Mit einer außergewöhnlichen, schaurigen Performance ging am Sonntagabend die Ausstellung „Zwei“ in der Städtischen Galerie zu Ende. Gleichzeitig verabschiedete sich der bisherige Galerieleiter Stephan Rößler endgültig aus der städtischen Kulturszene.
Mit ihrer „Vampire-Trillogy“ zogen Cristina Gómez Barrio und Wolfgang Mayer, die als Künstler-Duo Discoteca Flaming Star seit rund 25 Jahren erfolgreich sind und Teil der Ausstellung „Zwei“ in der Städtischen Galerie waren, die Blicke des Publikums auf sich.
Das, was die beiden Professoren der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart in ihren künstlerischen Performances vereinen, präsentieren sie auch am Sonntagabend im Galerie-Garten: Video- und Körperkunst, Poetik und Musik.
Christina Gómez Barrio sprüht ihrem Compagnon Wolfgang Mayer weiße Farbe auf den Rücken, der fortan als Videoleinwand dient. Auf ihn werden Szenen aus popkulturellen Horror-Klassikern – als Stummfilm vom Künstlerduo produziert – projiziert, während Barrio neben Mayer stehend einen Comic von Horrorfilm-Regisseur George Romero durchblättert und immer wieder Phrasen passend zur Zombie-Apokalypse daraus einwirft.
Gegenwartsthemen können sich etablieren
Die Stadt Villingen-Schwenningen könne stolz darauf sein, dass Discoteca Flaming Star bereits zum zweiten Mal vor Ort sind, betont der scheidende Galerie-Leiter Stephan Rößler. Denn eine Arbeit von Christina Gomez Barrio – eine fragile Blume – ist bereits seit dem Jahr 1999 im Erdgeschoss der Städtischen Galerie zu sehen.
Mit der Resonanz der Ausstellung „Zwei. Zur Aktualität des Duos“, die rund ein halbes Jahr in die Städtische Galerie gelockt hat, zeigt sich Rößler derweil zufrieden, sie sei „durchweg sehr positiv“ aufgenommen worden. Zur Zielgruppe habe ein „sehr spezielles Publikum“ gehört – genau solches, das der Galerieleiter mit den Ausstellungen bewusst nach Schwenningen holen wollte.
Man habe ihm immer wieder zurückgespiegelt, dass man sich in der Galerie zeitweise im Museum für Gegenwart in Berlin gefühlt habe. „Das zeigt, dass sich diese Themenausstellungen etablieren können“, ist sich Rößler sicher. Eine Ausstellung wie „Zwei“ habe einen sehr professionellen Anspruch und gleichzeitig eine aufwendige Präsentation.
Die Ausstellung ist der Frage nachgegangen, ob Künstler-Duos in der heutigen Zeit überhaupt noch Relevanz haben, nachdem sie vor allem in der Achtziger- und Neunzigerjahren aktuell waren. „Ja, auf jeden Fall!“, sagt der scheidende Leiter.
Kollektives Arbeiten macht Sinn
Die Themen seien ganz unterschiedlich, die Art und Weise sie in der Praxis umzusetzen aber dieselbe. Das kollektive, duale Arbeiten sei aber ein ausschließliches Phänomen des 20. Jahrhunderts, so Rößler, der mit Kuratorin-Kollegin Marie-Luise Zielonka am Sonntagnachmittag zur letzten Führung durch die Ausstellung eingeladen hatte. Auch dabei sei deutlich geworden: „Man ergänzt sich einfach gut.“
Vermittlung ist das A und O
Für die Stadt VS und die Städtische Galerie sei es enorm wichtig, Gegenwartspositionen vor Ort zu haben. „Ich hätte es gerne weiter verfolgt“, gibt der Kunsthistoriker zu, der zum 1. Mai seine neue Stelle am Kunstmuseum in Reutlingen beginnt. Nicht zuletzt durch die geplatzten Pläne des Bürk-Areals, das Rößler eigentlich auf den Weg bringen wollte, hatte er im Februar seine Stelle als Galerie-Leiter beziehungsweise Leiter der Schwenninger Museen gekündigt. „Man muss die Menschen abholen, damit die Galerie bestehen kann“, betont er, „sie braucht ein Vermittlungsprogramm“.
Und nicht nur die Galerie: auch das Uhrenindustrie- sowie das Heimatmuseum. Nachdem die Bürk-Pläne ein Museums-Areal an einem Ort vereint verfolgt hätten, müsse nun für jedes Museum einzeln ein Konzept erarbeitet werden.
Rößler macht Werbung für seinen Nachfolger
Damit spricht Stephan Rößler auch die separate Stelle des Leiters der Schwenninger Museen an, die nach dem jüngsten Gemeinderatsbeschluss wieder ausgeschrieben wird. Der bisherige Leiter Michael Hütt war im November 2022 in Ruhestand gegangen, daraufhin hatte Rößler dessen Aufgaben zusätzlich übernommen. Zudem sei es jetzt wichtig, dass ein potenzieller neuer Galerieleiter mit „frischen Ideen“ kommt. Denn das Publikum vor Ort sei offen für neue Konzepte, betont er als Resümee seiner dreieinhalb Amtsjahre in Schwennningen – und macht gleichzeitig Werbung für den Posten: „Man kann hier gut starten!“
So geht es weiter
Die Städtische Galerie
Die Stelle für den neuen Leiter der Städtischen Galerie ist ausgeschrieben, Bewerbungsgespräche hätten, so Stephan Rößler, bereits stattgefunden. Nähere Informationen gebe es bisher nicht. Eine neue Ausstellung über die Nachwirkungen der DDR in der Kunst nach dem Mauerfall , die von der wissenschaftlichen Volontärin Rebekka Marpert kuratiert wird, ist für Herbst 2024 geplant. Wenn alles gut läuft, könnte der potenzielle neue Leiter dann im Frühjahr 2025 seine erste eigene Ausstellung in der Städtischen Galerie kuratieren.
Das Uhrenindustriemuseum
Anlässlich des 100-jährigen Bestehens des legendären Schwenninger Unternehmens Tipp-Kick findet vom 7. Juni bis 10. November die Sonderausstellung „Abseits des Rasens. Fußball in Spiel und Simulation“ statt, die von Stephan Rößler und der wissenschaftlichen Mitarbeiterin des Uhrenindustriemuseums, Lisa Schmid, auf die Beine gestellt wurde.