauchtes Auto zu kaufen oder zu verkaufen kann anstrengend sein. Besonders heikel wird es bei E-Autos. Das Start-up "Aampere" aus Unterhaugstett möchte dafür eine Plattform bieten. Und damit das Prozedere vereinfachen.

Bad Liebenzell-Unterhaugstett - Nach dem Studium direkt ein eigenes Unternehmen gründen? Davon träumen viele. Niko Schmidt, Florian Reister und Max Rost haben es getan. Seit Februar diesen Jahres gibt es "Aampere". "Elektroautos kaufen soll so einfach sein wie eine Pizza zu bestellen", meinen sie auf ihrer Homepage. Genau das wollen sie mit ihrem Start-up umsetzen.

 

Die Freunde Niko Schmidt und Florian Reister haben sich in der gemeinsam Schulzeit am Maria-von-Linden-Gymnasium (MvLG) in Stammheim kennengelernt. Schmidt studierte anschließend BWL sowie nachhaltige Unternehmensführung in Stuttgart und Ulm. Reister zog es an die TU nach München zum Fahrzeugtechnikstudium. Dort traf er den Maschinenbaustudent Max Rost.

"Ein Tal der Tränen"

Noch während des Studiums arbeiteten die drei an einer Online-Plattform, die einen sicheren Gebrauchtwagenkauf – inklusive digitaler Zahlung und digitalem Vertrag – ermöglichen sollte. "Wir haben uns aber zu viel mit dem Code beschäftigt", erinnert sich Schmidt. Als sie dann online ging, habe sich die Resonanz in Grenzen gehalten. "Keiner wollte es", stellt er fest. Man sei zu wenig auf die Kundenperspektive eingegangen. Es sei ein "Tal der Tränen" gewesen. Es schien so, als sei es vorbei, bevor es richtig angefangen hatte.

Dann aber haben sich die drei nochmals zusammengesetzt und überlegt. Das Thema E-Mobilität sei bei dem Projekt immer ein Ausblick gewesen – und in diesem Bereich gibt es kein einziges Angebot. Die drei hatten ihre Marktlücke gefunden.

Nach dem Studium haben sie im Februar dann "Aampere" gegründet, erzählt Schmidt. Eine sichere und einfache Plattform für den Kauf und Verkauf von gebrauchten E-Autos – das ist die Grundidee. "Wir haben uns mit Fragebögen und Klemmbrettern an Ladesäulen gestellt", erinnert sich Schmidt. Bei diesen Umfragen habe man erfahren, wie die Zielgruppe tickt.

Seit August online

Der herkömmliche Gebrauchtwagenmarkt werde von dieser Zielgruppe oft als unseriös wahrgenommen, erlebten die drei jungen Männer. Außerdem gebe es momentan unter den E-Autos vor allem Neuwagen. Die seien aber teuer. Und entsprechend wohlhabend sei der Käuferkreis. Für eine nachhaltige Mobilität brauche es aber mehr E-Autos. Gebrauchtwagen seien für die breite Masse also eine gute Option.

Die drei Gründer erstellten eine Homepage. Anfangs habe man dort nur seine Daten angeben können, um Interesse anzumelden. Die gute Resonanz habe sie auf ihrem Weg bestärkt, erzählt Schmidt. Am 22. August sei dann die richtige Website online gegangen. 15 gebrauchte E-Autos kann man dort aktuell kaufen. Vom Renault Zoe für knapp 15 500 Euro bis hin zum Jaguar I-Pace für knapp 65 000 Euro. Bei dem Renault spart man hier über 10 000 Euro im Vergleich zum Neupreis.

