Eine Luxushandtasche, ein seltener Ring für 700.000 Euro – in der Städtischen Pfandleihe Stuttgart landen Luxusgüter, aber auch Alltagsgegenstände, wenn das schnelle Geld gefragt ist.
Eine Handtasche von Hermès im Wert von rund 80.000 Euro oder ein seltener Ring für 700.000 Euro? Auch Luxushandtaschen und teurer Schmuck werden von den Kunden der Städtischen Pfandleihe in Stuttgart verpfändet – aber auch Gegenstände, die weniger wertvoll sind.
Wer kurzfristig Geld braucht und keinen Bankkredit möchte, kann sich das schnelle Geld in der Pfandleihe besorgen – ohne Schufa oder andere Hürden. Jürgen Barth, Geschäftsführer der Städtischen Pfandleihe Stuttgart, kann von unterschiedlichsten Kunden berichten. Dazu zählen auch der Rentner, der noch 30 Euro für den Einkauf braucht, die Witwe, der das Geld bis zum Monatsende nicht reicht, oder der Mittelständler, der seine eingekaufte Ware bezahlen muss und deshalb kurzfristig Geld braucht.
Kredit bei der Städtischen Pfandleihe Stuttgart unabhängig vom sozialen Status
„Die Menschen, die kommen, sind ganz unterschiedlich“, sagt er. Jeder bekomme einen Kredit, unabhängig vom sozialen Status – egal ob 20 Euro oder 50.000 Euro. Man spüre, dass das Geld knapper werde und gewinne auch neue Kunden. „Der Pfandkredit ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, sagt Barth. Während Corona etwa hätten Künstler sogar seltene Musikinstrumente – die im Übrigen auch richtig temperiert gelagert werden müssen – in die Pfandleihe gebracht, um mit dem Kredit die Zeit ohne Einkommen zu überbrücken. Erst kürzlich sei ein Kunde gekommen und habe 500 Gramm Gold eingelagert, weil er kurzfristig 40.000 Euro brauchte, sein Gold aber nicht verkaufen wollte, sagt Barth. Ein anderer verpfändete zwei hochwertige Uhren für einen kurzfristigen Kredit.
Mit „Arme-Leute-Bank“, wie Pfandhäuser einst bezeichnet wurden, habe das nichts zu tun, sagt Wolfgang Schedl vom Zentralverband des Deutschen Pfandkreditgewerbes (ZDP) in Stuttgart. Nicht nur Leute mit kleinem Geldbeutel, auch Vermögende und Gewerbetreibende setzten zunehmend auf Pfandkredite, sagt er. Dem Verband gehören rund 150 Mitgliedsbetriebe mit etwa 250 Geschäftsstellen an, darunter auch ein halbes Dutzend Betriebe in Stuttgart. Die Städtische Pfandleihe, deren Historie nach eigenen Angaben bis ins Jahr 1872 zurückreicht, ist auch Mitglied. Sie ist eine Tochtergesellschaft der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), hat acht Beschäftigte, darunter auch Goldschmiede und Uhrmacher für die Expertisen.
„Ein Pfandkredit ist im Prinzip nichts anderes als ein Bankkredit – allerdings ohne persönliche Haftung“, sagt Branchenexperte Schedl. Man gerate nicht in die Schuldenfalle, wenn man ihn nicht zurückzahle. „Sie geben ihr Pfand ab und bekommen Geld dafür“, sagt er.
Das Geschäft läuft diskret, schnell und unbürokratisch. Kunden hinterlegen ein Pfand – das können beispielsweise Uhren, Schmuck, Laptops, Elektrowerkzeuge oder Fahrräder sein – und bekommen dafür einen Kredit. In der Regel dauert das weniger als 30 Minuten. Eine Schufa-Auskunft ist nicht nötig, auch keine Bonitätsprüfung. Der Kunde muss lediglich mindestens 18 Jahre alt sein und sich ausweisen können. Wie viel er dann für die Uhr oder beispielsweise den Ring bekommt, entscheidet der Pfandleiher. Schmuck orientiert sich am aktuellen Goldpreis. Der ist gestiegen, was sicherlich auch einen Einfluss darauf hat, dass der durchschnittliche Kreditbetrag in der Branche auf rund 750 Euro gestiegen ist, wie Barth sagt.
Risikoabschlag beim Pfandkredit beträgt etwa 20 bis 30 Prozent
Kunden bekommen allerdings nie den tatsächlichen Wert ihres Pfands als Kredit, sondern einen Abschlag, der nach Angaben von Barth bei etwa 20 bis 30 Prozent liegt – ein Risikoabschlag, den das Pfandleihhaus einkalkuliert, falls der Kunde das Pfand nicht abholt und es beispielsweise versteigert werden muss. Zudem entstehen Kosten für die Versicherung des Gegenstands.
Für den Pfandkredit werden Zinsen und Gebühren fällig – ein Prozent Zins pro Monat, die Gebühren für Darlehen bis 300 Euro sind nach der Pfandleiherverordnung gestaffelt geregelt. Bei einem Darlehen von 31 bis 50 Euro fallen ein Prozent Zins monatlich und zwei Euro Gebühren an, bei einem Darlehen beispielsweise zwischen 251 und 300 Euro werden 6,50 Euro Gebühren fällig. Für Kredite über 300 Euro sind die Gebühren zwischen Pfandleiher und Kunde verhandelbar.
Welche Gegenstände von der Städtischen Pfandleihe Stuttgart versteigert werden
Verbraucherschützer warnen davor, dass Pfandkredite teuer sein können, vor allem, wenn man das Geld für die Auslösung eines Pfands nicht auftreiben könne, eine Verlängerung beantrage und sich Zinsen und Gebühren erhöhten. Pfandkredite kämen für Menschen in Betracht, die in der Lage seien, ihre verpfändeten Wertsachen nach drei bis vier Monaten auch wieder auszulösen, so die Verbraucherschützer. Die Verbraucherzentralen raten außerdem dazu, Angebote zu vergleichen. Bei ihren Stichproben haben sie herausgefunden, dass Aufschläge bis zu 30 Prozent des Pfandkredits möglich sind.
Für lange Laufzeiten seien Pfandkredite nicht geeignet, sagt auch Branchenexperte Schedl. Er weiß von Stammkunden in Mitgliedsbetrieben, die ein und denselben Gegenstand immer wieder zum Beleihen bringen. In der Regel sind es bis zu drei Monate, manchmal wird auch verlängert. Der Kunde kann zwischenzeitlich auch Teilbeträge zurückzahlen. Zahlt er alles rechtzeitig zurück, kann er den beliehenen Gegenstand wieder mitnehmen.
Nach Barths Angaben werden mehr als 90 Prozent der beliehenen Gegenstände in der Städtischen Pfandleihe Stuttgart von den Kunden wieder ausgelöst und abgeholt – ein Wert, der auch für die Branche gilt. Der Rest wird versteigert – frühestens nach vier Monaten, wenn sich der Eigentümer oder die Eigentümerin nicht gemeldet hat. Denen steht der Mehrerlös aus der Versteigerung im Übrigen zu. Wenn die Eigentümer aber nicht ermittelt werden könnten, gehe das Geld an die Stadt Stuttgart, sagt Barth. „Das sei ein schönes Sümmchen“, sagt er. Zahlen will er keine nennen, auch nicht zur Gesamtsumme der vergebenen Kredite.