Stanley Clarke im Innenhof des Alten Schlosses Foto: Opus/Reiner Pfisterer

Der Bassist Stanley Clarke, 71, ist bei Jazz Open mit vier jungen Talenten aufgetreten. Die haben sie gezeigt: Die Zukunft des Jazz ist nicht nur gesichert, sondern auch eine Wucht.

Die Verblüffung im Innenhof des Alten Schlosses ist mit Händen zu greifen: Vier virtuose junge Männer, alle Anfang 20, spielen das Stuttgarter Jazz Open-Publikum schwindlig. Jahari Stampleys Finger fliegen über die Tasten des Flügels, zaubern einen nicht enden wollenden Strom an immer neue Miniaturen hervor, die von Chopin ebenso beeinflusst sind wie von Keith Jarrett.

 

Colin Cook entlockt seiner Gitarre mit klangvollem Ton eine betörende Sehnsuchts-Melodie nach der nächsten, der Saxofonist Emilio Modeste überschlägt sich beinahe vor Idee. Und der Drummer Jeremiah Collier spielt gerne Double-Time, um alle seine Einfälle unterzubringen -er könnte in jeder Metal-Band anheuern.

Clarke rückt junge Wilde ins Rampenlicht

Diese jungen Wilden können nicht anders, sie vibrieren vor Energie und müssen alles rauslassen. Die Bühne bereitet hat ihnen der Elder Statesman in der Bühnenmitte: Stanley Clarke (71), Bass-Legende und in den 70ern Mitglied von Chick Coreas Fusion- Supergroup Return to Forever.

Anstatt mit alten Freunden routiniert auf vertrauten Pfaden zu wandeln, wie das im Vorprogramm Randy Brecker, Bill Evans, Billy Cobham, Niels Lan Doky und Linley Marthe mit ihrer Modern Standard Supergroup getan haben, schart Clarke Talente um sich. Er rückt sie ins Rampenlicht und verpasst dem Jazz auf diese Weise eine herrliche Frischzellenkur.

Clarke und Collier spielen sich in einen Rausch

Clarke lässt seinen Mitspielern viel Raum, sich zu zeigen. Er fügt sich perfekt ein und verblüfft dann ab und zu selbst mit Kostproben seines nach wie vor außergewöhnlichen Könnens an E- und Kontrabass. Bei „School Days“, einem von Clarkes Evergreens, spielt sich erst der Altmeister selbst in einen kleinen Rausch hinein und dann der ihn begleitende Collier – sie geraten in einen funkensprühenden Dialog, bei dem man sich wundert, dass niemand Feuer fängt.

Stampley, Cook, Modeste und Collier habe alle vier das Zeug dazu, die Zukunft des Jazz mitzugestalten – um die man sich nach dieser Darbietung wirklich keinerlei Sorgen mehr machen muss.

Mehr zu Jazz Open finden Sie in unseren Kritiken zu den Konzerten von Herbie Hancock, Till Brönner und Joe Jackson.

Jazz Open: Das weitere Programm

11.7.
Bê Ignacio, Pink Martini, Altes Schloss, 19 Uhr; Hypnotic Brass Ensemble, Bix, 21.30 Uhr

12.7.
David Sanborn, Al Di Meola & Stuttgarter Kammerorchester, Gregory Porter. Schlossplatz, 18 Uhr; Fabia Mantwill Quintett, Bix, 21.30 Uhr

13.7.
Larkin Poe, Jamie Cullum, Schlossplatz, 19 Uhr; Joey Alexander, Bix, 21.30 Uhr

14.7.
Jorja Smith, Celeste, Suzanne Vega, Schlossplatz, 18.30 Uhr; Judith Hill, Bix, 21.30 Uhr

15.7.
Jessie J, John Legend, Schlossplatz, 19 Uhr; Richard Bona & Alfredo Rodriguez Band , Bix, 21.30 Uhr

16.7.
Van Morrison, Robert Plant & Allison Krauss, Schlossplatz, 19 Uhr; Rymden, Bix, 21.30 Uhr

17.7.
Judith Hill, Cruel Heart Club, Sting, Schlossplatz, 18 Uhr

Weitere Informationen und Tickets gibt es hier.