Seit 20 Jahren betreibt Gisela Götz Ahnenforschung. Dabei hat sie vieles über ihre aus Bessarabien stammenden Vorfahren herausgefunden. Foto: Sannert

Ihre Vorfahren stammen aus Bessarabien. Viele ihrer Verwandten wohnen in Pfalzgrafenweiler, wo Gisela Götz heute mit ihrem Mann lebt, oder in der unmittelbaren Nähe. Das kam bei der Ahnenforschung heraus, die sie seit 20 Jahren betreibt.

Pfalzgrafenweiler - Das Interesse an der Familiengeschichte weckte ihre Mutter, die in Maraslienfeld, im damals russischen Bessarabien, geboren wurde. Als Kind wurden sie und ihre Familie mit vielen anderen Deutschen im Zweiten Weltkrieg vom Führer "heim ins Reich" geholt. Über ihre Erlebnisse auf der drei Jahre dauernden Wanderschaft sprach die Mutter nur selten, erinnert sich Gisela Götz. Deshalb fragte sie bei Onkel und Tante nach und erfuhr von ihnen die Namen der Großeltern: Christine und Heinrich Meintzner. Sie hatten sich nach dem Krieg mit ihren Kindern in Calw niedergelassen und eine neue Existenz aufgebaut.

Dann nahm das Leben der Familie erneut eine dramatische Wende. Kurz nachdem die Meintzners mit ihrer Tochter, der Mutter von Gisela Götz, zu einer erkrankten Verwandten in der ehemaligen DDR gefahren waren, wurde die Grenze dicht gemacht. Ihnen blieb nichts anderes übrig, als zu bleiben. Und so wurde Gisela Götz als Gisela Rogowski in der DDR geboren. 1989 kehrte sie nach dem Mauerfall nach Westdeutschland zurück, wohnte in Schramberg-Sulgen, später in Waldachtal. Seit 2011 lebt sie mit ihrem Mann in Pfalzgrafenweiler.

Ihre bewegte Familiengeschichte ließ sie nicht los, und so begann Gisela Götz vor 20 Jahren, Nachforschungen anzustellen. Sie wollte wissen, wer ihre Vorfahren sind, weshalb sie nach Bessarabien ausgewandert sind und ob es noch lebende Verwandte gibt, von denen sie nichts weiß. Per Zufall stieß sie im Internet auf das Ahnenforschungsprogramm "My Heritage", meldete sich dort kostenpflichtig an und gab die Namen der Großeltern ein.

Verbindungen zum Adel

"Dann kam eins zum anderen", erinnert sich Götz, deren Suchanfragen zahlreiche Ergebnisse lieferten. "Ich habe sehr viel gefunden", freut sich die Ahnenforscherin, die inzwischen über 6000 Verwandte ihrer Großmutter ausfindig machen konnte. Ihre Nachforschungen füllen zwei dicke Ordner. Das Programm hat aus den Suchergebnissen einen Stammbaum erstellt, mit Vorfahren in direkter Linie und weiter entfernten Verwandten. Der Stammbaum reicht bis 1395 zurück.

Gisela Götz fand heraus, dass eine entfernte Verwandte in Stuttgart eine ganze Kirche gestiftet hat. Noch interessanter fand sie die Verbindung zu den Adelsfamilien von Freudenstein nahe Knittlingen und von Gaisberger aus Schorndorf. Mit Letzterer ist sie in direkter Linie verwandt. Um ein paar Ecken soll sie sogar mit König Maximilian II, 1848 bis 1864 König von Bayern und Vater von König Ludwig II, verwandt sein. "Das konnte ich aber noch nicht nachweisen", sagt Gisela Götz, die an der Sache unbedingt dranbleiben will.

Auf ihre Nachfrage im Bessarabien-Archiv in Stuttgart hat sie einen Plan des an Weinberge angrenzenden Dorfs Maraslienfeld erhalten, auf dem auch das Haus ihrer Großeltern vermerkt ist. In ihren Unterlagen finden sich die Einwanderungsurkunde der Schwester ihrer Mutter und Namenslisten von Menschen aus den Kreisen Freudenstadt und Calw, die nach Bessarabien auswanderten.

Gisela Götz hatte zu vielen Behörden Kontakt, etwa zum russischen Landesarchiv und zum Esslinger Stadtarchiv. Mit vielen Verwandten, auf die sie bei ihrer Suche gestoßen ist, hat sie Kontakt aufgenommen – unter anderem in der Schweiz, in Brasilien und den USA. Mit ihren Großcousins Harry und Larry aus Colorado pflegt sie Briefkontakt. Die meisten Verwandten leben allerdings ganz in der Nähe: in Pfalzgrafenweiler, Hallwangen, Grüntal, Musbach, Loßburg oder Cresbach.

Fast jedes Wochenende saß Gisela Götz in den vergangenen 20 Jahren am Computer, um Neues über ihre Familie herauszufinden. Seit vier Jahren ist sie in Rente und hat mehr Zeit für die Ahnenforschung. Und weil die Nachforschungen über die Familie ihrer Großmutter nahezu abgeschlossen sind, soll nun die des Großvaters an die Reihe kommen. "Ich hoffe, dass ich über ihn auch so viel herausfinde", sagt Götz, die sich auf noch mehr Verwandte freut.

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