Ein Hochwasser-Bild aus Mühringen in diesem Jahr – wird die Lage bald besser? Foto: Florian Ganswind

Das Rathaus stellt die Planung für den Hochwasserschutz in Mühringen vor. Warum die Eyach jetzt zur Aue wird und das Rathaus ein riesiges Bagger-Glück hatte.

Da hatte das Rathaus mal ein wirklich glückliches Händchen. Nach jahrelangem Hin- und Her liegt jetzt eine Lösung für den Hochwasserschutz von Mühringen vor. Die Eyach wird verlegt und zur Aue. Der Mühlkanal schützt jetzt vor Starkregen.

 

OB Peter Rosenberger (CDU) sagt: „Weil das Land den Hochwasserschutz in Mühringen bei der Umsetzung ziemlich nach hinten geschoben hatte, hatten wir wenig Hoffnung. Wir haben das Projekt dann an uns gerissen und gesagt: „Wir planen für das Land. Und sind dankbar, dass das Land mit uns gegangen ist.“ Deshalb habe man jetzt nicht nur eine schnellere, günstigere und bessere Lösung als ursprünglich angedacht. Nachteil: Jetzt hat Horb 30 Prozent der Baukosten zu tragen.

Dabei hat Horb ein glückliches Händchen gehabt. Bürgermeister Ralph Zimmermann (FDP), dessen Vorgänger Jan Zeitler (SPD, inzwischen OB Überlingen) schon für den Hochwasserschutz gekämpft hatte, sagt: „Die letzten Planungen hatten Spundwände und aufwendige Anlagen vorgesehen. In der Zwischenzeit kamen Grundstücke und Anlagen auf den Markt, die wir einfach mit Zustimmung des Gemeinderats gekauft haben. Ohne zu wissen,ob diese Grundstücke wirklich nützlich für den Hochwasserschutz sind.“

Dazu gehört der Mühlkanal und die Sprudelfabrik. Denn: Durch den Kauf des Mühlkanals und der dazugehörigen Wasserrechte ist ein ganz neuer, günstiger Hochwasserschutz in Mühringen möglich.

Thomas Hellener, Fachbereichsleiter technische Betriebe, sagt: „Eigentlich waren Spundwände am Eisenbahndamm vorgesehen. Das hätte das Problem von Mühringen beim Hochwasser aber nur mit einem hohen baulichen und technischen Aufwand gelöst.“

Das wäre so, als ob man eine Festung verteidigen will, die an der Seite Ein- und Ausgänge für den Lieferando-Essenslieferdienst für die Kämpfer hat. Weil durch den Mühlkanal das Hochwasser Starkregen droht, hinter den Damm zu laufen.

Jetzt kann die Eyach sogar zur Aue werden Hellener sagt: „Jetzt können wir den ehemaligen Mühlkanal völlig abtrennen. Er wird gefüllt und bekommt ein Abwasserrohr. In diesem Abwasserrohr wird einmal das Oberflächenwasser der Mühringer Bäche bachaufwärts gesammelt – auch bei Starkregen. Das wird dann in Fällen von Starkregen per Pumpe vor dem eigentlichen Damm dann in die Eyach befördert.“

Der eigentliche Damm: Keine Spundwände mehr, sondern ein Erddamm mit der erforderlichen 3,45 Meter Höhe ab Pegelstand normal in der Eyach. Er wird ungefähr 500 Meter lang und zwischen 80 Zentimeter und 1,50 Meter hoch.

Diese Erddammkonstruktion ist nicht nur günstiger. Sie ist nur möglich, weil die Eyach verlegt wird – in eine Kurvenform, die zwischen 14 und 40 Meter zwischen dem jetzigen Flussbett liegt. Hellener sagt: „Das Planungsbüro hat sogar noch eine Flutrinne vorgeschlagen, was die Auendynamik erhöht. Schon an diesen Worten kann man erahnen, dass durch die Neuplanung für die Mühringer ein neuer Landschaftsteil entsteht, der nicht nur den ökologischen, sondern auch den Naherholungswert erhöht.“

Dazu hat das Rathaus auch noch Baggerglück gehabt. Thomas Hellener sagt: „Beim Starkregen und Hochwasser am 1. Juni in Mühringen hatte sich jede Menge Treibholz im Wehr verfangen. Wir haben das mit dem Bagger entfernt.“

Bürgermeister Zimmermann meint: „Eigentlich hatten wir keine Genehmigung, das Wehr und die Betonkonstruktion abzureißen. Der Bagger vor Ort hat allerdings das Betonfundament beschädigt. Als Ortspolizeibehörde haben wir dann entschieden: Aufgrund der Verkehrssicherungspflicht reißen wir die beschädigten Teile gleich weg.“

Kaum ist das Wehr weg, läuft es besser Das Ergebnis: Seitdem ist das Hindernis des Wehr ganz weg. Fachbereichsleiter Thomas Hellener wirft ein Foto nach dem Starkregen in Mühringen vom 6. September an die Wand – ein Tag nach dem Hochwasseralarm. Zu sehen: Die Eyach fließt zwar breiter als sonst, aber ohne Probleme. Der sichtbare Beleg und Indiz, dass die angedachte Planung für den Hochwasserschutz funktioniert. Hellener sagt: „Kein Treibgut bleibt mehr hängen. Die Durchgängigkeit der Eyach ist viel besser.“

Hellener: „Wir haben schon die artenschutzrechtlichen und naturschutzrechtlichen Gutachten begonnen. Wir wollen die Planungen bis spätestens Ende Dezember so weit haben, dass das Planfeststellungsverfahren beginnen kann. Parallel werden wir die Werk- und Ausführungsplanungen beginnen, um so schnell wie möglich mit dem Bau des Hochwasserschutzes in Mühringen beginnen zu können.“ Die Planfeststellung, so vorsichtige Schätzungen, dauert ein Jahr. Es könnte also sein, dass der Bau des Hochwasserschutzes in Mühringen in zwei Jahren beginnt oder mit viel Glück sogar schon fertig ist.

Wie teuer wird der neue Hochwasserschutz? Im VTA wollen Anton Ade (FD/FW) und Winfried Asprion (OGL) wissen, wie teuer der Hochwasserschutz für Mühringen wird. Markus Heberle, Hochwasser- und Starkregenspezialist vom gleichnamigen Büro aus Rottenburg: „Verlässliche Zahlen haben wir derzeit noch nicht.“ OB Peter Rosenberger (CDU) kündigte an, dass die konkreten Pläne bald den Mühringern bei einer Bürgerinformationsveranstaltung vorgestellt werden.

Und was ist mit der alten Sprudelfabrik in Mühringen? Bürgermeister Zimmermann: „Wir konnten sie erwerben. Es gibt keine Pläne oder Beschlüsse, sie abzureißen, um die Eyach oder das mögliche Überflutungsgebiet dort anders zu gestalten. Mit dem Kauf können wir aber die Verschmutzungsgefahr durch Altautos oder Altöl bei Hochwasser-Ereignissen verhindern. Darunter sind auch Mineralquellen.“