In Schömberg gibt es neuerdings Landkarten, die die Starkregengefahr aufzeigen. Das Starkregenrisikomanagement spielt sich in der Vorsorge ab, war im Gemeinderat zu erfahren.
Überschwemmte Garagen und ein Keller in Oberlengenhardt, ein großes Unwetter in Schömberg und im benachbarten Unterreichenbach: Auch in der Glücksgemeinde kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Überschwemmungen nach Starkregen. Wie groß die Gefahr wo in Schömberg und seinen Ortsteilen ist, das ist neuerdings in Starkregengefahrenkarten ersichtlich. Zu finden ist diese auf der Internetseite der Gemeinde. Noch ausführlicher befasste sich der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung mit dem Thema.
Das Starkregenrisikomanagement spielt sich in der Vorsorge ab, erklärte Moritz Wagner vom Büro Fichtner Water & Transportation. Er sprach von einem „umfangreichen Projekt“, für das sich Schömberg und Unterreichenbach zusammengetan haben. Ziel sei es zu erkennen, wo Bereiche bei Starkregen gefährdet sind.
Definitionen Regnet es in kurzer Zeit lokal begrenzt und intensiv, ist die Rede von Starkregen. Bei einem seltenen Starkregenereignis fallen 37 Meter Niederschlag pro Quadratmeter in einer Stunde, solch ein Ereignis kommt statistisch einmal in 30 Jahren vor. Bei einem außergewöhnlichen sind es 57 Liter, mit solch einem Ereignis ist nur alle 100 Jahre zu rechnen. Und bei einem extremen Starkregenereignis fallen 127 Liter Niederschlag pro Quadratmeter in einer Stunde. Solche Ereignisse treten vor allem in den Sommermonaten auf und haben oft zur Folge, dass die Kanalisation überlastet ist.
Wasser muss langsam in den Kanal fließen
Ziel Wer weiß, welche Bereiche bei Starkregen besonders gefährdet sind, der kann Vorsorge treffen, um Schlimmeres zu verhindern, erläuterte Wagner. Bei solchen Ereignissen gehe es darum, dafür zu sorgen, dass das Wasser langsam in die Kanalisation fließe.
Dies etwa, indem gefährdete Bereiche nicht bebaut werden, indem es es Rückhaltemöglichkeiten gibt oder Verwallungen. Außerdem ist es wichtig, dass ein kommunales Krisenmanagement für solche Katastrophenfälle vorhanden ist.
Genauso wichtig sind für Moritz Wagner die neuen Starkregengefahrenkarten – damit „man immer wieder in Erinnerung ruft: Es gibt Starkregenereignisse, davor kann man sich schützen“.
„Absoluter Schutz ist nicht nötig“
Empfehlung „Ein absoluter Schutz ist nicht nötig“, sagte Wagner. Trotzdem können Bürger Vorsorge treffen, um den Schaden durch mögliche Überschwemmungen immerhin zu verringern. Ein Blick auf die neuen Karten ist da genauso nützlich wie auf die gängigen Warnapps wie Nina oder Biwapp oder eine Gebäudeversicherung, die auch bei Überschwemmungen greift. Neben dem Informieren und Vorsorgen nannte er als dritten Punkt das Handeln. Wer weiß, was bei Hochwasser zu tun ist, der kann sich schützen: etwa indem er in seinem Haus den Strom abschaltet, bevor er einen vollgelaufenen Keller betritt. Eine weitere Gefahrenquelle dort: Dass sich die Kellertür von innen nicht mehr öffnen lässt. Außerdem sollten Hauseigentümer Schwachstellen am Gebäude, wo leicht Wasser eindringen kann, ausmachen.
Anmerkung Bürgermeister Matthias Leyn merkte an, dass es zu dem Thema eventuell im zweiten Quartal eine Infoveranstaltung geben könnte. Gemeinderat Tino Bayer (MUZ) meinte: „Wir können uns alle an 1999 erinnern.“ Damals hatten sich zwei Gewitterfronten über Schömberg und Unterreichenbach entladen und Eulen- und Reichenbach wurden zum reißenden Strom. Er wolle gerne Vorsorge treffen, sagt Bayer. Aber: „Wer soll das bezahlen?“
Wagner entgegnete, oft gehe es um zehn bis 20 Zentimeter Fließtiefe. Dagegen könne man sich leicht schützen. Das müsse auch noch die Kommune leisten. Bürgermeister Leyn fügte hinzu: „Es geht eher ums Bewusstsein.“
Weitere Informationen zum Hochwasserschutz finden Interessierte im Internet unter www.hochwasser-pass.info.