Die neue Ausstellung der Städtischen Galerie „Liminalität – Räume im Übergang“ wurde jetzt eröffnet, die sich mit Zuständen und Momenten des Umschwungs und der Grenzziehung beschäftigt.
Auf dem Linoleum-Boden der Städtischen Galerie am Schwenninger Bahnhof liegt derzeit ein Drahtgitter-Zaun.
Und ein bisschen scheint dieser Zaun von David Hepp programmatisch für die aktuelle Ausstellung „Liminalität – Räume im Übergang“ zu sein, denn schließlich markieren Zäune quasi prototypisch ebensolche Schwellenräume und Grenzen zwischen einzelnen Abschnitten.
Und so prangt der Zaun des Kunstwerks „Weitere Gründe“ mitten im Raum, künstlerisch vervielfältigt, weil das Betonfundament eigentlich aus Silikon ist und sich so beliebig oft kopieren lässt. Aber das Kunstwerk zeigt gleichzeitig, dass die aktuelle Ausstellung über das Abbilden hinaus geht, denn der Zaun liegt am Boden und vermittelt nur den Eindruck einer Grenzsetzung, obwohl er eigentlich genau das ja nicht tut.
Übergang ernst nehmen
So irritiert das Objekt da mitten im Raum, durchbricht Seh- und Wahrnehmungsgewohnheiten und lädt zur Reflexion ein. Und genau das ist es, was die Ausstellung von Galerieleiter und Kurator Alejandro Perdomo Daniels möchte: „Die Ausstellung ist eine Einladung, den Übergang selbst und nicht nur als Zwischenstation ernst zu nehmen, Verbindungen herzustellen, Irritationen zuzulassen und eigene Perspektiven zu entwickeln“, lud er die Besucher der Vernissage am Samstag zur eigenen Entdeckung der „bewusst nicht-linear“ gedachten Ausstellung ein.
Neun Künstler
Denn schließlich sei Kunst ein besonders geeignetes Medium, um solche Schwellen zu erforschen, weil so oft in der Uneindeutigkeit und Unbestimmtheit agiere. Die neun internationalen Künstlerinnen und Künstler der Ausstellung präsentierten dafür Arbeiten, die unterschiedliche Dimensionen dieser liminalen Übergangserfahrungen erschlössen: physische Übergangszonen, virtuelle Zwischenräume und Grenzziehungen und nicht zuletzt soziale und politische Schwellen, wie etwa die Arbeit von Manaf Halbouni. Er zeigt in seiner Serie „Broken Dreams“ farbenprächtige Häuser, deren Rahmen jedoch mit Spanngurten zusammengehalten werden.
Die scheinbar heilen Fassaden wirken dadurch zugleich stabilisiert und provisorisch fixiert, als würden sie jederzeit wieder auseinanderbrechen können. So werden die Häuser zu Sinnbildern eines verlorenen oder erträumten Zuhauses.
Zerbrechlichkeit von Heimat
Die Arbeit des Künstlers mit syrischem Vater und Mutter aus Dresden macht damit die Zerbrechlichkeit von Heimat sichtbar und verweist auf die biografischen und politischen Brüche, die hinter diesen Bildern stehen. Sei es an Halbounis Beispiel im Krieg in Syrien oder der Zerstörung Dresdens im Zweiten Weltkrieg, „Liminalität wird zur grundlegenden Erfahrungszone unserer Zeit“, überlegte Perdomo Daniels. Denn schließlich lebten wir in einer Gegenwart, die von globalen Umbrüchen, technologischen Verschiebungen sowie kulturellen und gesellschaftlichen Neuausrichtungen geprägt ist.
Und auch Bürgermeister Detlev Bührer fand in seinen Grußworten zur Ausstellungseröffnung ganz alltägliche Beispiele des Übergangs, etwa im Augenblick zwischen Urlaub und Alltag oder kurz vor dem Einschlafen, in Hotellobbys und Fluren: „Die Ausstellung ist viel näher an Ihrem Alltag, als Sie vielleicht gerade noch glauben wollen“, überlegte Bührer.
Die Ausstellung „Liminalität – Räume im Übergang“ ist noch bis Anfang Mai in der Städtischen Galerie am Schwenninger Bahnhof zu sehen. Sie wird begleitet von einem umfassenden Rahmenprogramm für verschiedene Bevölkerungsgruppen.