Schweißen will gelernt sein, doch Metallberufe verlieren Schüler Foto: dpa

An berufsbildenden Schulen sind die Schülerzahlen rückläufig, die Berufswahl verändert sich. Die Stuttgarter Schulverwaltung reagiert darauf mit verschiedenen Vorschlägen – von der Zusammenlegung einzelner Fachbereiche bis hin zur Schließung einzelner Schulhäuser.

An berufsbildenden Schulen sind die Schülerzahlen rückläufig, die Berufswahl verändert sich. Die Stuttgarter Schulverwaltung reagiert darauf mit verschiedenen Vorschlägen – von der Zusammenlegung einzelner Fachbereiche bis hin zur Schließung einzelner Schulhäuser.

 

Stuttgart - Als eine von 22 beruflichen Schulen in der Landeshauptstadt ist jüngst die Kaufmännische Schule Süd mit der neuen Entwicklung konfrontiert worden. Dem Kollegium wurde von der Schulverwaltung und den Aufsichtsbehörden mitgeteilt. dass ihre Fachbereiche auf mehrere andere Schulstandorte verteilt werden könnten. Kapazitäten zur Aufnahme hätten beispielsweise die Kaufmännische Schule Nord in der Heilbronner Straße und die Louis-Leitz-Schule in Feuerbach. Die Schule in der Zellerstraße könnte aufgelöst werden.

Mehrere Faktoren haben zu dieser Überlegung geführt: Die demografische Entwicklung, die Entwicklung auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt und die veränderte Berufswahl. Zahlen dazu liefert die Gesellschaft für Umweltplanung Stuttgart (GUS), die von der Stadt mit der Bestandsaufnahme beauftragt worden war.

Zurzeit besuchen rund 29 700 Schüler die 22 beruflichen Schulen in Stuttgart, rund 10 000 weniger als noch 1985. Zwei Drittel der Schüler kommen aus der Region; da dort die 15- bis 18-Jährigen auf dem Rückzug sind, ist laut GUS zum Schuljahr 2022/23 mit einem Schülerrückgang um circa 14 Prozent zu rechnen. Den größeren Verlust (– 17 Prozent) müssen die Berufsschulen verkraften, während die beruflichen Gymnasien der Prognose nach um 30 Prozent zulegen. „Ob eine Schule einen Gymnasialzug hat oder nicht, wird deshalb über kurz oder lang zur Standortfrage“, sagt Franz Scheuermann, der Geschäftsführende Schulleiter der Kaufmännischen Schulen.

Der verstärkte Wunsch nach Abitur und veränderte berufliche Trends führen zum Schülerrückgang in einzelnen Berufen und Branchen. So verliert laut GUS der Nahrungsbereich der beruflichen Schulen in den nächsten zehn Jahren 28 Prozent, vor allem im Bäckerberuf. Zu den Verlierern zählen auch die Maler und Lackierer (– 30 Prozent), die Industriekaufleute (– 17 Prozent), die Metall- und Elektroberufe (– 10 und – 7 Prozent). Der Prognose nach steigt das Interesse für Informatik und den Gesundheitsbereich.

Neue Schulmodelle beeinflussen das Konzept der beruflichen Schulen. Die Bildungsabschlüsse, die zum Beispiel an der Gemeinschaftsschule möglich sind, entsprechen dem, was die zweijährige Berufsfachschule bisher bietet; die Nachfrage in Berufsschulen wird also analog zum Ausbau der Gemeinschaftsschulen sinken.

Alles zusammen führt dazu, dass die Bildungseinrichtungen künftig zehn Prozent weniger Platz brauchen, hat die GUS hochgerechnet. Davon betroffen sind nicht allein die beruflichen Schulen der kaufmännischen Richtung, sondern auch die Fachrichtungen Haus- und Landwirtschaft sowie die gewerblichen Schulen. Mit welcher Konsequenz, ist in elf Modellen dargestellt.

Schulbürgermeisterin Susanne Eisenmann bestätigte auf Anfrage, dass in der Kaufmännischen Schule Süd Szenarien vorgestellt wurden. Darunter auch deren möglicher Einzug ins heutige Wirtschaftsgymnasium West in der Rotebühlstraße, gemeinsam mit der Kaufmännischen Schule I (West). Die ehemalige Hedwig-Dohm-Schule in der Ludwigstraße könnte stattdessen das neue Domizil des Wirtschaftsgymnasiums werden, das am jetzigen Standort unter großer Platznot leidet.

„Denkbar wäre dann, das freie Schulgebäude in der Zellerstraße als Standort für ein weiteres allgemeinbildendes Innenstadt-Gymnasium zu nutzen“, sagt die Bürgermeisterin. Sie betont, dass das Thema mit Verbänden, Gewerkschaften, Unternehmen und Landkreisen abgestimmt ist und die Modelle mit dem Regierungspräsidium und den Schulen entwickelt worden sind. „Bis jetzt stellen sie lediglich eine Diskussionsgrundlage für den Gemeinderat dar.“ Fachlich entscheide das Regierungspräsidium, politisch „wähle der Gemeinderat aus mehreren Optionen“ zuletzt die Lösung, die politisch gewollt sei. Unumstritten sei allerdings, dass der Schulträger reagieren müsse: „Von 22 Schulstandorten haben sieben wachsende Schülerzahlen und sind daher sehr stabil, 15 Standorte müssen beleuchtet werden.“ Die Zukunftsfähigkeit, Güte und Qualität dieser Schulen seien nur über eine Bündelung zu erhalten.

Bis zum September sollen die Handlungsmodelle mit der regionalen Schulentwicklungsplanung abgestimmt sein, im November, so Eisenmann, werde der Bericht im Schulbeirat und im Gemeinderat vorgestellt und dort entschieden.