Gutachten stellen die Risiken für Stetten und Boll dar, Karten zeigen die Gefahren. Die Stadt plant Maßnahmen, doch auch Eigentümer sind aufgerufen, privat Vorsorge zu treffen.
Das Land Baden-Württemberg fördert Kommunen, die sich auf Hochwasser vorbereiten. Die präventiven Maßnahmen beginnen mit Gutachten, die verschieden stark ausgeprägte Wetterlagen simulieren. Aus diesen Karten geht hervor, welche Grundstücke gefährdet sind. Die Ergebnisse der Gutachter liegen für die Hechinger Teilorte Stetten und Boll nun vor, und sie werden während einer gemeinsamen Sitzung der beiden Ortschaftsräte an diesem Dienstagabend in Boll vorgestellt (siehe Infokasten).
Kein „absoluter Schutz“
In der Waagschale liegt bei den Risikokarten sicher, dass sie auf Berechnungen basieren, die die Realität nicht zwingend vollständig abbilden müssen. Das zeigte sich während des verheerenden Hochwassers in Bisingen vom Mai 2024. Die Nachbargemeinde war einer der Vorreiter beim „Starkregenrisikomanagement“. In der Vorlage für die Ortschaftsratssitzung heißt es dementsprechend: „Ein absoluter Schutz vor Starkregenauswirkungen ist selbst bei größten Bemühungen nicht möglich.“
Bürger-Info geplant
Die Karten geben einen Überblick möglicher Auswirkungen. Offiziell gibt es für private Eigentümer eine Pflicht, präventiv tätig zu werden. In der Sitzungsvorlage heißt es dazu: „Auch ist der Schutz vor Schäden durch Starkregenereignisse keine alleinige Aufgabe der Gemeinde. Nach dem Wasserhaushaltsgesetz (§ 5 Abs. 2 WHG) ist jede potenziell vom Hochwasser betroffene Person im Rahmen des ihr Möglichen und Zumutbaren verpflichtet, geeignete Vorsorgemaßnahmen zu treffen“ – gefragt sind also auch die Eigentümer.
Durch eine hinreichende Sensibilisierung der Bevölkerung soll demnach eine Vorsorge zur Verringerung des Schadenspotentials getroffen werden. Die Gemeinde sei dazu „verpflichtet, Bürgerinnen und Bürger, öffentliche Institutionen, Industrie- und Gewerbebetriebe sowie die Land- und Forstwirtschaft über Gefahren, Risiken und Pflichten in Sachen Hochwasser und Vorsorge aufzuklären“. Die Sitzungsvorlage kündigt deshalb unter anderem eine Info-Veranstaltung für die Bevölkerung der Teilorte Stetten und Boll an, in der die Ergebnisse des Starkregenrisikomanagements vorgestellt werden.
Prioritätenliste abarbeiten
Auf der anderen Seite ist auch die öffentliche Hand bereits tätig geworden. Bauliche Maßnahmen, die an städtischen Objekten durchzuführen sind, werden, wie es in der Sitzungsvorlage heißt, „sukzessive laut der Prioritätenliste abgearbeitet“. Der Maßnahmenkatalog der Stadt Hechingen beinhalte demnach unter anderem die Optimierung von Einläufen an Bächen, Aufdimensionierung von Verdolungen, Herstellung von Gräben als Notwasserweg oder als Ableitungsgraben, Schaffung von Leitdämmen und Kleinrückhalteräumen, Erneuerung und Optimierung von Rechen an Einläufen.
Die betroffenen Bereiche
Welche Bereiche in Stetten und in Boll besonders betroffen wären, ist abhängig von der künftig möglichen Wetterlage. In Stetten wären die Bereiche entlang Brühl- und Kreuzwiesenbach gefährdet. Betroffen wären aber teilweise auch die Bereiche Kloster-, Kreuzwiesen-, Erlen- und Zollerstraße.
In Boll sind es Jahn-, Blumen- und Weißkreuzstraße. Aus den Gefahrenkarten geht auch hervor, dass der Bereich rund um den Zellerbach gefährdet wäre, ebenso wie Teile der Semdachstraße.