Die AfD hat am Samstag auf dem Wochenmarkt einen Stand gemeldet. Foto: Wölfle

Ein Tag vor der Stimmabgabe kein Wahlkampf mehr: An diese Übereinkunft halten sich die etablierten Parteien in Haslach seit Jahren. Da eine andere Partei am Samstag aber einen Stand auf dem Wochenmarkt angemeldet hat, wollen sich Kandidaten der CDU, SPD, Grünen und Freien Wähler doch noch einmal zeigen.

Zu einem „kommunalpolitischen Dialog“ laden die Kandidaten von Bündnis 90/Die Grünen, CDU, Freie Wähler Vereinigung und der SPD Haslach am Samstag, 8. Juni, auf dem Haslacher Wochenmarkt ein. „Wir möchten alle Bürger dazu aufrufen, durch die Wahl und darüber hinaus an der demokratischen Gestaltung unseres Gemeinwesens mitzuwirken“, heißt es in einer Pressemitteilung.

 

Es ist das erste Mal, dass sich die in Haslach etablierten Parteien einen Tag vor einer Wahl noch einmal zeigen. Denn seit Jahren haben sie eigentlich die Übereinkunft getroffen, in den letzten 24 Stunden vor dem Gang zur Wahlurne keinen Wahlkampf mehr zu betreiben. Um Wahlkampf im klassischen Sinn soll es am Samstag dann auch nicht gehen, berichten SPD-Gemeinderatsmitglied Herbert Himmelsbach und Joachim Eitel von den Haslacher Grünen auf Anfrage unserer Redaktion. Die AfD hat am Marktsamstag einen Stand angemeldet „und der wollten wir nicht das Feld überlassen“, sagen beide übereinstimmend. „Wir wollen Präsenz zeigen und auf die Wichtigkeit der Wahl hinweisen“, sagt Eitel. Damit sei gemeint, dass die Kandidaten betonen wollen, wie wichtig es sei, seine Stimme abzugeben und seine Entscheidung dabei nicht leichtfertig zu treffen, führt Eitel aus.

Wie Himmelsbach berichtet, habe es anfangs Überlegungen gegeben, gemeinsam mit der Caritas eine Aktion gegen Rechts durchzuführen. „Um Plakate und Schilder verwenden zu können, hätten wir allerdings beim Landratsamt eine Demonstration anmelden müssen“, erklärt Himmelsbach. Angesichts des Wochen- mit dem damit verbundenen Trödelmarkts, habe man den „Markt nicht überfluten wollen“ und sei deswegen von der Idee abgekommen. „Wir wollen den Ball eher flach halten“, sagt der SPD-Gemeinderat. Aus diesem Grund würden die Parteien auch darauf verzichten, Flyer zu verteilen. Die Kandidaten stünden für Gespräche und Fragen zur Verfügung und es sei laut Eitel damit zu rechnen, dass viele am Stand auf dem Wochenmarkt dabei sein würden. Angefragt und eingeladen worden seien alle Kandidaten.

Die Organisation und der Zusammenschluss der Parteien kommen nicht von Ungefähr. „Wir kennen uns ja alle untereinander, arbeiten zusammen und stimmen uns da einfach ab. per Mail, Nachricht und Telefon“, erklärt Eitel auf die Frage, wie alles koordiniert werde. Auch die Liste Lebenswerte Ortenau sowie die FDP seien angefragt worden, ob sie mitmachen wollen. Beide hätten aber bereits einen eigenen Stand geplant oder zumindest angedacht.

Das sagt die Caritas

 Die Caritas erklärt in einer Pressemitteilung: „Mit Blick auf die bevorstehenden Europa- und Kommunalwahlen sorgen sich die Verantwortlichen des Caritasverbands Kinzigtal e.V. um den Zusammenhalt in der Gesellschaft durch das Erstarken rechten Gedankenguts.“ Menschenfeindliche Äußerungen, die Zuschreibung unterschiedlicher Wertigkeit der Menschen abhängig von Herkunft, Religion, Nationalität oder Alter oder die Ablehnung „des Fremden“, wie sie rechtspopulistische und -extreme Gruppierungen propagieren, stünden in Gegensatz zu den Werten der Caritasarbeit. Die Caritas ruft dazu auf, an den Wahlen teilzunehmen und dabei Parteien und Kandidaten zu wählen, die sich nicht gegen die Grundwerte der Demokratie stellen.