Bad Liebenzells Bürgermeister Roberto Chiari (rechts) und Fritz Sander freuten sich darüber, dass sich der Weltrekordler Niko Kappel in das Goldene Buch der Stadt eingetragen hat. Foto: Kraushaar

In der Kurstadt Bad Liebenzell hat ein Stargast der Leichtathletikszene Station gemacht.

Bad Liebenzell - Nein, Niko Kappel ist mit seiner Größe von 1,41 Meter kein Riese, aber dennoch macht er auch neben "echten Riesen" wie Christian Zimmermann mit 2,11 Meter beim Kugelstoß-Meeting im Bad Liebenzeller Kurpark eine gute Figur. Kappel zählt aktuell zu den Sympathieträgern Nummer eins im deutschen Leichtathletikverband und das liegt bei Weitem nicht nur an seiner neuen Weltrekordweite von 14,99 Metern im Kugelstoßen erzielt am 28. Mai in Nottwil/Schweiz. Deutsche-, Europa- und Weltmeistertitel säumen seinen Weg. 2016 gewann er in Rio Gold bei den Paralympics, 2021 kam in Tokio seiner Startklasse F 41 noch Bronze hinzu. "Ich hatte ihn von Beginn an in mein Herz geschlossen", freute sich in Bad Liebenzell ein sichtlich berührter Fritz Sander über das Gastspiel des Welzheimers. Dabei entstammt der Ehrenvorsitzende des Leichtathletikkreises wohlgemerkt der Laufszene.

Lob für Organisatoren

Dennoch war Peter Salzer voll des Lobes für ihn sowie die Mitorganisatoren Günther Henne, Dieter Locher, Moderator Sebastian Hess und die Kurstadt vertreten durch Bürgermeister Roberto Chiari. "Wir brauchen solche Leute, die den Mut haben unseren Sport aus der Ecke zu holen und so zu präsentieren", erklärte der Landestrainer. Dabei konnte er sich einen kleinen Seitenhieb in Richtung Medien nicht verkneifen. "Wenn wir bei einem Sportfest in einem Stadion sind, werden wir kaum beachtet und wenn dann die Läufer vorbeikommen, schaltet die Regie um auf die Bahn und von uns werden die Ergebnisse nachgereicht."

Verständlich, dass Meetings wie im Bad Liebenzeller Kurpark da herzlich willkommen sind. Hier steht die gesamte Szene im Blickpunkt. Sebastian Hess hat es geschafft, die Veranstaltung fachlich zu moderieren. Wenn sich jetzt noch mehr Zuschauer auf den weg in den Kurpakt aufmachen würden, könnte sogar die Idee von Bürgermeister Roberto Chiari – "Wir haben hier genügend Platz, da könnte man rechts und links eine Tribüne hinstellen" – in Erfüllung gehen.

Ohne Stargehabe

Ohne Stargehabe

Beim obligatorischen Eintrag in das Goldene Buch der Stadt Bad Liebenzell bekam Chiari eine Voraussetzung sogar schriftlich. "Das war heute sehr gut in einem schönen Ambiente, ich komme 2023 gerne wieder", signalisierte Kappel. Die Art und Weise wie sich der Weltrekordler – der nebenbei im Welzheimer Gemeinderat sitzt – sich in Bad Liebenzell offen, publikumsnahe und ohne Stargehabe – mit seiner Freundin, dem Model Christiane Zimmermann, präsentierte, hätte jedenfalls eine größere Kulisse verdient. Diese dürfte er im nächsten Jahr auch bekommen. "Wir müssen versuchen, mehr Veranstaltungen in den Süden zu bekommen. Davon kann unsere Sportart nur profitieren. Aktuell spielt sich für mich noch zu viel im Osten ab", zeigte sich Peter Salzer als Mann der klaren Worte. Auch mit der Terminauswahl – die hat uns heute einige Spitzenathleten gekostet - war er nicht zufrieden. Da tat es der Veranstaltung richtig gut, dass Yemisi Ogunleye gleich in ihrem ersten Versuch mit 18,14 Meter eine neue persönliche Bestleistung erzielte. Die 24-jährige Mannheimer Modelathletin hatte schon 2021 gewonnen, und durfte sich bei den Frauen neben Dea Gashi (13 Meter - U 20 weiblich) über zwei Gramm echtes Gold als Siegprämie freuen.