Marie-Luise und Kurt Schäuble haben vor einem halben Jahrhundert Ja zueinander gesagt. Für die gemeinsame Zeit sind sie dankbar. Foto: Verena Parage

Marie-Luise und Kurt Schäuble sind seit 50 Jahren verheiratet – und glücklich miteinander. Sie berichten aus einem Leben voller Engagement und Herausforderungen, aber auch Dankbarkeit.

Im Jahr, als Romy Schneider und Daniel Biasini heirateten, Volkswagen den ersten Polo herausbrachte und die Hesse-Stadt gerade Calw-Hirsau hieß, da standen in Stammheim Marie-Luise und Kurt Schäuble vor dem Altar. Das war am 23. August 1975. Ein halbes Jahrhundert später feierten die beiden, wieder in der Martinskirche, ihre goldene Hochzeit.

 

75 und 80 Jahre sind die zwei inzwischen alt. 50 Jahre, drei längst erwachsene Kinder, fünf Enkel und viele Erlebnisse später, ist doch manches gleich geblieben wie damals: ihr Glaube, die Musik und ehrenamtliches Engagement prägen ihre Leben und ihre Ehe. Geblieben ist auch die Zuneigung zueinander. Denn immer wieder halten sich Marie-Luise und Kurt Schäuble an den Händen, während sie aus ihrem Leben berichten. „Wir haben ein sehr reiches Leben“, sagt die Jubilarin.

Erst nach Rückkehr nach Stammheim funkt’s

Obwohl beide in Stammheim aufgewachsen sind, lernten sie sich erst als Mitarbeiter in der Jugendarbeit der evangelischen Kirchengemeinde richtig kennen. „Wir haben immer über Gott und die Welt gesprochen“, erinnert sich Marie-Luise Schäuble. Damals noch „ohne Hintergedanken“, fügt sie lachend hinzu.

Denn ihre Wege führten erst einmal aus Stammheim hinaus. 1966 ging Kurt Schäuble, gelernter Elektroinstallateur, zur Bundeswehr nach Meßstetten („das war eine schöne Zeit für mich“) und danach auf die Technikerschule nach Stuttgart. Seine heutige Frau verbrachte derweil ab 1970 zwei Jahre in Albstadt. Dort arbeitete die gelernte Damenschneiderin im Haushalt einer Familie, in deren Drogerie und Lebensmittelladen mit.

„Es hat mich gereizt, was anderes zu machen“, erzählt sie. Vor allem Musik: Die Abende in Albstadt verbrachte sie singend in einem Chor, spielte Gitarre, lernte Jodeln und Volkstanz. Bis heute begleitet die Musik die Schäubles durchs Leben.

Ihr gemeinsames Leben begann zurück in Stammheim, als Kurt vor mehr als einem halben Jahrhundert Liebesbriefe an Marie-Luise schrieb. Er erhielt Antwort: Bis heute könnten sie gut miteinander reden, erzählt die 75-Jährige. Und bis heute sind sie glücklich miteinander.

Dankbarkeit ist entscheidend

Dabei gab es genug Herausforderungen und anstrengende Zeiten. Sie zogen drei Kinder groß, bauten die Scheune von Kurt Schäubles Eltern zu einem Zuhause aus, pflegten jahrelang dessen Mutter und brachten sich treu ehrenamtlich ein. Marie-Luise engagierte sich lange im Taufchor und hält bis heute Vorträge in Frauenkreisen, Kurt sang im Kirchenchor, war Ältester, machte Kinderkirche und verwaltete das Freizeitgelände „Adlerhorst“. Alles jahrzehntelang.

Während er beruflich bei der damaligen „Energie-Versorgung Schwaben (EVS) eingebunden war, hielt sie zu Hause den Laden am Laufen – und gab sogar noch Gitarrenunterricht. Dafür hielt er ihr den Rücken fürs Ehrenamt frei. „Es war mir immer wichtig, dass man die Einzelnen angesprochen hat“: Die Leute abholen, nennt Marie-Luise Schäuble das. Kontakte knüpfen und halten, könnte man auch sagen.

Die Beziehungspflege ist auch ihr Rezept für eine gute Ehe. Gleichzeitigen raten die zwei, nicht zu viel vom anderen zu erwarten. Und: „Ganz wichtig ist, dass man immer wieder innehält und dankbar ist für das, was man hat“, meint die Seniorin. Im Fall der Schäubles ist das eine Ehe, die seit einem halben Jahrhundert hält.

Zeitung berichtet über Ehejubiläen

Erinnerungen
1966 feierten die Großeltern von Marie-Luise Schäuble in Stammheim Goldene Hochzeit. Auch damals berichtete die Lokalzeitung über das Jubelpaar. Als junges Mädchen sei sie zufällig bei den Großeltern gewesen, als ein Berichterstatter des Calwer Tagblatts dort gewesen sei. „Das hat mich damals als Mädchen fasziniert“, erzählt die 75-Jährige. Als dann 1999 ihre Eltern dasselbe Fest feierten, ebenfalls in Stammheim, „war wieder die Zeitung da“, erinnert sie sich. „Da hab ich gesagt: ,Da dürfen wir jetzt nicht fehlen!’“