Herstellergarantie wichtig

Der Kauf läuft sehr einfach ab. Man klickt den Wagen im Shop an und bestellt ihn. "Aampere" meldet sich anschließend beim Verkäufer und koordiniert die Termine. Das Auto wird dann abgeholt, überprüft und zum Wunschtermin vor die eigene Haustür geliefert. Der Käufer zahlt erst, wenn das Auto da ist. Und zwar mittels Echtzeitüberweisung, betont Schmidt. Sobald der Verkäufer den Erhalt der Zahlung bestätigt, werden die Schlüssel übergeben.

Sie nehmen nur E-Autos in den Shop auf, bei denen die Herstellergarantie für die Batterie noch mindesten drei Jahre betrage, so Schmidt. Für die Verkäufer gebe es den Vorteil, dass sie nicht um den Preis handeln müssen, sondern einen Festpreis bekommen, zeigen die Jungunternehmer auf. Dafür nimmt "Aampere" eine Provision von fünf Prozent. Der Käufer müsse eine Gebühr von einmalig 990 Euro bezahlen. Diese sei in den Preisen im Shop aber schon enthalten.

Der große Vorteil sei jedoch, dass man schnell an ein E-Auto komme. Das sei wegen der Marktlage aktuell sonst sehr schwierig. Außerdem gebe "Aampere" eine Zufriedenheitsgarantie. Wer sein Auto nach dem Kauf doch nicht wolle, für den verkaufe es "Aampere" weiter – und zwar kostenlos.

Vor wenigen Tagen haben die drei nun ihr erstes Auto verkauft. Der Renault Zoe fand einen Käufer in Niedersachsen. Die Überführung des Wagens übernahmen die drei gleich selbst. Denn Mitarbeiter haben sie für so etwas noch nicht.

Viele Unterstützer notwendig

Seinen Sitz hat "Aampere" aktuell in Unterhaugstett. Hier wohnen Reisters Eltern. Die drei pendeln zwischen Ulm, München und dem Bad Liebenzeller Teilort. Viel Arbeit könne zwar aus dem Home-Office erledigt werden. Aber gemeinsame Treffen vor Ort seien nicht zu ersetzen.

"Aampere" ist mittlerweile eine GmbH. Investoren, vor allem aus der Tech- und E-Mobilitäts-Branche, sorgten für ein Startkapital von 100 000 Euro.

Man wolle sich nun ein Team aufbauen, das dabei helfe, ihre Vision von grüner Mobilität umzusetzen, erzählt Schmidt – und noch mehr Investoren finden. Ein richtiges Büro, vermutlich irgendwo im Stuttgarter Raum, sei ebenfalls ein Ziel. Und natürlich sollen noch mehr Autos auf der Plattform angeboten und verkauft werden. Schmidt schwebt zudem vor, dass es für den Kauf auf der "Aampere"-Homepage auch gleich passende Finanzierungsangebote gebe. "Wir wollen für jeden einen einfachen Zugang zur E-Mobilität", fasst er es zusammen.

Ob er sich die Gründung eines Start-ups noch einmal antun würde? Das bejaht Schmidt vehement. Zwar gebe es sehr viel Bürokratie. "Es wird einem nicht leicht gemacht", findet er. Man brauche viele Unterstützer mit viel Ahnung. Eigentlich sei eine Plug-and-Play-Lösung zur Start-up-Gründung notwendig. Also auf Gutdeutsch ein vereinfachtes Verfahren, ohne, dass viele Behördengänge nötig werden. Vielleicht ist das ja schon eine Idee für ein nächstes Start-Up.

Vorteile überwiegen

Die Vorteile der Gründung aber überwiegen, so Schmidt. Man sei selbst verantwortlich und könne selbstbestimmt arbeiten. Keiner rede einem rein. Sogar die Investoren hielten sich da zurück.

Dafür nehmen die drei sogar finanzielle Einbußen in Kauf. Denn mit ihren Abschlüssen könnten sie als Angestellte alle mehr verdienen, als sie sich selbst momentan als Gehalt zahlten. "Und wir würden uns trotzdem wieder so entscheiden", meint Schmidt abschließend.