Mit den neuesten Erkenntnissen aus den Untersuchungen im Rahmen des Starkregenrisikomanagements in der Gemeinde Bösingen hat sich der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung befasst.
Beim Thema Starkregen sind die Bürger der Gesamtgemeinde hochgradig sensibilisiert. Verständlich. Denn: Die Bürgerschaft erinnert sich noch an die Starkregenereignisse der vergangenen Jahre mit verheerenden Auswirkungen.
Ein schweres Unwetter hatte den Ortsteil Bösingen am 28. Juni 2021 mit voller Wucht getroffen – und das Ortsbild innerhalb kürzester Zeit dramatisch verändert. Die Hauptstraße war stellenweise bis zu einem Meter unter Wasser gestanden.
Heftiger Starkregen, begleitet von Hagelschauern, hatte Straßen zu reißenden Bächen und tieferliegende Flächen in eine Seenlandschaft verwandelt. Innerhalb weniger Minuten waren zahlreiche Keller vollgelaufen. Gullys konnten die Wassermengen nicht mehr aufnehmen.
Der Ortsteil Herrenzimmern war zwei Jahre später von einem Starkregen heimgesucht worden. Dieser hatte zu Überschwemmungen und vollen Keller geführt und die Schwächen der Kanalisation deutlich offenbart.
Schutz und Vorsorge
Diese Wetterereignisse haben viele Bösinger Bürger aufgeschreckt. Die Sorge, dass solche Extremwetterlagen künftig häufiger auftreten könnten, ist vorhanden. Entsprechend groß ist der Wunsch nach mehr Schutz und Vorsorge. Gemeinderat und Verwaltung nehmen die Lage ernst.
Schon vor längerer Zeit wurde ein Masterplan Entwässerung erarbeitet und ein Starkregenmanagement eingeführt. Ingenieur Markus Heberle vom gleichnamigen Büro für Wasserwirtschaft und Siedlungsentwässerung aus Rottenburg stellte jüngst die Ergebnisse aus den Gefährdungs- und Risikoanalysen sowie ein darauf aufbauendes Handlungskonzept für den Umgang mit Starkregenereignissen in der Gemeinde vor.
Zur Kenntnis genommen
Die Untersuchung zeigt auf, welche Bereiche im Gemeindegebiet besonders betroffen sein können und welche Maßnahmen zur Schadensreduzierung geeignet sind. Der Gemeinderat nahm sowohl die Analyse als auch das Handlungskonzept zustimmend zur Kenntnis und beauftragte die Verwaltung mit der schrittweisen Umsetzung.
Kommunale bauliche Maßnahmen sollen dabei „im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten“ realisiert werden. Grundlagen sind die Untersuchungsergebnisse im Rahmen der Eigenkontrollverordnung (EKVO) sowie der bestehende Entwässerungsmasterplan.
Erst die Klassen 0 und 1
Die massivsten Schäden wolle man als nächstes angehen, verkündete Bürgermeister Peter Schuster. Der Schwerpunkt liege auf der Abarbeitung von im Zuge der Eigenkontrollverordnung festgestellten Schäden der Klassen 0 und 1. Notwendige Sanierungsmaßnahmen am Kanalnetz würden auch im Zuge der Bauarbeiten für die neue Druckleitung (Verbindung der Kläranlagen) umgesetzt.
Explizit genannt wurden die Talstraße und die Graf-Wilhelm-Straße im Ortsteil Herrenzimmern. Der Schultes erwähnte ebenso die Kanalsituation vor der Bösinger Kläranlage. Eine „Bypass“-Lösung (zusätzliche Umgehung) soll dort für Sicherheit sorgen.
Informationen am 9. Juni
Um die Bevölkerung einzubeziehen, ist am Dienstag, 9. Juni, eine Informationsveranstaltung für die gesamte Einwohnerschaft im Herrenzimmerner Bürgersaal geplant. Dort sollen die Ergebnisse der breiten Öffentlichkeit vorgestellt und Hinweise zum privaten Objektschutz gegeben werden. Vertreter der Ingenieurbüros Gfrörer (Empfingen) und Heberle werden dabei sein.