Die Deutsche GigaNetz GmbH (DGN) hatte ambitionierte Pläne in Sachen Glasfaserausbau in Calw. Die sind nicht zu halten. Die Stadt warnt indes davor, Verträge mit der DGN zu kündigen.
Als die Deutsche GigaNetz GmbH (DGN) im Frühjahr 2023 ankündigte, ein etwa 225 Kilometer umfassendes Glasfasernetz in Calw zu errichten, klang alles noch recht reibungslos.
Bis zu 6328 Adressen und damit 12 631 Privat- und Gewerbeeinheiten sollten in diesem Zug eine Glasfaserleitung bis in die Wohnung bekommen. Ein kostenloser Anschluss, sofern ein Vertrag mit der DGN abgeschlossen wird.
Erste Pläne und Verzögerungen Noch 2023, so die erste Prognose, sollte die große Marketingkampagne abgeschlossen sein, vom ersten Quartal 2024 bis zum dritten Quartal 2025 dann der komplette Ausbau in der ganzen Stadt erfolgen. Bekanntermaßen kam es anders.
Die Vermarktung dauerte deutlich länger als geplant; viele Calwer blieben zögerlich – bis heute. Doch damit sich das Ganze auch für die DGN lohnt, müssen sich rund 35 Prozent der Haushalte für einen Anschluss der DGN entscheiden.
Im Sommer 2024 gaben DGN und Stadt Calw schließlich bekannt, dass die Quote immerhin für Calws Osten erreicht worden sei – also für Heumaden, Stammheim und den östlich der Nagold liegenden Teil der Kernstadt.
Calws Westen – Altburg, Wimberg und Co. – ist bis heute ein Sorgenkind. Die 35 Prozent sind dort noch immer nicht erreicht.
Im Juni des vergangenen Jahres erfolgte dann der symbolische Spatenstich für Calws Osten in Heumaden. Dabei verkündeten die Verantwortlichen einen neuen Zeitplan: Zum Sommer 2026 soll Calw-Ost fertig sein, hieß es. Ende 2025 zeichnete sich jedoch bereits ab, dass dieser Plan nicht zu halten sein wird.
Der aktuelle Stand In dieser Woche gab die Stadt Calw nun eine Pressemitteilung zum aktuellen Stand der Dinge heraus. Und die Verwaltung zeigt sich dabei nach wie vor überzeugt von der DGN und deren Ausbau – trotz der Verzögerungen.
Der Glasfaserausbau sei nach der Winterpause wieder mit voller Stärke aufgenommen worden, heißt es darin. Heumaden sei inzwischen zu rund 70 Prozent mit Glasfaser in den Straßen erschlossen, rund 800 Haushalte hätten bereits das Röhrchen im Keller, mehr als 150 seien aktiv am Netz. In den kommenden Wochen solle diese Zahl weiter deutlich steigen.
Der Schwerpunkt liege derzeit auf noch ausstehenden Haus- und Wohnungsanschlüssen. Teilweise komme es dabei zu Verzögerungen in Mehrfamilienhäusern, wenn Hausverwaltungen auf Kontaktaufnahmen nicht reagierten oder Abstimmungen noch ausstünden.
Die DGN habe aber zugesichert, den weiteren Ausbau stabiler, planbarer und verlässlicher zu gestalten.
Ab voraussichtlich Mai sei der östliche Teil der Kernstadt an der Reihe. Für alle Stammheimer bedeutet das indes: Hier dauert es noch ein wenig. Der Baustart dort wurde laut Mitteilung auf das Jahr 2027 verschoben.
Die Stadt Calw begrüße diese klare Priorisierung. Insbesondere im vergangenen Jahr habe es aufgrund unterschiedlicher Informationen und Verzögerungen viele Fragen gegeben. Nun entstehe wieder mehr Planungssicherheit.
Die Gründe für die Verzögerungen im vergangenen Jahr Dass 2025 nicht alles wie geplant gelaufen sei, erklärt die DGN damit, dass in einzelnen Straßenbereichen Umplanungen notwendig geworden seien. Winterliche Verhältnisse hätten Tiefbauarbeiten verhindert. Und zudem sei der Glasfasermarkt aufgrund steigender Baukosten und höherer Zinsen derzeit insgesamt herausfordernd.
Einige Anbieter hätten daher bereits bundesweit ihre Ausbauprojekte gestoppt oder ganz aufgegeben. Die DGN halte dagegen ausdrücklich an ihren Ausbauzusagen fest.
Perspektive für Calw-West Noch nicht ganz so gut sieht es im Calwer Westen aus. Die Quote von 35 Prozent ist dort nicht erreicht. Doch die DGN vermarktet aktuell auch nicht aktiv.
Das liege daran, dass das Unternehmen eine neue Strategie fahre: erst anschließen, dann erweitern. Also erst die laufenden Bauabschnitte abschließen, dann weiterbauen.
Die Stadt zeigt sich überzeugt, dass die „positiven Erfahrungen und Rückmeldungen der bereits angeschlossenen Haushalte in Calw-Ost auch im Westen für zusätzliche Motivation sorgen werden“. Insofern bestehe „die klare Perspektive“, dass auch im Westen der Ausbau komme.
Auch wenn der Ausbau länger dauere als ursprünglich geplant, werde er konsequent und schrittweise umgesetzt. Am Ende profitiere die Stadt von einer modernen digitalen Infrastruktur.
Stadt: kein Risiko mit Vorvertrag Unterdessen will die Calwer Stadtverwaltung alle Bürger beruhigen, die bereits einen Vorvertrag mit der DGN abgeschlossen haben: Ein solcher Vertrag sei risikolos. Gezahlt werde erst, wenn Glasfaser ins Haus gelegt und der Anschluss freigeschaltet seien. Sollte es keinen Ausbau geben, sei auch der Vertrag hinfällig.
Auf der anderen Seite würden die darin festgeschriebenen Konditionen gelten, unabhängig vom Ausbautermin. Angesichts steigender Kosten sei das langfristig ein Vorteil – zumal der Hausanschluss durch den Vertrag kostenlos umgesetzt werde.
Die Stadt Calw rate daher ausdrücklich davon ab, vorschnell Verträge zu kündigen.