Nach 55 Jahren endete im katholischen Bildungswerk Wolfach-Oberwolfach die Ära Walter Schmider. Als junger Lehrer hatte er das Amt 1968 übernommen und sich vor allem als Reiseleiter für Studienreisen in alle Welt einen Namen gemacht.
Schon seit einigen Jahren war Schmider auf der Suche nach geeigneten Wolfacher Persönlichkeiten als Nachfolger und hatte dabei nach eigenen Worten „einige Wohnzimmergespräche geführt“. Mit Reinhold Waidele und Ingo Sum fand sich jetzt ein Duo, das das Bildungswerk ins siebte Jahrzehnt seines Bestehens führen wird.
Als letzte Amtshandlung zitierte Schmider noch einmal aus der Satzung der katholischen Bildungswerke, Erwachsenenbildung zu stärken, Pluralität der Lebensweisen und Meinungen zu bejahen, Konflikte anzunehmen in gegenseitigem Respekt und Wertschätzung und „Räume“ ideell und konkret zu schaffen.
Konflikte annehmen und „Räume“ schaffen
„Räume“ habe das Bildungswerk unter anderem für die Eltern-und-Kind-Gruppen in Wolfach und Oberwolfach geschaffen, in fünf Gruppen waren durchgehend etwa 50 Familien Teil des Bildungswerks, zunächst nur in Vorträgen wurde die Welt ins Tal geholt, ab 1984 Bildungsreisen als „intensivste Form“ der Bildungsarbeit angeboten. Akribisch hatte sich Schmider auch der Öffentlichkeitsarbeit verschrieben. Im gedruckten Jahresprogramm konnten sich die kirchlichen Gruppen ins Schaufenster stellen, vor den Zeiten des Internets waren darin alle wichtigen Kontaktadressen in der Pfarrgemeinde verfügbar.
Clemens Bühler, hauptamtlicher Leiter des Bildungszentrums Offenburg, fand lobende Worte für das Lebenswerk Schmiders und zitierte aus der Laudatio anlässlich der Verleihung des Senator-Ehrenamtspreises der Hubert-Burda-Stiftung an Schmider im Jahr 2018 und überreichte passend zu Schmiders Lebensmotto „Binde deinen Karren an einen Stern“ einen Holzstern.
Pfarrer Hannes Rümmele dankte vorab schon einmal in Kurzform, die große Würdigung wird Schmider beim Ehrenamtsabend der katholischen Kirchengemeinde 2024 erfahren. Ingo Sum verzichtete angesichts der schieren Größe der Schmider’schen Fußstapfen auf jedwede Form der Programmatik für seine Amtsführung. Wichtig sei, dass das Bildungswerk als Klammer für die Gruppierungen erhalten werde und die Landesfördermittel für Programme wie die frühkindliche Bildung weiter fließen könnten. Sum sieht sich weniger als „Macher“ und mehr als „Vermittler“, dies sei seinem Beruf geschuldet, wo jederzeit ein Notdienst die Planungen durcheinanderwerfen könne. Jede Rückmeldung aus den Gruppen würde beantwortet, „wenn ihr mir Zeit lasst“, so Sum.
Waidele ist schon im „Macher-Modus“
Reinhold Waidele ist schon seit einigen Monaten im „Macher-Modus“ für die Planung der ersten Bildungsreise, kurzfristig musste das Ziel Jordanien mit einer Bildungsreise nach Umbrien und Rom ersetzt werden, zehn Plätze seien aktuell noch frei. Ein wenig habe er sich schon Gedanken gemacht, wen er denn als „Chef“ vorgesetzt bekommen werde, Ingo Sum sei für ihn jetzt aber die perfekte Personalie, geben die beiden doch schon viele Jahre gemeinsam in der Wolfacher Stadtkapelle den Ton an.
Damit es von finanzieller Seite nicht zu Störgeräuschen kommt, erhalten Sum und Waidele Unterstützung von Christa Huber als Bildungswerk-Kassiererin und Monika Fleig als Kassiererin der Eltern-Kind-Gruppen, Walter Schmider wird sich bis Ende des Jahres noch für die Einarbeitung in die komplexe Materie der Meldung der Bildungswerk-Angebote nach Freiburg zur Verfügung halten.
Dankesrede
Walter Schmider nutzte seine letzte Rede als Bildungswerksleiter für den Dank an langjährige ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, so an Hausmeister Franz Hauer, Pfarrsekretärin Kristina Wöhrle, Ulrike Heinrich (über 25 Jahre Abrechnung der Kasse der Eltern-Kind-Gruppen) und Maria Sauerbrunn, die ihm über 35 Jahre die Finanzen im Bildungswerk verantwortet hat.