Spätestens 2023 ist in der Eduard-Conz-Straße in Calw Schluss für die Waldorfschule Calw. Bis jetzt gibt es aber noch keinen neuen Standort. Foto: Fritsch

Die Waldorfschule Calw ist nach wie vor auf der Suche nach einem neuen Standort. Die derzeitigen Räume müssen 2023 geräumt werden. Inzwischen gehen die Türen im Kreis Calw aber vermehrt zu. Die Schule prüft derweil in aller Ruhe weitere Möglichkeiten.

Calw - Die Lage bei der Calwer Waldorfschule spitzt sich zu. Die Emil-Molt-Schule sucht nämlich nach wie vor nach einem neuen Standort. Denn Fakt ist: Aus den Räumlichkeiten in der Eduard-Conz-Straße muss die Bildungsstätte auf absehbare Zeit ausziehen – die Räume gehören dem Landkreis und werden mit Inbetriebnahme des Calwer Gesundheitscampus im Jahr 2023 überplant und "einer anderen Nutzung zugeführt". Das teilte Tobias Haußmann bereits im März diesen Jahres mit. "Die Aussagen vom März sind immer noch aktuell", betont nun Janina Dinkelaker, Pressesprecherin des Calwer Landratsamtes.

 

Ursprünglich wollte die Waldorfschule eigentlich einen neuen Standort "in Calw oder in der südlichen Umgebung entlang der Nagold" beziehen, wie die Schule im März selbst in einer Pressemitteilung erklärte. Nach eingehender Recherche unserer Redaktion kristallisierten sich entweder Nagold oder auch Wildberg als mögliche Standorte heraus. Nagold kommentierte damals nichts offiziell, Wildberg bestätigte Gespräche. Eine Lösung in Bad Teinach-Zavelstein, sowohl in Sommenhardt als auch in Rötenbach, zerschlug sich. "Insbesondere die ungünstige Anbindung an den ÖPNV ist gerade mit Blick auf den Ausbau der Oberstufe sehr schwierig", hieß es in der Mitteilung damals.

Grundstück wurde angeboten

Doch jetzt scheinen sich die Türen im Kreis Calw allmählich zu schließen. Denn Tina Block, Pressesprecherin der Stadt Nagold, sagt auch heute noch, dass es "nichts Neues" zum Thema gebe. Anders sieht das in Wildberg aus. Bürgermeister Ulrich Bünger ließ auf Anfrage unserer Redaktion nun die Bombe platzen: "Wir haben der Waldorfschule ein Grundstück angeboten, aber bis heute ist da keine Entscheidung gefallen", gibt Bünger zu Protokoll. Und das, obwohl man in der Nähe des Wildberger Bildungszentrums massig Platz hätte und der Waldorfschule gar ein Flächenlayout präsentiert hatte.

Da keine Entscheidung fiel, habe Bünger in Abstimmung mit dem Gemeinderat das Flächenangebot in Richtung Waldorfschule zurückgezogen. "Wir nehmen die Fläche jetzt wieder ins Portfolio und konzentrieren uns auf eigene Entwicklungsmöglichkeiten", sagt Bünger. Das habe man der Waldorfschule jüngst auch in einem Schreiben so mitgeteilt.

Die Schule selbst sieht hierin aber kein Problem, betont Benno Vogel im Namen des Vorstands der Schule in einer Pressemitteilung: "Auch mit Wildberg werden wir den Dialog wieder intensivieren. Aus der anderweitigen Verwendung des zuletzt für uns in Betracht gezogenen Grundstücks leiten wir derzeit noch keine endgültige Absage an unsere Schule ab." Man prüfe "alle Möglichkeiten von der Anmietung oder Übernahme einer Bestandsimmobilie bis zum Neubau", beteuert Vogel.

Projekteam werkelt auf Hochtouren

Deshalb arbeitet "seit einigen Monaten ein eigens für die Standortfrage eingerichtetes Projektteam an der Schule auf Hochtouren an der Frage, wie es in Bezug auf den Standort der Schule in Zukunft weitergehen kann", heißt es in der Pressemeldung weiter. Durch die Corona-Pandemie und deren Folgen und Auflagen, habe man das Thema Standortsuche jedoch "zugunsten drängenderer Themen zurückgestellt".

Man verfolgt derzeit verschiedene Möglichkeiten in der Stadt und dem Kreis Calw, erklärt Vogel – im Übrigen quasi der gleiche Sachstand wie vor neun Monaten. Mit dem Unterschied, dass der fixe Auszugstermin im Jahr 2023 unweigerlich näherrückt. Allerdings sind die Möglichkeiten für einen neuen Standort arg begrenzt: Wildberg und Nagold sind augenscheinlich aus der Verlosung. Ohnehin muss die Calwer Bildungseinrichtung aufpassen, nicht anderen Waldorfschulen in Pforzheim, Freudenstadt, Tübingen und Böblingen zu nahe auf die Pelle zu rücken.

Rückkehr nach Rötenbach klappt nicht

Auch eine Rückbesinnung auf die Ursprungsidee in Bad Teinach-Zavelstein scheint kaum möglich. Der dortige Bürgermeister Markus Wendel schiebt die Tür zwar galant, aber dennoch mit Nachdruck wieder zu: "Das Thema ist kommunalpolitisch ad acta gelegt, die Schule hat sich auch nicht mehr bei uns gemeldet." Für die Fläche in Rötenbach gebe es inzwischen schon wieder andere Pläne.

Und wie sehen die Pläne der Waldorfschule aus, sollte bis 2023 keine Lösung gefunden werden? "Die bestehende Elternschaft in ihrem Engagement und die steigenden Anfragen nach Schüleraufnahme zeigen deutlich, dass niemand ein Interesse an einer Auflösung der Schule haben kann", stellt Vogel unmissverständlich klar.

Zwischenlösung bleibt nebulös

Notfalls müsse "eine Zwischenlösung in Betracht gezogen werden, bis ein Ort gefunden wird, der die Anforderungen der Schule erfüllt", heißt es weiter. Doch wo dieser Standort im Kreis Calw sein oder wie die zitierte "Zwischenlösung" aussehen könnte? Auf diese entscheidenden Fragen gibt Vogel in seiner Pressemitteilung keine Antwort.

Und das, obwohl der Platz auch ohne neuen Standort alsbald zur Neige geht. Denn "wir halten weiterhin daran fest, die Schule langfristig zur Waldorfschule mit Oberstufe auszubauen." Diese Überlegungen fließen wohl ebenfalls in die Arbeit der Taskforce "Standort" ein. Freuen würde sich die Schule natürlich, könnte sie in der Hesse-Stadt bleiben.

Doch auch Calws Oberbürgermeister Florian Kling kann aktuell nicht aus der Patsche helfen: "Wir haben angeboten, bei der Suche zu helfen", sagt der Calwer OB zwar. Doch einen neuen Standort kann auch der Rathauschef nicht so einfach aus dem Ärmel schütteln. Man müsse sich da noch mal "die Landkarte anschauen", meint Kling. Der Prozess sei aber etwas zäh, klagt der OB – das sei zum einen auf die Corona-Situation, andererseits aber auch auf den Weggang des bisherigen Geschäftsführers der Schule zurückzuführen.

Es bleibt also nach wie vor abzuwarten, wohin es die Emil-Molt-Schule ziehen und welche Ergebnisse das Projektteam ausarbeiten wird. Eines ist aber klar: Die Zeit läuft. Bis 2023 braucht es mindestens eine (Not)-Lösung.