Der Damm (links im Bild) am Ende des Wildbader Wegs besticht nicht unbedingt mit Höhe, aber mit sattem Grün. Foto: Menzler

Nach mehr als zwei Jahren Arbeit, präsentierte Ingenieur Markus Heberle das Starkregenrisikomanagement in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Nun geht es für die Gemeinde Neuweiler an die Planung und Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen.

Neuweiler - Als am 31. Juli 2018 sogar ganze Keller in Neuweiler unter Wasser standen, war eines klar: Die Gemeinde benötigt Schutz vor Starkregen. In der Gemeinderatssitzung am 9. Oktober 2018 wurde demnach beschlossen, ein Starkregenrisikomanagement für den Ortsteil Neuweiler zu entwickeln. Diese Aufgabe wurde einst dem Ingenieurbüro Heberle aus Rottenburg am Neckar übertragen.

In der jüngsten Gemeinderatssitzung in Neuweiler stellte Markus Heberle nun die Projektergebnisse und Maßnahmenvorschläge vor. Mit einer ausführlichen Präsentation im Gepäck, Animationen eines Starkregenereignisse und erarbeiteten Starkregengefahrenkarten informierte er die Gemeinderäte über die Situation im Ort.

Mehr als zwei Jahre lang besichtigte das Projektteam des Ingenieurbüros den Ort, rechnete Niederschlagsmengen aus, modellierte Starkregenereignisse und vieles mehr. Im Rahmen der Risikoanalyse hielt das Projektteam einen Workshop am 11. November 2020 in Neuweiler ab. Dazu wurden unter anderem die Freiwillige Feuerwehr Neuweiler und der Bauhof eingeladen. "Wir versuchen die Menschen zusammenzubekommen, die bei so einem Ereignis draußen sind, helfen und auch putzen", erklärte Heberle auf die Frage von Gemeinderat Jonathan Stockinger, warum nicht auch die Räte daran teilnahmen.

Die Analyse der Überflutungsgefährdung wird in drei Starkregenszenarien unterteilt. Dabei sei die Menge an Effektiv-Niederschlag ausschlaggebend, wie Heberle erklärte. Die entstehenden Starkregengefahrenkarten stellen allerdings kein reales Ereignis dar, sondern zeigen nur mögliche Gefahren auf.

Informationsvorsorge ist von großer Bedeutung

Zwei Animationen für Neuweiler verdeutlichten den Gemeinderäten, wie das Wasser während eines Starkregenereignisses fließt und an welchen Stellen es zu Gefahren kommen könnte.

"Aus der anschließenden Risikoanalyse ergaben sich fünf Objekte beziehungsweise Bereiche, die besonders gefährdet sind", führte Heberle aus. Diese sind in fünf Kurzsteckbriefen festgehalten und werden den Räten auf Anfrage zugesendet.

Anschließend entwickelte das Ingenieurbüro ein Handlungskonzept für die Gemeinde Neuweiler. Dieses umfasst vor allem die Informationsvorsorge der Bürger, gewerblicher Betriebe sowie der Land- und Forstwirtschaft, die Aufnahme von Überschwemmungsflächen in Nutzungs- oder Bebauungspläne und außerdem die Umsetzung baulicher Maßnahmen.

Heberle sprach in seiner Präsentation besonders sechs Vorschläge an, die in zukünftiger Planung umgesetzt werden können, um die Schäden durch Starkregen zu vermindern. Darunter zählen die Optimierung der Einlaufbauwerke und der Einbau von diversen Rechen an allen Gräben sowie dem Ausbau derer zur Ableitung von Wasser, das von außerhalb des Orts in selbigen eindringt.

Der Ingenieur empfiehlt außerdem einen Verklausungsschutz an der Teinachverdolung sowie eine Optimierung dieses Zulaufes und den Einbau von Querrinnen und Bergeinläufen an überfluteten Straßen. Zudem soll ein Damm im Wildbader Weg dem zuströmenden Wasser die Geschwindigkeit nehmen. Dieser Damm wurde bereits am Ende des Wildbader Wegs aufgeschüttet. Besonders wichtig ist neben den Maßnahmen vonseiten der Gemeinde, auch die private Eigenvorsorge der Bürger. Durch Informationsveranstaltungen und dem Veröffentlichen der Gefahrenkarten solle jeder ein Auge auf die Situation haben, mahnte Heberle.

Gemeinderäte äußern teils Bedenken

Im Anschluss an die Präsentation Heberles konnten die Gemeinderäte nochmals ihre offenen Fragen loswerden. Gemeinderätin Doris Hammann stellte gleich mehrere Sachen klar. "Dass Gräben freigehalten werden müssen ist klar, aber nicht nur von den Bürgern, auch von der Gemeinde." Zudem hatte sie Bedenken gegenüber einem Dammvorschlag östlich des Friedhofswegs mit größerem Graben: "Wie soll dieser umsetzbar sein?", fragte sie. "Der Damm wird lediglich eine leichte Verdammung mit Böschungen, kaum zu sehen", erklärte Heberle. Die Gemeinde müsse natürlich erst planen und alles dazu klären. "Wir machen nur die Vorschläge", betonte Heberle.

Zudem sei eine vorgeschlagene Querbewirtung der östlichen Äcker sehr bedenklich, merkte Hammann an: "Wie motiviert man einen Landwirt zu so etwas?" "Ganz klar: Abstimmung", meinte der Ingenieur. "Da muss auch eventuell mit Entschädigung geplant werden. Aber da sei die Unterstützung durch das Landratsamt vorhanden. Stockinger hatte schon das Handy gezückt und seine Kartenapp angeworfen: "Nur als Randinformation: An dieser Stelle wird kein Landwirt quer bewirtschaften." Denn die Äcker seien nicht gleich lang wie breit.

Im Hermann-Hesse-Weg gibt es den Vorschlag, den Graben zu erweitern. "Wann wird dort etwas passieren? Wie sieht die Umsetzung allgemein aus?", wollte abermals Hammann wissen. Heberle betonte, dass die meisten Vorschläge auf der Karte recht klein und schnell umsetzbar seien. "Es muss aber auch mit dem Landratsamt besprochen werden. Zudem besteht die Förderung von 70 Prozent durch das Land", versicherte der Ingenieur. Die Förderung kommt durch den Leitfaden "Kommunales Starkregenmanagement in Baden-Württemberg der Landesanstalt für Umwelt". Wann genau welche Maßnahme und in welcher Geschwindigkeit die Vorschläge umgesetzt werden, stehe aber noch nicht fest.

Nun heißt es für die Gemeinde: Ran an die Planung. Es wird über die Vorschläge beraten, welche auch wann umsetzbar sind und ob ein Starkregenrisikomanagement auch in anderen Ortsteilen sinnvoll wäre.