Der jetzt veröffentlichte IHK-Standortmonitor für den Regierungsbezirk Freiburg zeigt deutlichen Handlungsbedarf auf. Die Politik ist gefordert.
Wie zufrieden sind die Betriebe im Regierungsbezirk Freiburg? Welche Standortfaktoren schätzen sie und: Was muss besser werden? Antworten liefert die jetzt veröffentlichte Standortumfrage der Industrie- und Handelskammern, an der im vergangenen Jahr 1724 Unternehmen teilgenommen haben. Sie bewerteten ihre Zufriedenheit in den fünf Handlungsfeldern „Verkehr und Infrastruktur“, „Kosten und Flächen“, „Arbeitskräfte und Qualifizierung“, „Wirtschaftsförderung und Verwaltung“ und „Lebensqualität“.
41 Faktoren bewertet
Die Betriebe hätten 41 Standortfaktoren bewertet und Prioritäten für gute Bedingungen gesetzt, wie Bettina Schuler-Kargoll, Vizepräsidentin der IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg, im Rahmen der Vorstellung berichtete. Ihr zufolge gebe es Licht und Schatten. So punkte der Regierungsbezirk mit sehr guten Werten bei der Lebens- und Aufenthaltsqualität, dagegen seien die Unternehmen unzufrieden mit der Verfügbarkeit von Flächen, der Höhe ihrer Energiekosten oder der Dauer von Genehmigungsverfahren.
Spiegelbild der Lage
Immerhin: Laut Zahlenwerk bleibt die Standortzufriedenheit konstant. Auf einer Skala von 1 (sehr gut) bis 5 (sehr schlecht) erhält der Regierungsbezirk einen Zufriedenheitswert von 2,88, was fast identisch mit der ersten Standortumfrage aus dem Jahr 2023 ist. Leicht positiv zeigt sich die Zukunftsfähigkeit – diese liegt mit einem Wert von 2,71 über der aktuellen Zufriedenheit.
„Die Ergebnisse sind ein authentisches Spiegelbild der Lage des regionalen Mittelstands“, so Schuler-Kargoll. Die Umfrage zeige, „wo der Schuh drückt“. Am zufriedensten mit ihrem Standort sind die Unternehmen in der Ortenau – mit einem Wert von 2,71 schneidet sie als bester der zehn Kreise im Regierungsbezirk ab. Schlusslicht ist der Landkreis Waldshut mit 3,10. Der Kreis Lörrach vergibt die Note 2,85.
Dort haben sich 136 Unternehmen an der Umfrage beteiligt. Wie andernorts auch drückt der Schuh unter anderem bei den Energiekosten, die im Landkreisvergleich aber mit einem Wert von 3,97 am schlechtesten ausfallen. Die beste Note stellt derweil mit 3,63 der Landkreis Rottweil aus.
Gutes Stromnetz
Mit 3,66 besonders schlecht stellt sich auch das Angebot digitaler Verwaltungsverfahren von Gemeinden im Kreis Lörrach dar, wie aus der Umfrage hervorgeht.
Die Verfügbarkeit von geeigneten Ausbildungsbewerbern bewerteten die Unternehmen im Landkreis mit der Note 3,51 (Durchschnitt 3,57). Die Wirtschaftsfreundlichkeit der Kreisverwaltung erhielt derweil die Note 3,31 (Durchschnitt 2,88). Der Kreis hat aber auch viele gute Noten zu vergeben, unter anderem für die Stabilität und Leistungsfähigkeit des Stromnetzes sowie die Anbindung an die Autobahn. Nicht zuletzt kann der Kreis mit der Lebens- und Aufenthaltsqualität sowie mit Kultur-, Sport- und Freizeitaktivitäten punkten.
Standort braucht Upgrade
Thomas Conrady, Präsident der IHK Hochrhein-Bodensee, erklärte, dass der Standort ein „echtes Upgrade“ brauche. „Es schmerzt, dass die A 98 noch immer nicht gebaut ist“, lautete seine erste Botschaft. Das müsse sich ändern. „Damit das Rheintal besser mit dem Bodensee verbunden ist.“ Gleiches gelte für den Mobilfunk, denn neun von zehn Betrieben bewerteten ihn in der Standortumfrage als relevant, so Conrady. So zeigt sich: Je ländlicher die Region, desto unzufriedener seien die Betriebe.
Ihm zufolge hat der Regierungsbezirk Freiburg zu viele Funklöcher. „Unsere eigene IHK-Mobilfunkanalyse aus dem Jahr 2024 hat gezeigt, dass ein Drittel des Regierungsbezirks nur mit einem einzelnen Betreiber auf LTE-Niveau versorgt ist.“ 5G sei weit weg, das werde aber für mobiles Arbeiten, für Außendienst und für Notrufe benötigt. Für Conrady steht fest: „Deutschland hat Aufholbedarf.“ Und zwar beim Ausbau der Infrastruktur, beim Abbau von Bürokratie und beim Erhalt der Bildungslandschaft.
Hohe Energiekosten
Dass die Energiekosten ein Negativfaktor im Regierungsbezirk darstellen, betonte Schuler-Kargoll. „Die Betriebe leiden unter ihrer Höhe.“ Mit einem Wert von 3,75 fällt die Zufriedenheit besonders negativ aus. Nur die Verfügbarkeit und Bezahlbarkeit von Wohnraum werden schlechter bewertet. Die hohen Energiekosten würden die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen reduzieren, Wertschöpfung kosten, Investitionen verhindern und die Wahrscheinlichkeit von Standortschließungen erhöhen – auch im Regierungsbezirk Freiburg.