Das Große Orchester und Attila Hepp in Aktion Foto: Baur

Ein durchaus exotisches Thema hatte sich das Städtische Orchester Albstadt für das Herbstkonzert ausgesucht, das es im Rahmen der Albstädter Literaturtage gab: Es brachte Japan, dem Inselreich am anderen Ende Eurasiens, eine musikalische Hommage dar.

Albstadt-Ebingen - Mal zarte, mal impulsive Töne entführten die Zuhörer in der Ebinger Festhalle in eine fremde Welt, die allerdings nicht ganz fremd war. Die symphonische Blasmusik erfreut sich großer Beliebtheit in Japan; viele ihrer namhaften Komponisten stammen von dort. Den Anfang machten die "Youngster", die in mehr als einer Hinsicht jüngste Gruppe im Verein: Wie der Vereinsvorsitzende Dieter Dörrer zuvor in seiner Begrüßungsansprache angemerkt hatte, gibt es nach seiner Einschätzung nicht nur zu wenige Kinder, die lesen, sondern auch zu wenige, die musizieren – umso mehr Wert lege das städtische Orchester darauf, möglichst viele Kinder und Jugendliche an die Musik heranzuführen und habe deshalb die Formation der "Youngster" ins Leben gerufen. Seit Oktober hatten sie unter der Leitung von Attila Hepp geprobt; das Ergebnis konnte sich hören lassen: "Eye of the Tiger" aus der Filmmusik des Boxer-Melodrams "Rocky".

Danach war das Jugendorchester an der Reihe, das auch im Herbstkonzert keine Hemmungen hatte, die japanische Jahreszeit schlechthin zu feiern, den Frühling. Das Stück "Sakura Variation" nimmt Thema und Motive des Volkslieds "Sakura, Sakura" auf, in dem es um die Kirschblüte geht; die Interpretation der Ebinger Jugend brachte die Farben der Blüten akustisch zum Leuchten. Der musikalischen Huldigung an den Fernen Osten folgte die an den Westen: "Irish Dreams" evozierten die Weiten der irischen Insel, sanfte Klänge weckte Assoziationen an Feen und Elfen. Die "Great Movie Adventures" wiederum erinnerten so manchen Zuhörer an die Filmklassiker seiner Jugend, "Star Wars" etwa, "Jurassic Park" oder "E.T." in einer Bearbeitung von John Williams.

Großer Facettenreichtum

Das letzte Stück, das die Jugend vor der Pause anstimmte, schilderte Japan in seiner ganzen Vielschichtigkeit und bot dem Nachwuchs Gelegenheit, verschiedenste Facetten aufzuzeigen: Träumerische Klänge wechselten in "Real Pop" mit aufgeregten, raschen Melodienfolgen, die an eine Techno-Party erinnerten. Im Anlass wurden gleich drei junge Musikerinnen für die bestandene D2-Prüfung belohnt, nämlich Saxofonistin Jule Schlagenhauf und beiden Querflötistinnen Sophie Schick und Milena Nölke.

Im Gewand eines Samurai

Nach der Pause war das Große Orchester an der Reihe. Schon im ersten Stück "Fanfare-Hayabusa" spürte man, wie hoch das Vertrauen und wie gut die Abstimmung der Musiker untereinander und mit dem Dirigenten ist. Trotz Pandemie war es Attila Hepp mit seiner Offenheit und seinem Humor stets gelungen, die Musiker zu motivieren; statt zu schrumpfen, wie man hätte erwarten können, ist das Ensemble sogar gewachsen. Feierlich mutete die "Music For a Celebration" an, strahlend die Musik von "Ross Roy" mit ihrem charakteristischen Wechsel von langen und kurzen, prägnanten Tönen. Die Steigerung, wenn sie denn möglich war, brachte "Fanfare – The Benefaction From Sky and Mother Earth"; ein weiterer Höhepunkt war "The Last Samurai" des Filmkomponisten Hans Zimmer, das Attila Hepp tatsächlich als Samurai gewandet dirigierte. Die Spannung des Filmgeschehens war dabei mit Händen zu greifen, auch für diejenigen, die den Film nicht kannten.

Geschenk an den Dirigenten

Mit "March-Bou-Shu", dem das Volkslied "Boushu Oiwake" zugrundeliegt, endete eine sinnliche und zugleich spannungsgeladene musikalische Reise in ein ungemein vielschichtiges Land. Noch zwei professionell dargebotene Zugaben und die Überreichung von Geschenken an Aktivposten des Vereins, allen voran Attila Hepp – und dann war ein schöner Abend voll schöner musikalischer Erzählungen zu Ende.