Seit mehr als 60 Jahren pflegt Schramberg Partnerschaften mit Städten in ganz Europa. Doch wie lebendig sind diese Beziehungen heute noch?
Seit mehr als sechs Jahrzehnten pflegt Schramberg Städtepartnerschaften in ganz Europa. Den Anfang machte die französische Kleinstadt Hirson im Jahr 1958, in einer Zeit, in der viele Kommunen bewusst Brücken der Versöhnung nach dem Zweiten Weltkrieg bauen wollten.
Es folgten Partnerschaften mit Charleroi in Belgien, Lachen in der Schweiz, Cakovec in Kroatien und nach der Wiedervereinigung auch mit der sächsischen Stadt Glashütte. Entstanden sind diese Freundschaften aus sehr unterschiedlichen Beweggründen, oft aus dem Wunsch nach Verständigung, aus Solidarität, aus persönlichen Begegnungen oder gemeinsamen historischen Wurzeln. Doch wie lebendig sind die Beziehungen zu den Städten heute noch? Auf Anfrage unserer Redaktion hat Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr einen Einblick in den aktuellen Stand gegeben.
Beziehungen sind unterschiedlich ausgeprägt
Die Beziehungen zu den Städten sei aktuell unterschiedlich ausgeprägt. „Die Intensität der Städtepartnerschaften variiert von Partnerstadt zu Partnerstadt. Insgesamt kann man sagen, dass die Beziehungen lebendig sind und durch regelmäßige Treffen auf offizieller sowie auf Vereinsebene gepflegt werden“, erklärt Eisenlohr. Besonders eng seien derzeit die Verbindungen zu Lachen und Hirson. Auch mit Glashütte gebe es aktuellen Austausch, während die Kontakte zu Cakovec und Charleroi momentan eher zurückhaltend verliefen.
Regelmäßige Begegnungen fänden dennoch auf verschiedenen Ebenen statt. Neben Kontakten zwischen den Stadtspitzen und Gemeinderäten spielten vor allem die Vereine eine tragende Rolle. Ein fester Bestandteil seien die gegenseitigen Besuche zur Fasnet, bei denen Delegationen aus Lachen und Hirson regelmäßig zu Gast seien. Bei der vergangenen Fasnet sprang der Lachener Gemeindepräsident Emil Woodtli sogar kurzfristig bei der „Da-Bach-na-Fahrt“ ein. Umgekehrt nehme Eisenlohr mit einer Delegationen aus Narrenzunft und Gemeinderat jedes Jahr am Umzug „No Piot“ in Hirson teil. Darüber hinaus gab es 2024 eine gemeinsame Klausur der Gemeinderäte in Lachen und Schramberg sowie 2025 mehrere Besuche in Lachen, unter anderem anlässlich der dortigen Dorfkernsanierung.
Lebendige Freundschaften auf Vereinsebene
Auch auf Vereinsebene sei der Austausch lebendig. So nahmen etwa die Fußballerinnen des FV Tennenbronn an einem Turnier in Hirson teil, während der Musikverein Frohsinn zeitgleich dorthin reiste, um das Fest „No Piot“ musikalisch zu bereichern. Die Schramberger Stadtmusik wiederum gestaltete 2025 das Dorffest in Lachen mit. Eine besonders langjährige Verbindung pflege der Radfahrerverein „Wanderlust“ Waldmössingen mit Radsportlern aus Hirson, die sich jährlich zu mehrtägigen Touren irgendwo in Europa treffen. Auch die Schützen aus Schramberg und Lachen verbinden laut Eisenlohr inzwischen eine enge Freundschaft. „Die Stadt Schramberg unterstützt die Vereinsaktivitäten im Rahmen der Partnerschaften“, hebt die Oberbürgermeisterin hervor.
Weitere Begegnungen für die Zukunft geplant
Für die nähere Zukunft seien weitere Begegnungen geplant. Eine kleine Gruppe aus Lachen wird erneut zur Fasnet erwartet. Aufgrund der anstehenden Kommunalwahlen in Frankreich würden die Partner aus Hirson in diesem Jahr auf einen Besuch in Schramberg verzichten. Dafür wollen die Schramberger dieses Jahr wieder nach Frankreich reisen: „Sobald wir die Einladung aus Hirson für Pfingsten bekommen, bereiten wir die Kostüme für den Umzug ‚No Piot‘ vor“, so Eisenlohr.
Ungeachtet veränderter gesellschaftlicher Rahmenbedingungen misst die Stadt den Städtepartnerschaften weiterhin große Bedeutung bei. „Gerade in unruhigen Zeiten, in denen gesellschaftliche Spannungen zunehmen und Europa vor großen Herausforderungen steht, tut es gut, mit unseren europäischen Nachbarn zusammenzurücken und den Dialog aktiv zu pflegen“, betont Eisenlohr. Historisch hätten Städtepartnerschaften – insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg – eine unschätzbare Rolle bei der Versöhnung gespielt, vor allem im deutsch-französischen Verhältnis, an dem Schramberg früh beteiligt gewesen sei.
Beziehungen sollen aufrecht erhalten werden
Für die Zukunft will Schramberg die bestehenden Beziehungen auf jeden Fall aufrechterhalten und – soweit es die Ressourcen erlauben – auch wieder stärker beleben. Mit Glashütte gebe es hierzu aktuell Gespräche und einen persönlichen Kontakt zwischen Dorothee Eisenlohr und Bürgermeister Sven Gleißberg. So war 2025 etwa der Musikverein Harmonie Tennenbronn für einige Tage zu Gast in Glashütte. Für eine mögliche Reaktivierung der Partnerschaft mit Cakovec habe zudem die Kultur- und Sportgemeinde Kroatisches Heim ihre Unterstützung angeboten.
Sprache und Distanz als Herausforderung
Als größte Herausforderungen bei der Pflege der Städtepartnerschaften nennt die Oberbürgermeisterin Sprache, räumliche Distanz, Zeit und nicht zuletzt die finanziellen Mittel. Reisen größerer Gruppen seien mit hohen Kosten verbunden und setzten klare Grenzen. Dennoch gelte: „Trotzdem möchten wir die Partnerschaften im Rahmen des Möglichen weiter pflegen und vom Austausch profitieren.“