Der frühere Fußball-Profi und heutige Sportfunktionär Stefan Kuntz bei seinem Vortrag in Rottenburg Foto: Peter Morlok

Die Volksbank in der Region holte den früheren Fußballprofi und heutigen Sportfunktionär Stefan Kuntz als Stargast nach Rottenburg.

Es gibt sogenannte Keynote-Speaker, meist aus Sport, Politik oder Showbiz, die ihre Zuhörer für kurze Zeit mit in ihre Welt nehmen. Der frühere Fußballprofi und heutige Sportfunktionär Stefan Kuntz ist laut seiner Agentur sogar ein Fünf-Sterne-Hauptredner und die Agentur verspricht: „Wer Stefan Kuntz als Keynote-Speaker bucht, holt sich einen echten Leader auf die Bühne – mit Charisma, Erfahrung und einer Botschaft, die begeistert und bewegt“. Die Volksbank in der Region nutzte dieses Angebot und holte Kuntz als Stargast für ihr diesjähriges Mitgliederforum auf die Bühne der Rottenburger Stadthalle, die nahezu voll besetzt war.

 

Bericht über die Erfolge der Bank Bevor der Mann, der derzeit als Vorstand des Hamburger SV aktiv ist, auf die Bühne ging, begrüßte Co-Vorstandsprecher Thomas Bierfreund die anwesenden Mitglieder der genossenschaftlichen Bank. Er berichtete kurz über die Erfolge der Bank, die in sechs Regionen mit ebenso vielen Hauptstellen, sowie 18 Filialen und 37 SB-Filialen (davon 11 in SB-Kooperation) mit rund 630 Mitarbeitenden 174.000 Kunden betreut und eine Bilanzsumme von 4,9 Milliarden Euro aufweist, die als Kredite wieder überwiegend in die Region zurückfließen.

Bierfreund, ein bekennender VfB-Fan, erinnerte mit einem Video-Clip an seinen ersten Besuch eines Auswärtsspieles seines Clubs. Ein Spiel, das ausgerechnet auf dem Betzenberg in Kaiserslautern stattfand und der Mann des Tages, der zwei Tore zum 5:0 der Roten Teufel gegen die Stuttgarter beitrug, war eben der Stargast des Abends, Stefan Kuntz.

Er spricht gerne Dialekt Gut gelaunt, mit frischem Haarschnitt, den er sich nachmittags in einem Rottenburger Geschäft gönnte, wie er erzählte, kam er im dunklen Businessanzug und Adidas-Turnschuhen auf die Bühne und freute sich, dass er hier Dialekt sprechen durfte. Er als Saarländer – nicht Pfälzer, wie fälschlicherweise gesagt wurde – sei es eben gewohnt, Dialekt zu sprechen, gab er sich leutselig und volksnah.

Vorstand und VfB-Fan Thomas Bierfreund begrüßte die anwesenden Mitglieder. Foto: Peter Morlok

Um die erste Berührungshürde zu überspringen, erzählte er, dass seine Oma, die er im Laufe seines einstündigen Vortrags immer wieder zu Wort kommen ließ, ihn oft auf den Boden der Tatsachen zurückholte. „Als ich ihr gegen Ende meiner Profi-Karriere meine Autogrammkarte mit all den errungenen Titeln zeigte, meinte sie nur: „Bub, mit all den schönen Titeln kannst du später nicht an der Aldi-Kasse zahlen“. Recht hatte die Oma, doch heute braucht sie sich keine Sorgen mehr über das Einkommen vom „Bub“ zu machen, der als Top-Manager beim HSV eine ordentliche Gage kassiert. Und dies ohne Abitur, wie er zugab.

Der Kern seiner Botschaft, die er an diesem Abend übermittelt, ist eigentlich recht simpel. Auf das Miteinander kommt es an. Nicht nur geradeaus denken, sondern auf die Individuen eingehen, miteinander reden und nach Fehlern nicht gleich aufgeben.

In einem Einspieler sagte Michael Jordan, der wohl beste Basketball-Spieler aller Zeiten, dass er 9000-mal am Korb vorbei warf, unzählige Spiele verlor und doch stets an sich glaubte. Also: hinfallen, aufstehen, Krone richten, weitergehen, so das Credo.

Schnick, Schnack, Schnuck Kuntz ging in seiner Gesamtbetrachtung auf die völlig unterschiedlichen Arten der Kommunikation ein. Beispielsweise ist Schnick, Schnack, Schnuck das Kommunikationstool Nummer Eins bei der Jugendnationalmannschaft und ein Gespräch mit Jugendlichen sei heute sehr schwer möglich. „Alles nur Bros und Sisters, bei denen alles cool und easy ist“, bemängelte er.

Er warnte vor leeren Worthülsen und wusste, dass man Arbeit spart, wenn alle auf dem gleichen Level sind. „Dazu ist gegenseitiges Einverständnis nach vorheriger Absprache wichtig und das Interesse am anderen muss vorhanden sein.“ Aus Erfahrung wusste er auch, dass das Einfache oft das Beste ist und man sowohl im Berufsleben als auch im Sport ohne Teamspirit nicht wirklich weiterkommt.

Es war ein unterhaltsamer Vortrag, an den sich noch eine kleine Fragerunde anschloss, die aber in der Gesamtbetrachtung nicht wirklich Neues brachte. Doch manchmal ist es auch wichtig, dass man an das Naheliegende erinnert wird und wie sagte Kuntz so treffend: „Es kommt manchmal auch auf den Boten an, der etwas übermittelt.“

Wissenswertes über Stefan Kuntz

Seine Fußballkarriere
Als Spieler machte er von 1983 bis 1999 insgesamt 449 Spiele (179 Tore) in der Fußball-Bundesliga für den VfL Bochum, Bayer 05 Uerdingen, den 1. FC Kaiserslautern und Arminia Bielefeld. Außerdem spielte er in der Türkei bei Beşiktaş Istanbul. Mit dem 1. FC Kaiserslautern wurde er 1990 DFB-Pokal-Sieger und 1991 Deutscher Meister. In den Saisons 1985/86 und 1993/94 wurde er in der Bundesliga Torschützenkönig, 1987/88 und 1989/90 auch im DFB-Pokal. Von 1993 bis 1997 war Kuntz A-Nationalspieler des DFB und wurde Europameister 1996. Im Jahr 1991 wurde er zu Deutschlands erstem Fußballer des Jahres gewählt, der bis dahin noch nicht in der Nationalmannschaft gespielt hatte.Nach mehreren vor allem unterklassigen Stationen als Trainer, von denen der Karlsruher SC zwischen 2000 und 2002 die prominenteste war, war Kuntz von 2006 bis 2008 Manager des VfL Bochum und von 2008 bis 2016 Vorstandsvorsitzender des 1. FC Kaiserslautern. Von August 2016 bis September 2021 war er bei der deutschen U21-Nationalmannschaft wieder als Trainer tätig und führte sie sowohl bei der Europameisterschaft in Polen 2017 als auch bei der Europameisterschaft in Slowenien 2021 zum Titel. Von September 2021 bis September 2023 war Kuntz Trainer der türkischen Fußballnationalmannschaft und ist inzwischen als Vorstand des HSV tätig.