Dem Steinacher Gemeinderat wurden Planungen vorgestellt, wie der Fluß zwischen ihrer Gemeinde und Biberach mittels verschiedener Maßnahmen revitalisiert werden soll.
Das Regierungspräsidium Freiburg plant, die Kinzig zwischen Steinach und Biberach ökologisch aufzuwerten. Theresa Goder und Lukas Hoffmann vom Landesbetrieb Gewässer stellten am Montagabend im Gemeinderat die Maßnahme vor. Die Kinzig soll in einem Bereich von 2,35 Kilometern zwischen Steinach und Biberach revitalisiert werden. Die „Wiederherstellung des guten, ökologischen Zustands“ sei durch die Europäische Wasserrahmenrichtlinie gesetzlich vorgeschrieben, schilderte Goder, bevor sie auf den geschichtlichen Hintergrund einging.
Vor der Begradigung im 19. und 20. Jahrhundert habe sich der Hauptstrom der Kinzig immer wieder verlagert, was nun durch das vorgegebene Flussbett nicht mehr möglich ist. „Ein Ökosystem wurde in ein technisches Bauwerk verändert“, betonte sie. Durch die vorgegebene, starre Form habe sich der Grund verfestigt,sodass es für Fische schwierig sei, Laichgruben zu bauen.
Abwechslungsreiche Flussstruktur biete besseren Lebensraum
Der Landesbetrieb Gewässer möchte die bestehenden Mängel an der Kinzig beheben und den ökologischen Zustand des Flusses langfristig verbessern. Dafür soll die natürliche Vielfalt im und am Wasser wiederhergestellt werden – denn eine abwechslungsreiche Flussstruktur biete besseren Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten. So sollen insbesondere Fischarten wie Lachs, Äsche, Bachforelle, Elritze, Nase, Barbe und Bachneunauge gefördert werden. Mit den geplanten Maßnahmen sollen neue, strukturreiche Lebensräume entstehen – unter anderem für heimische Fischarten, Kleinstlebewesen am Gewässergrund und Wasserpflanzen. Bereiche mit überströmtem Kies sollen vor allem als Laichplätze für Salmoniden dienen, ruhigere Zonen mit sandigem Boden gute Bedingungen für Arten wie das Bachneunauge und die Kleine Bachmuschel bieten.
Wie dies konkret erreicht werden soll, darauf ging Hoffmann näher ein. So sollen Steinbuhnen eingebracht werden, also niedrige Einbauten, die Strömungsveränderungen bewirken. Dadurch gebe es im Untergrund Substratveränderungen und es können sich Tiefenrinnen bilden. Darüber hinaus sollen auch große Steine und Wurzelstöcke, die gegen das Wegschwemmen gesichert werden, die Strömung umlenken und den Fluss ökologisch aufwerten. Änderungen gibt es auch teilweise an den Flussrändern, die bisher in Steine eingefasst sind. Hier soll dem Wasser an einigen Stellen die Möglichkeit gegeben werden, sich ins Ufer hineinzufräsen und Ausbuchtungen zu bilden.
Die Maßnahmen seien mit einem gewissen Aufstau des Wassers verbunden. Spundwände im Kinzigvorland sorgen für die notwendige Absicherung, sodass auch der Hochwasserschutz weiterhin gewährleistet sei. Änderungen soll es auch im Mündungsbereich des Niederbachs in die Kinzig geben, wo Bachmuschel-Vorkommen registriert sind. Bisher gebe es hier einen Absturz, der von Fischen nicht passiert werden könne. Fische dienen den Muscheln als Wirte und seien erforderlich für deren Verbreitung, deshalb soll diese Stelle für Fische passierbar gemacht werden. Der Zeitplan sieht zunächst die Ausführungsplanung vor.
Die Flussströmung soll umgelenkt werden
Der Bau sei für die Folgejahre vorgesehen, „aber nicht vor Mai 2027“, betonte Hoffmann. Er gehe davon aus, dass ein Sommer reichen wird, um die Maßnahmen umzusetzen. Die Kosten für die Umgestaltung dieses Kinzig-Abschnitts werden sich laut Hoffmann auf rund 2,6 Millionen Euro belaufen, wobei fast 800 000 Euro allein für die Spundwände aufgewendet werden müssen. Bei den Gemeinderäten stieß das Vorhaben durchweg auf große Zustimmung. Xaver Rockenstein (FWV) äußerte lediglich sein Unverständnis darüber, dass für diese Maßnahme, die der ökologischen Aufwertung dient, ein naturschutzrechtlicher Ausgleich erforderlich wird. „Wir müssen den baulichen Eingriff ausgleichen, auch wenn es insgesamt eine Verbesserung ist“, erklärte Goder. Konkret gehe es darum, die Verluste von FFH-Mähwiesen auszugleichen.
Begradigung der Kinzig
Die Kinzig im Schwarzwald wurde ab Anfang des 19. Jahrhunderts begradigt und eingedeicht, um den Fluss als Transportweg für die Holzflößerei nutzbar zu machen, Hochwasserschutz für Anlieger zu gewährleisten und Auenland in Ackerfläche umzuwandeln. Dieser Ausbau verwandelte den einst dynamischen Wildfluss in ein strukturarmes, gerades Gewässer.